Abenteuer beim Geocaching und Schreiben: Interview mit Marcellus Cadd von Geocaching While Black

Marcellus Cadd (atreides_78723) schreibt den Blog Geocaching While Black. Was mit dem Finden eines Geocaches in der Nähe angefangen hat, wurde zu einer Leiderschaft, versteckte Schätze zu finden und über all die Erfahrungen zu schreiben. Wir sprachen mit Marcellus über seine Geocaching-Abenteuer, was ihm Geocaching bedeutet und was er seinen Lesern in seinem Blog mitgeben möchte.

100 Cache des Tages


Wie hast Du mit Geocaching angefangen?

Es gibt eine Verhaltensforscherin namens Emily Taylor, die sagte, dass Leute oftmals neue Sachen anfangen aus einem dieser beiden Gründe: entweder aus Liebe oder aus Kummer. Naja, bei mir war es Kummer, dank eines gebrochenen Herzens. Irgendwo mittendrin in meiner Traurigkeit hat jemand Geocaching erwähnt. Zum ersten Mal hatte ich 2001 von Geocaching gehört und dachte mir “warum sollte jemand mitten in die Pampa reisen, um ein paar Dosen zu finden?” Siebzehn Jahre später schien es genau das zu sein, was ich tun wollte. Natürlich hatte sich in dieser Zeit einiges verändert. Ein paar Blocks von meinem Zuhause entfernt fand ich einen Cache, und dann noch einen und bald hatte sich mein Kummer in Liebe verwandelt. Ich wurde in unsere versteckte Welt hineingezogen, die knapp unter der Oberfläche der profanen Realität liegt und die wir mit anderen Muggels teilen.

Was waren die denkwürdigsten Momente für Dich beim Geocaching?

Die meisten davon sind gut: La Casa de Azúcar in El Pason zu sehen; meine Tour zum Gerichtsgebäude von Terrell in Sanderson; meine Fahrt nach Longview mit meinen Töchtern, bei der wir alle Landkreise auf dem Weg abgegrast haben. Und Mingo und Arikaree kommen da auch irgendwo rein…

Manche meiner Erinnerungen sind seltsam, wie damals, als ich vom FBI in Nuevo Leon angehalten wurde oder als ich spontan in Floydada im Ehrenspalier gestanden bin.

Ein paar sind auch schlecht: mein Autounfall bei Coleman oder “der Vorfall” in Paris.

Aber alle, ob gut oder schlecht, sind Erinnerungen, die ich nie vergessen werde.

La Casa de Azúcar in El Paso, Texas

Wann wusstest Du, dass Du süchtig warst?

Eines Tages wurde mir klar, dass ich 100 Tage lang am Stück jeden Tag einen Geocache gefunden hatte. Das war um die Zeit rum als ich dachte “Ja. Ich bin dabei.”

Wenn Du an einem beliebigen Ort auf der Welt geocachen könntest, wohin würdest Du gehen?

Ich habe zwei Traum-Geocaches! Der erste ist in Niger mitten in der Sahara.
L’Arbre du Tenere war eine Akazie, die jahrhundertelang in der Wüste überlebt hatte. Der einsamste Baum der Welt war ein Orientierungspunkt für Wohnwägen und Nomaden, die durch die Wüste reisten. Leider wurde der Baum 1973 von einem Lastwagenfahrer umgefahren, aber man hat ein Denkmal aufgestellt und dort einen Geocache versteckt! Er wurde nur einmal gefunden (im Jahr 2006) und ich hätte gerne den STF, aber das wird in diesem Jahr nichts mehr. 🙂 Der zweite ist viel leichter zu erreichen: ein EarthCache namens Earthquakes in Istanbul, der sich bei der Hagia Sophia befindet. Vielleicht komme ich niemals in die Nähe von ihnen, aber die Hoffnung währt ewig!

Welche Geocaching-Art magst Du am liebsten?

Das klingt vielleicht langweilig, aber ich mag Traditionelle Geocaches am liebsten. So sehr ich auch kluge Rätsel mag oder die Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten, ich finde die Einfachheit toll, zu einem Ort zu gehen, meine Sinne zu schärfen und einen Schatz zu finden.

Einen Tradi finden

Was macht einen Qualitäts-Cache aus?

Ein Qualitätscache ist ein Cache, für den Du von weither anreist und danach das Gefühl hast, dass er es wert war. Er kann auch viele Formen annehmen. Ein einfacher Cache der süß oder witzig oder berührend ist kann genauso gut sein wie ein wirklich schlau versteckter Cache, bei dem man ein richtiges Siegesgefühl bekommt.

Hast Du einen eigenen Lieblingscache?

