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Historischer Stadtrundgang Münster

A cache by Knusperkarpfen Send Message to Owner Message this owner
Hidden : 01/30/2013
Difficulty:
3 out of 5
Terrain:
2 out of 5

Size: Size:   small (small)

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How Geocaching Works

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Geocache Description:


English translation under development - please send me a message.

Kurzfassung


Klassischer Multi für Einheimische und Touristen, die eine Stadtführung suchen

Weglänge: 6 km. Weitgehend stufenfrei, bei Tageslicht sicher angenehmer als in der Nacht.

Dauer: 2-3 Stunden für den Cache an sich. Ihr solltet allerdings mindestens 4 Stunden einplanen, wenn ihr euch die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollt, all die tollen Kirchen etc. zu besichtigen.

Einschränkungen: Der Cache ist zu jeder Tageszeit machbar. Höchstens dichter Schnee kann einige Aufgaben erschweren bzw. unmöglich machen. Ich empfehle dennoch den Cache tagsüber anzugehen, da ihr so die Gelegenheit habt, all die Sehenswürdigkeiten auch von innen zu bestaunen.

Einleitung


Dieser Cache soll sich an alle richten, die auf cachendem Wege die Universitätsstadt Münster und ihre Geschichte kennenlernen möchten. Es gibt bereits einige sehr schöne Caches, die kleinere Rundtouren anbieten und sich dabei meist auf ein bestimmtes Thema konzentrieren. Dieser Cache soll ergänzend dazu eine umfangreiche Stadtführung für jeden anbieten, der auf einem der historischen Stadtentwicklung folgenden Weg die wichtigsten Orte Münsters sowie seine Geschichte kennenlernen möchte - Einheimische und Touristen sind hier gleichfalls willkommen.

Ich habe versucht, die Ausführungen zu den einzelnen Punkten ausführlich genug und dennoch angenehm lesbar zu halten und nicht zu viele Punkte und Ausschweifungen aufzunehmen. Falls ihr alt alteingesessene Münsteraner etwas vermisst, meldet euch doch einfach bei mir. Ich schaue dann, ob es nicht vielleicht machbar und sinnvoll wäre, weitere Infos in den Cache aufzunehmen.

Wegfindung: Ich habe mich bemüht, den Weg auch ohne die Benutzung eines GPS gangbar zu beschreiben, wie es für eine Stadtführung sinnvoll ist. Eine Karte dabeizuhaben, kann natürlich dennoch nicht schaden. Bringt außerdem ausreichend Zeit mit - ihr werdet mehr Freude und Erkenntnisse haben, wenn ihr den Cache gemütlich und aufnahmefähig angeht.

Zum Fortbewegungsmittel: Optimal ist es, wenn ihr zu Fuß geht. Fast der gesamte Cache ist jedoch außerhalb von Fußgängerzonen konzipiert, so dass ihr gerne auch das Rad mitbringen könnt (auf die Fußgängerzone weise ich separat hin). Wenn ihr von außerhalb kommt, könnt ihr euch an folgenden Orten Fahrräder ausleihen:
Radstation in den Arkaden (näher am Cache): 51° 57.608, 7° 37.571 | 7€/Tag
Radstation am Hbf: 51° 57.377, 7° 38.051 | 8€/Tag

Jetzt aber erst einmal viel Spaß auf eurer Erkundung von Münster und hängt an den Log doch ein Photo von euch mit eurer Lieblingssehenswürdigkeit, wenn ihr Lust habt - ich freue mich drüber!

