
Barrierefreiheit trifft Abenteuer: Der Birkenstock-freundliche Guide zum Geocaching
BirkenstockReport ist eine Geocacherin aus Alaska, die es sich zum Ziel gemacht hat, ins Geocaching mehr Inklusion und Barrierefreiheit zu bringen und gleichzeitig Abenteuer und Entdecken in all ihren Formen zu würdigen.
Als junge Erwachsene litt BirkenstockReport an einer Autoimmunkrankheit und war 6 Monate lang gelähmt. Jetzt erholt sie sich und trägt Birkenstocks, eine Art Sandale, um ihr zu helfen, das Gelände unter den Füßen zu spüren.
Bei jedem Geocache, den sie findet, hinterlässt sie eine “Birkenstock-freundlich” Wertung, um andere wissen zu lassen, welche Art Gelände (und Schuhwerk) sie erwartet.
In diesem Interview bietet BirkenstockReport aufschlussreiche Einblicke, wie Geocacher aller Leistungsstufen ein Abenteuer finden können, das ihren Bedürfnissen entspricht.
Geocaching HQ: Wann hast Du mit Geocaching begonnen?
Ich hab im Mai 2025 mit Cachen angefangen! Ich hab jetzt fast einen 366-Tage-Streak! Ich habe in den letzten zehn Jahren im Süden Zentral-Alaskas gelebt und bin so überwältigt, wie toll die Geocaching-Community hier oben ist.
Geocaching HQ: Wie hast Du Deinen Benutzernamen ausgewählt? Hat er eine besondere Bedeutung für Dich?
Mein Benutzername ist BirkenstockReport. Ich trage neonfarbene Birkenstock Arizona UVA-Sandalen an so ziemlich allen Tagen im Jahr. Manchmal sogar mit Socken! Ich hab mir den Namen verdient, indem ich eine “Birkenstock-freundlich” Wertung in allen Caches abgebe, die ich finde. Wenn ich einen Cache bewerte, sage ich Dir eigentlich, ob Du diesen Cache finden kannst, wenn Du Gummisandalen trägst.
Der Grund hinter den Birkenstocks ist, dass ich mit 19 Jahren am Guillain-Barré-Syndrom erkrankt war. Ich verlor das Gefühl in Händen und Füßen und wurde langsam gelähmt, bis mein unglaublich tolles Ärzteteam am OHSU mich diagnostiziert haben. Ich erhielt Antikörper von Spendern (danke für Eure Blutspende!) und im Laufe des nächsten Jahres kam meine Nervenfunktion zurück, aber auch nachdem ich wieder das Laufen lernte, ist das Gefühl in den Händen und Füßen nicht richtig zurückgekommen. Hier kannst Du mehr über meinen Weg erfahren. Aufgrund dessen hab ich festgestellt, je weniger Schichten ich an Händen und Füßen anhabe, desto weniger tölpelig bin ich, und darum schauen bei mir auch im arktischen Klima die Zehen heraus. Ich finde auch Geocaches, wenn ich Stiefel oder Tennisschuhe anhabe, wenn es sein muss, aber nur, um meine Haut zu schützen, weil ich es oft nicht merke, wenn ich einen Splitter, eine Blase oder eine Erfrierung habe.

Geocaching HQ: Viele Deiner Logs haben eine “Birkenstock-Wertung”. Kannst Du Das Bewertungssystem erklären?
Das System kann etwas willkürlich sein und hängt zudem von der Jahreszeit ab. Geocaching im Winter in Alaska ist nichts für Schwächlinge, also versuche ich mir bei den meisten meiner Wertungen vorzustellen, wie es im Sommer wäre. Eine 10/10 Wertung bedeutet, dass der Cache 100 % barrierefrei ist gemäß dem Americans with Disabilities Act (ADA) – was nicht bloß bedeutet, dass es auf befestigtem Untergrund liegt. Ich achte darauf, wie weit die Bordsteinabsenkung von diesem Teil des Gehwegs entfernt ist und ob es auf dem Parkplatz barrierefreie Parkplätze gibt. Diese Art von Unterstützung brauche ich selbst nicht mehr, aber Gehwege ohne Bordsteinabsenkungen waren früher das absolute Hindernis für mich. Eine 9/10 Wertung ist wahrscheinlich ein Geocache, der sich auf einem gut ausgelaufenen Wanderweg befindet. Eine 8/10 ist wahrscheinlich nicht barrierefrei nach ADA, aber es handelt sich vermutlich um eine Grasfläche ohne Dornen oder große Steine, über die man stolpern könnte. Der nächste große Einflussfaktor ist die Hangneigung. Bei einem steilen Gelände kann ich hinten aus den Schuhen rutschen oder nach vorne rutschen und sie zerreißen. Das sind dann 5/10 Wertungen. Alles unterhalb von 5 bedeutet, dass ich am besten in Tennisschuhen oder Stiefeln gekommen wäre, wenn ich besser geplant hätte. Eine niedrige Birkenstock-Wertung heißt nicht, dass der Cache schlecht ist. Es bedeutet nur, dass ich meinen Weg sorgfältiger planen oder nochmal mit Freunden herkommen musste, um erfolgreich zu sein.