Mein persönlicher Lieblingscache von mir ist eine kleine Rätselbox mit mehreren Behältern ineinander. Er hat auch zusammen mit einem anderen Cache die meisten Favoritenpunkte erhalten. Der andere Cache mit den meisten Favoritenpunkten ist ein Behälter (aber KEIN Schlüsselkasten), der magnetisch an etwas Passendem angebracht wurde, und obwohl ich ihn weder besonders clever oder interessant finde, scheinen die Finder ihn zu mögen. Ich denke, ich will damit sagen, dass ich weiß, was mir gefällt, aber ich hab keine Ahnung, was anderen gefallen wird!

Spaß beim Geocaching

Du schreibst den Blog Geocaching While Black. Warum hast Du diesen Blog angefangen?

Meine Inspiration kam von einem Forum Post, in dem jemand gefragt hat, wie oft andere Cacher von der Polizei angehalten wurden. Viele der Antworten waren in etwa “Ich wurde einmal in 4 Jahren angehalten” oder “Ich bin in 5 Jahren noch nie angehalten worden”, und ich saß da und dacht mir “Ich mach das seit 6 Monaten und ich bin schon 7 Mal von der Polizei angehalten worden”, und dabei zählte ich das Securitypersonal noch nicht mal mit. Als ich das mit der Tatsache kombinierte, dass ich tatsächlich noch nie ein Bild von einem schwarzen Geocacher gesehen hatte, dachte ich, dass es eine gute Idee sei, über Geocaching aus einer anderen Perspektive zu schreiben. Ich treffe dieser Tage zwar nicht mehr so viel auf Polizisten wie früher, weil die Erfahrung mir beigebracht habe, bei Muggeln nicht mehr so sehr aufzufallen, aber ich bin immer darauf gefasst.

Was bedeutet der Titel Deines Blogs für Dich?

Das war ein glücklicher Zufall. Ich sprach mit jemandem über die Idee einen Blog aus der Perspektive eines Schwarzen zu schreiben, und er erwähnte, dass ich die Tatsache, dass ich schwarz bin, auf jeden Fall viel mehr betonen sollte, als ich es vorhatte, denn das würde mich von anderen Blogs unterscheiden. Und ich sagte wörtlich zu ihm “Was? Soll ich es etwa…Geocaching als Schwarzer nennen?” und wir haben uns nur angeschaut und wussten, dass wir den Titel gefunden hatten. Geocaching ist eine sehr rassenneutrale Beschäftigung, aber das bedeutet auch nicht, dass nur eine Rasse es betreiben kann. Diese Sache so herauszustellen dient als Erinnerung daran, dass einige von uns es tun und es dient auch (hoffe ich) als Zeichen an andere, das sagt “kommt rein, das Wasser ist herrlich”. Wenn ich Glück habe, inspiriere ich andere, über ihre Abenteuer aus ihrer eigenen speziellen Perspektive zu schreiben, ob es mit Rasse, Herkunft oder was auch immer zu tun hat.

Texas’ ältester Cache

Wass hoffst Du, dass die Leute lernen von Geocaching While Black?

Ich wäre froh, wenn jemand auch an andere Cacher denkt, wenn er seine Verstecke auswählt. Manche Leute könnten einen Erinnerungspark der Konföderierten nicht für einen tollen Ort halten, an dem man einen Geocache versteckt. Vielleicht ist es auch keine gute Idee, etwas in Deinem Hinterhof zu verstecken, wenn Deine Nachbarn nicht wissen, dass x-beliebige Fremde dort hingehen könnten. Vielleicht könnte ein cleverer Ort problematisch sein für andere Cacher aus Gründen, die nichts mit dem Cache selbst zu tun haben, aber alles mit soziologischer Politik. Wenn ein Cache-Verstecker das bedenkt wegen etwas, das ich geschrieben habe, dann war es für mich all das wert.

Ausgehend vom Slogan Deines Blogs, wie findest Du, dass schwarz sein und Geocaching zusammenpassen?

Ich finde, das passt toll zusammen. 🙂 Ich bin auch nicht der einzige. Mir sind noch nicht viele schwarze Geocacher begegnet, aber die paar, die ich getroffen habe, haben fast genauso viel Spaß daran wie ich. Im Moment, wie ich manchmal witzele, gibt es buchstäblich DUTZENDE von us, aber ich hoffe, dass noch mehr von uns die Herausforderung annehmen und ich hoffe, dass mein kleiner Beitrag dabei hilft.

In Geocaching While Black weist Du häufig auf Gerichtsgebäude hin. Warum suchst Du Gerichtsgebäude?