Der Cache

Abschnitt 1: Münster im Mittelalter - Von der Domburg zum Handelszentrum


Unsere Reise durch die Geschichte Münsters beginnt bei den oben angegebenen Koordinaten. Wir befinden uns hier auf dem Horsteberg - nun gut für die meisten unter euch wird das Wort "Berg" ziemlich hoch gegriffen sein, aber für einen Münsteraner ist dies schon eine ganz schöne Erhebung in unserer generell sehr flach gelegenen Stadt! Und da eine solche Erhebung immer gewisse strategische Vorteile mit sich bringt und zudem noch eine Furt über den Fluss Aa, dem wir bald begegnen werden, in nächster Nähe liegt, war der Horsteberg der Ort, von dem die Besiedlung des heutigen Stadtgebiets ihren Ausgang nahm: Bereits für das 2. Jahrhundert n.Chr. kann eine Ansiedlung von Franken nachgewiesen werden. Diese wurden allerdings in den Wirren, die dem Untergang des römischen Reichs folgten, von den Sachsen vertrieben, die hier im 6. Jahrhundert eine Siedlung namens "Mimigernaford" errichteten, was ungefähr so viel wie "Furt beim Stamm der Mimigernen" bedeuten sollte. Doch die Franken kamen zurück: Unter Karl dem Großen wurde das Gebiet 792 zurückerobert und die Sachsen der Zwangschristianisierung unterworfen.
Und hier beginnt dann auch die Geschichtsschreibung der Stadt Münster: Den Befehl zur Missionierung der Westsachsen übertrug Karl der Große dem friesischen Mönch Liudger, der heute als Gründungsvater der Stadt angesehen werden kann. Da die Sachsen vom christlichen Gott und ihrer Unterwerfung durch die Franken anfangs allerdings eher wenig hielten, musste für Liudger und sein Gefolge ein befestigter Klosterstift errichtet werden - eine Domburg. Da diese auf dem Horsteberg errichtet wurde, verwendet man heute analog den Namen "Domberg". Die Umrisse der damaligen Domburg kann man heute noch ganz gut abschätzen, indem man sich die Umreihung des Domplatzes durch Häuserfronten ansieht. In den sicheren Klostermauern siedelten sich nicht nur Mönche sondern auch Handwerker und zunehmend Händler an und die Siedlung erhielt den Namen "Monasterium" (lateinisch: Kloster). Im Jahre 805 wurde Monasterium zum Bistum ernannt.


Vor euch - ihr werdet es schon bemerkt haben - seht ihr den großen St. Paulus Dom. Seine Baugeschichte erstreckt sich augenscheinlich über mehrere Epochen, wobei der heutige 3. Bau im Wesentlichen im 13. Jahrhundert entstand. Er ist - insbesondere aufgrund der phänomenalen astronomischen Uhr - definitiv eine Besichtigung wert! Hinter euch seht ihr eine kleine Straße, die bergab führt: Hier befand sich früher eines der Tore zur Domburg. Links davon steht das bischöfliche Palais, in dem der Bischof seinen Sitz hatte und das heute als bischöfliches Generalvikariat einen bedeutenden Teil der Verwaltung des Bistums Münster leistet. Die Gebäude weiter links gehören größtenteils zur Uni (wir werden später dazu kommen), rechts befinden sich weitere kirchliche Gebäude.
Betrachtet nun noch einmal die Front des Doms. Ihr seht hier die sogenannte "Telefonwählscheibe von Münster" vor euch. Wie viele Kreise enthält sie insgesamt? Die Anzahl entspreche A.

Dort wo sich heute die als Wählscheibe bezeichnete Lochrosette befindet, stand vor dem 2. Weltkrieg übrigens das beeindruckende Westportal des Doms. Der eigentlich vorgesehene Wiederaufbau wurde angesichts des Leids und Mangels der Nachkriegszeit vom Bischof gestoppt, an Stelle des wuchtigen Westportals wurde lediglich dieses simple Ornament hinzugefügt.
Wandert nun auf der linken Seite des Doms um diesen herum, den Straßen "Horsteberg" und "Domplatz" folgend. In den Häusern, die ihr hier passiert, wohnen heute viele Domgeistliche. Ihr begegnet auf eurem Weg den Statuen einer Kreuzigungsgruppe aus 5 Personen. Rechts im Abseits sitzt Jan van Leiden, der Wiedertäuferkönig, der uns später noch intensiv beschäftigen wird. Rechts neben dem Kreuz steht Kardinal von Galen, bedeutender Anführer des katholischen Widerstands gegen die Nazi-Diktatur, dem auf dieser Seite des Doms auch eine große Statue gewidmet ist und dessen Grab ihr im Dom besuchen könnt.
Wie viele Bücher befinden sich am Fuße des Kreuzes? Die Anzahl sei B. Außerdem sei die Quersumme des Errichtungsjahrs des Kreuzes gleich C?