Geocaching HQ: Was sind für Dich Hilfsmittel, die Du unbedingt dabeihaben musst?
Ich brauche unbedingt Bärenspray und Freunde, mit denen ich laut sprechen kann, wenn wir draußen bei den großen Tieren unterwegs sind. Ein weiteres meiner liebsten Hilfsmittel ist mein ausziehbarer Haken. Eigentlich ist er wohl eher dazu gedacht, Frisbees zu angeln, aber wir haben hier viele schwer zugängliche Stellen im städtischen Raum – etwa hochgelegene Orte, die Klettereinlagen oder eben das „Angeln“ nach dem Cache erfordern, und genau solche Aufgaben liebe ich! Auch Teleskopspiegel sind super, um unter Vorsprüngen und Ähnlichem nachzusehen. Geocaching in Alaska ist klasse, denn Du kannst unbesorgt Deine Hände in einen kleinen Spalt stecken und musst Dir keine Sorgen machen um Schlangen und Spinnen, aber wenn Du nicht aufpasst, kannst Du trotzdem Schnitte und Bisse davontragen.
Geocaching HQ: Wenn Du einen Ausflug planst, woher weißt Du dann, welche Geocaches für Dich zugänglich sind?
Ich liebe es, Logs durchzulesen, wenn ich mich abends entspanne. Wenn ich eine Gegend entdecken will, mach ich mir eine Liste von Geocaches, von denen ich glaube, dass sie für mich zugänglich sind. Ich kann Caches mit langen Wegen und steilen Klettereinlagen machen, aber ich hab Probleme, wenn man Balance benötigt, wie manchmal beim Baumklettern und besonders bei Caches in denen es heißt “Du fühlst ihn, bevor Du ihn siehst“. Nein, das mach ich nicht! Ich nenne diese Cache Splitter-Caches, weil ich mir eigentlich nur Splitter hole, die sich dann entzünden. Ich weiß es wirklich zu schätzen, wenn Owner diese Zeile im Listing oder im Hint schreiben, denn dann weiß ich, dass ich mir den Cache für einen Gruppenausflug aufspare oder dass ich zumindest einen Teleskopspiegel einpacken muss.
Ich finde auch, dass Blockhalden, wie diejenige, die zu einem von Alaskas ältesten Caches führt, ziemlich schwierig sein können für mich. Ich werde es trotzdem machen, aber ich weiß, dass ich mir Zeit lassen muss und mehr Schichten anziehen muss, damit ich nicht zerkratzt und voller blauen Flecken bin, wenn ich doch mal ausrutsche.
Ich werde wahrscheinlich auch nie einen Felsenkletter-Cache machen, und das ist ok! Nicht alle Geocaches sind für alle Menschen gemacht. Das würde das Spiel schrecklich machen, denn Geocacher sind unterschiedliche Menschen und sie finden gerne unterschiedliche Caches. Das wichtigste ist, dass das Listing möglichst viele Informationen dieser Art enthält, damit man besser entscheiden kann, was man machen kann.