Das war ein weiterer glücklicher Zufall. Vor langer Zeit, lange, bevor ich mit dem Cachen angefangen hab, fand ich es interessant, jedes Gerichtsgebäude im Bundesstaat Texas zu besuchen. Ich hab die Idee verworden, aber ich hab sie wiederbelebt, als ich die Texas Landkreis Challenge begonnen habe.
Wenn ich sowieso in jedem Landkreis bin, warum sollte ich dann nicht jedes Gerichtsgebäude besuchen? Wie könnte man jeden Ort, zu dem ich hingehe, besser unterscheiden? Nach einer Weile entwickelte ich eine Meinung über die Gebäude aus architektonischer Sicht und, da ich ein Mann mit starker Meinung bin, hab ich einfach weitergemacht.

Zwischenstopp am Gerichtsgebäude in Deming, Neu Mexiko

Dein Blog hat Nummern für alle Posts. Was bedeuten diese Zahlen?

Als ich mit all dem anfing, hab ich nie wirklich gedacht, dass ich weiter gehe als die 254 Landkreise von Texas. Da ich die Landkreise in denen ich war nummerieren wollte, hab ich einfach am Anfang begonnen und hochgezählt. Als ich bei 254 ankam und beschlossen hab, weiterzumachen musste ich unterscheiden, in welchem Bundesstaat sich die neuen Landkreise befanden, also sollte ich nochmal von vorn zählen? Das wäre nur eine gute Idee, wenn ich jeweils einen Bundesstaat machen würde (was ich aber offenbar nicht gemacht hab). Stattdessen beschloss ich, meine ursprüngliche Zählung fortzusetzen und weiter hochzuzählen (um zu zeigen, in wie vielen Landkreisen ich schon war) und ein spezielles Kennzeichen für den Bundesstaat hinzuzufügen und die wievielte Nummer es für diesen Bundesstaat ist.

Die Texas Landkreis Challenge erfüllen – einen Cache in allen 254 Landkreisen von Texas finden!

Du schreibst regelmäßig Blogposts. Was lässt Dich beim Schreiben am Ball bleiben?

Ich liebe Cachen und ich liebe Schreiben und so haben die beiden einen kleinen Kreislauf gebildet. Ich suche Caches, um etwas zum Schreiben zu haben, aber das Schreiben verlangt neue Inhalte, also cache ich weiter. Der Kreislauf ist jetzt etabliert und deshalb muss es immer weiter gehen.

Was bedeutet Geocaching für Dich?

Wenn ich glücklich war, bereitete es mir Freude. Wenn ich niedergeschlagen war, hat es mich von meinen Problemen abgelenkt. Als die Welt noch ganz offen war, gab es mir einen Grund zu versuchen, alles zu sehen. Als alles durch die diversen Quarantänen aufhörte, gab es mir die Chance, ein wenig grün zu sehen. Manche Leistungen machten mich glücklich; manche DNFs haben mich enttäuscht; manche Begegnungen machten mich froh, oder sauer oder in ganz seltenen Fällen, wütend.
Aber ich hab immer was dabei empfunden. Manchmal empfand ich etwas für die Natur, womit ich nicht wirklich großgeworden bin, manchmal für die Stadt, denn dort gibt es eine ganz andere Art von Wildnis, aber Geocaching hat immer Gefühle in mir ausgelöst, und dafür bin ich dankbar.

Hast Du Ratschläge für neue Geocacher?

Die Reise jedes einzelnen ist ganz einzigartig, also cacht so wie Ihr wollt und (abgesehen von der grundlegenden Geocaching-Etikette) schert Euch nicht darum, was die Leute denken! Die Leute haben immer eine Meinung darüber, wie X sein sollte oder wie Y sein sollte und Du denkst vielleicht, weil sie eine höhere Fundzahl haben als Du zählt ihre Meinung mehr.
Es gibt Leute, die haben in der Größenordnung mehr Funde als ich und die Sachen gemacht haben, die ich bewundere. Aber es gibt auch Leute mit weniger Funden als ich, auf die ich neidisch bin. Ich kenne eine Cacherin hier, die hat nur ein paar hundert Funde, aber ihr am weitesten entfernter Cache ist in Guam. Ein anderer Cacher hat weniger als halb so viel Caches wie ich, aber er hat Caches in acht anderen Ländern gefunden. Eine sehr gute Freundin von mir cacht relativ selten, aber sie hat es lange vor mir nach Mingo geschafft! Also, mach Dein Ding und hab Spaß!

Marcellus mit seinem trackable Schirm

Emily is a Community Volunteer Support Specialist at Geocaching HQ. She's a native Texan raised in the Midwest and enchanted by the Pacific Northwest. You can usually find her lost in a guidebook planning her next adventurous travels.