Auf dem großen Domplatz angekommen, könnt ihr den Dom noch einmal in seiner ganzen Pracht betrachten. Direkt gegenüber dem bischöflichen Palais, vor dem wir unseren Rundgang begonnen haben, begegnet ihr am Südostende des Platzes einem Brunnen.
Gegen wen führt der Erzengel Michael hier einen Kampf? Ist es
Der Drache? D = 4615
Ein Reiter der Apokalypse? D = 4665
Der Teufel höchstpersönlich? D = 4715


Wenn ihr entlang der Straße rechts des Brunnens blickt, könnt ihr bereits einen ersten Blick auf Münsters schönes gotisches Rathaus erhaschen. Mit diesem für die deutsche Geschichte besonders bedeutenden Ort werden wir uns später noch eingehend beschäftigen - euer jetziger Standpunkt kann uns allerdings schon sehr viel über Münsters weitere Entwicklung verraten:

Im Laufe der Zeit wuchs die ehemals kleine Siedlung "Monasterium" schnell an und entwickelte sich zu einem Handelszentrum. Händler und Handwerker begannen sich mehr und mehr vom immer noch tonangebenden Bischof zu emanzipieren, was sich auch in einer Abwandlung des Stadtnamens wiederspiegelt: Um 1100 taucht erstmals die Bezeichnung "Munstre" für die wachsende Siedlung auf, die mitlerweile auch Gebiete außerhalb der Domburg umfasst.
Als in dieser Zeit in Deutschland der Investiturstreit ausbricht, die Auseinandersetzung zwischen Papst und Kaiser darüber, wer das Recht hat, Bischöfe einzusetzen, schlagen sich die selbstbewussten Bürger Münsters auf die Seite des Kaisers - keine gute Wahl, da sich am Ende der Papst durchsetzt. Der Bischof, den Münsters Bürger kurzerhand aus der Stadt gejagt hatten, schwört Rache: 1121 wird Münster vom späteren Kaiser Lothar III., der sich damit beim Papst beliebt machen möchte, belagert. Die Eroberer brennen Siedlung und Märkte bis auf die Grundmauern nieder und der Bischof kehrt siegreich zurück. Doch das sollte nicht das Ende des schwelenden Konfliktes zwischen Bischof und Bürgern sein.
Zunächst kann der Bischof seine Macht massiv ausbauen: 1173 wird er im Zuge der Zerschlagung des Sachsenreichs Heinrichs des Löwen auch zum weltlichen Landesherren und kann sich fortan Fürstbischof nennen. Zum von ihm regierten Fürstbistum Münster zählt das heutige Münsterland und weite Teile des Emslandes - definitiv kein kleines Gebiet für jemanden, der eigentlich "nur" ein Kirchendiener sein soll! Um seine Hauptstadt Münster, die mitlerweile weit über die Domburg hinaus gewachsen ist und seit 1170 endlich Stadtrechte genießt, lässt der Fürstbischof um 1200 eine umfangreiche Stadtmauer errichten: 4 km lang und mit 10 Stadttoren sowie 6 Türmen versehen. Heute kann man ihren früheren Verlauf nachvollziehen, wenn man der Promenade, dem fahrradfreundlichen Grüngürtel, der die Stadt umkreist, folgt (wir werden hier später noch vorbeikommen).
Doch auch die Bürger profitieren von der steigenden Bedeutung der Stadt: im 13. Jahrhundert ist Münster größte Stadt Westfalens, vor Städten wie Soest, Dortmund, Osnabrück und Paderborn, und tritt 1305 der Hanse bei. Selbstverständlich müssen sich Bürger einer Hansestadt entsprechend repräsentiert sehen und so erhalten sie 1309 vom Fürstbischof die Erlaubnis, sich selbst auf dem Reichstag zu vertreten. Der Bischof muss schwören: "Niemandes Herr, niemandes Knecht, das ist des Bürgerstandes Recht". Die Bürger bauen sich eine eigene Marktkirche (St. Lamberti, wir werden sie später sehen) und ein Rathaus. Dieses stellen sie - wie ihr hier sehen könnt - in direkter Sichtweite des bischöflichen Palais' auf, so dass der Bischof jederzeit vor Augen haben soll, dass die Münster'schen Bürger sich von ihm nicht alles gefallen lassen und einen Gegenpol zu ihm darstellen wollen. Insofern ist das um 1395 endgültig fertiggestellte Rathaus ein starkes Zeichen des bürgerlichen Selbstbewusstseins. Doch zur Geschichte des Rathauses später mehr...


Kehrt nun zum Startpunkt zurück. Es wird Zeit, dass wir den Domplatz verlassen.