Geocaching HQ: Welche Missverständnisse gibt es in Bezug auf Geocaching und Barrierefreiheit?
- Gehweg bedeutet nicht automatisch Barrierefreiheit. Es gibt viele Faktoren, die einen Cache zugänglich oder unzugänglich machen. Schau Dir Handicaching.com an, um deren Bewertungssystem zu erkunden, damit Du die Faktoren für Menschen besser verstehst, die Mobilitätshilfen nutzen.
- Nicht alle Behinderungen benötigen dieselben Unterstützungen oder Hilfsmittel.
- Es gibt nichts dagegen einzuwenden, wenn man nur Caches mit hohen Geländewertungen versteckt. Versteckt die Art von Caches, die Ihr finden wollt.
- Nicht bei allen Behinderungen muss man auf die Geländewertung achten. Eine Warnung, dass ein Cache Blitzlichter oder einen Schockeffekt enthält, hilft auch, wenn Du das machen kannst, ohne die Überraschung zu verderben. Einer meiner Lieblings-Cache aller Zeiten wäre ein Alptraum für ein paar meiner Freunde mit Gehörproblemen.
- Es gibt Geocaches mit höhreren Geländewertungen, die trotzdem barrierefrei sind – besonders Virtuals und EarthCaches, die man mit dem Boot machen muss, und Tradis/Mysterys/Multis, die man finden kann, während man in einem Kajak sitzt oder auf einem Quad oder während man ein Pferd reitet. Manche davon scheinen auf der Hand zu liegen, aber wenn nicht, kannst Du es vielleicht ins Listing schreiben.
Geocaching HQ: Wie können Owner ihre Caches barrierefreundlicher gestalten?
Sei ein Schwätzer! Schreibe über Deinen Cache im Listing. Das kannst Du ganz direkt machen, indem Du eine handicaching Bewertung nutzt, oder Du erklärst die wichtigsten Dinge über das Gelände, oder Du erzählst einfach die Geschichte über den Tag, an dem Du den Cache versteckt hast. Erzähl uns, wo Du geparkt hast, wie weit Du gehen musstest, was Du unterwegs gesehen hast, welche Snacks Du dabei hattest, wie sich Gras und Schlamm anfühlten, als Du ausgerutscht bist, wie schlimm die Mücken waren, was Du willst. Beim Geschichtenerzählen, teilst Du wichtige Informationen mit, die Cachern helfen können zu entscheiden, ob dieser Cache der richtige für sie ist. Außerdem macht es Spaß, Logs und Listings zu lesen. Vielleicht noch mehr für Leute, die nicht so oft ins Freie kommen, wie sie gerne möchten.

Geocaching HQ: Was magst Du an Geocaching am liebsten? Was hält Dich am Spiel interessiert?
Ich liebe es, gemeinsam mit anderen Zeit in der Natur zu verbringen und diese Erlebnisse mit den Menschen um mich herum zu teilen. Ich bin auch ein Statistik-Freak und liebe Challenge-Caches. Wenn Du das Gefühl hast, festzustecken, such Dir ein paar Challenge-Caches und stell Dich der Herausforderung! Du musst das Logbuch nicht einmal unterschreiben, um die Herausforderung anzunehmen (natürlich solltest Du den Cache erst dann als „gefunden“ loggen, wenn Du Dich tatsächlich im Logbuch eingetragen hast).
Ich bin auch absolut besessen von der Cache-Odyssey-Reihe. Das ist eine Reihe von sechs GeoTouren mit komplett barrierenfreien Letterboxen in jedem Bundesstaat. Sie haben sich wirklich Mühe gegeben, damit jeder Geocache einzigartig und interessant ist. Die meisten sind Groß und es braucht mehrere Stationen oder Knobeleien, um das Logbuch zu signieren. Und es ist eine tolle Art, einem Freund Geocaching näher zu bringen. Mein erster Fund war natürlich die Alaska Cache Odyssey, aber jedes Mal, wenn ich in einen neuen Bundesstaat reise, ist das der erste Cache, nach dem ich suche.

BirkenstockReport fordert uns alle heraus, mehr darüber nachzudenken, was “barrierefrei” wirklich bedeutet. Barrierefreiheit ist mehr als ein Attribut-dabei geht es um Gelände, Umweltbedingungen, Sicherheitsinformationen und detaillierte Listings.
Denkst Du an Barrierefreiheit beim Geocaching? Erzähle uns Deine Geschichte in den Kommentaren unten.