Wieder am Startpunkt angekommen folgt nun der kleinen Straße "Spiegelturm" rechts des bischöflichen Palais' bergab. Ihr gelangt an eine Brücke, die die Aa überquert, ein Fluss, dem man in Münster immer wieder begegnet.

Am rechten Brückenpfeiler seht ihr eine Hausnummer. Diese sei E.

Vor euch erhebt sich nun die Überwasserkirche. Sie ist nach dem Dom Münsters zweitälteste Kirche; der erste Bau wurde 1040 errichtet, als die Menschen anfingen, hier außerhalb der Domburg eine Siedlung zu errichten. Ihr hochkreativer Name entstammt der Notwendigkeit, zum Kirchenbesuch von der Domsiedlung aus "über das Wasser" gehen zu müssen. Sicherlich habt ihr sofort den seltsam-flachen Kirchturm bemerkt und euch gewundert, wo die Spitze geblieben ist? Nun, die richtige Erklärung folgt später in der Historie, für's erste müsst ihr euch damit genügen, die Kirche von der linken Seite an zu umrunden und ihren Haupteingang zu suchen.

An der Hauptpforte findet ihr dann gleich mehrere Kirchturmspitzen. Wie viele davon befinden sich insgesamt am (nicht direkt über dem) Haupteingang (sie sind in einer Höhe oberhalb der Marienstatue aufgehängt, müssen aber nicht zwangsläufig alle gleich hoch sein - bitte schaut hier auch alles ab, dass ihr nichts überseht). Die Anzahl sei F. Gegenüber seht ihr das Antiquariat Solder. Die Hausnummer rechts der Eingangstür sei G.

Beim Antiquariat Solder handelt es sich übrigens um den Laden von Georg Wilsberg, dem Protagonisten der gleichnamigen ZDF-Krimiserie. Für den Krimidreh wird jedes Mal das Türschild ausgetauscht und ordentlich Unordnung in dem sonst doch recht aufgeräumten Laden gemacht.
Folgt nun der Straße "Katthagen" (rechts, wenn ihr auf das Antiquariat schaut) und biegt dann rechts in die "Rosenstraße" ein. Ihr umrundet nun neben der Überwasserkirche auch die bischöfliche Diozösanbibliothek (das Haus mit den vielen Fenstern). Links am Eiscafe Lazzaretti entlang folgt ihr der Straße "Spiekerhof", überquert dabei erneut die Aa und bleibt stehen, sobald ihr links der Straße einen Platz mit einer Statue seht. Ihr seid nun im sogenannten "Kiepenkerlviertel" angelangt. Der Kiepenkerl (die Statue) steht symbolisch für das Münsterland: Es handelt sich um einen herumziehenden Händler, der in seiner Kiepe, dem Korb auf dem Rücken, Waren von Ort zu Ort trägt. Kiepenkerle waren früher auch für die Verbreitung von Nachrichten von großer Bedeutung, da insbesondere einfache Leute auf den Dörfern für gewöhnlich gar keine andere Informationsquelle hatten als mündliche Erzählungen umherziehenden Volkes. Die eine oder andere Geschichte wird der Kiepenkerl allerdings auch mal nach eigenem Belieben ausgeschmückt haben, so dass sich oftmals eher ein Zerrbild der Wahrheit verbreitete.

Am Platz liegen zwei nach dem Kiepenkerl benannte Gasthäuser. Zählt am "Großen Kiepenkerl" die goldenen Fassadenhaken an der Giebelseite. Die Anzahl sei H.

Folgt weiter der Straße, die nun "Bogenstraße" heißt, bis links die Neubrückenstraße abzweigt. Folgt dieser bis zur Kirche auf der linken Seite.

Abschnitt 2: Die Wirren der Reformation: Das Königreich der Täufer


Ihr steht nun vor der Apostelkirche, der Hauptkirche von Münsters (zugegebenermaßen relativ kleinen) evangelischen Gemeinde. Es scheint an der Zeit, einen kurzen Rückblick in die Geschichte zu werfen, wie der Protestantismus nach Münster kam und welche Blüten er hier trieb.

Das beginnende 16. Jahrhundert: Die Beziehung zwischen den Bürgern der aufstrebenden Handelsstadt Münster und dem regierenden Fürstbischof ist weiterhin angespannt. Die Kirche genießt aus heutiger Sicht absurde Sonderprivilegien wie z.B. die sogenannte Domimmunität - eine Steuer- und Rechtsfreiheit des gesamten Bereichs um den Domplatz -, was oftmals Anlass zu Streit und Wut unter den Bürgern liefert. Vor diesem Hintergrund hat die Reformation einen großen Erfolg unter den kirchenverdrossenen Bürgern und 1533 muss der Fürstbischof offiziell anerkennen, dass Münster, seine Haupt- und Residenzstadt, mehrheitlich zum evangelisch-lutherischen Glauben übergegangen ist.
Doch dabei sollte es nicht bleiben. Denn zeitgleich siedelte sich eine sehr viel radikalere religiöse Bewegung in Münster an: Die Wiedertäufer. Sie ging aus vom niederländischen Prediger Jan Matthys, der radikale Veränderungen forderte: Getauft werden sollten nur noch Erwachsene, ähnlich wie im Sozialismus sollte es eine Gütergemeinschaft geben und das Geld obendrein auch noch abgeschafft werden. Münster entwickelte sich bald zu einem Zentrum des Wiedertäufertums, viele Anhänger der neuen Lehre, unter ihnen der große Prediger Jan Matthys höchstpersönlich, wanderten aus dem Umland in die Stadt ein und so errangen die Wiedertäufer 1534 schließlich völlig unerwartet die Mehrheit im Münsterschen Rathaus.
Ihre neu errungene Macht wussten die Wiedertäufer schnell in einer handfesten Diktatur zu festigen: Reiche Kaufleute wurden enteignet, Kirchen geplündert und alle Andersgläubigen hatten die Wahl, zum Wiedertäufertum zu konvertieren oder auszuwandern.
Angesichts so großer Umwälzungen in seiner Hauptstadt hatte nun aber auch der Fürstbischof genug: Im Frühjahr 1534 entsandte er ein Belagerungsheer nach Münster. Weil die Stadt durch ihre Mauern allerdings zu stark verteidigt war, um sie im Sturm zu nehmen, beschloss er Münster auszuhungern. Doch davon ließ sich ein überzeugter Wiedertäufer selbstverständlich nicht beeindrucken: Zum Osterfest 1534 hatte der große Prediger Jan Matthys eine Vision Jesu Christi, wagte siegessicher mit ein paar Getreuen einen Ausfall, um den Belagerungsring zu durchbrechen, und wurde getötet.
Falls euch die ganze Geschichte bisher schon wahnwitzig genug vorgekommen ist, macht euch auf weiteres gefasst: Nach Jan Matthys' Tod ernannte sich Jan van Leiden, der gerade mal 24 Jahre alte neue Anführer der Wiedertäufer, zum "König des Täuferreichs" (sein Reich bestand zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich nur aus einer belagerten Stadt) und führte viele Neuerungen, die ihm als Offenbarungen des Herrn erschienen sein sollen, ein. Unter anderem wurde die Polygynie angesichts eines Frauenüberschusses zur Pflicht für jeden Bürger (Jan van Leiden selbst hatte 16 Frauen, eine von ihnen hat er wegen Untreue selbst öffentlich auf dem Marktplatz enthauptet). Aufstände der hungernden Bürger, die sich mitlerweile von Hunden, Katzen und sogar Ratten ernährten, wurden blutig niedergeschlagen, während der "König" selbst rauschende Feste feierte.
Angesichts dieser desolaten Situation kann man erstaunt sein, dass die Wiedertäufer es schafften, der Belagerung 16 Monate stand zu halten. Und weil es mitlerweile um alles oder nichts ging, wurden selbst alte Kirchenwände abgetragen, um die Mauern aufzufüllen, und, getreu dem Bibelspruch "Das Hohe soll erniedrigt und das Niedrige erhöht werden", Kirchtürme abgesägt, um dort Geschützstellungen aufzubauen (erinnert ihr euch an den flachen Turm der Überwasserkirche?). So war es letztendlich ein Verräter, der im Sommer 1535 die Belagerer in die Stadt ließ. Es folgten 3 Tage Gemetzel und Plünderungen, der Täuferkönig Jan van Leiden und zwei weitere Anführer der Wiedertäufer wurden zum Tode verurteilt und vor ihrer Hinrichtung 4 Stunden auf dem Marktplatz mit glühenden Zangen gefoltert (wir werden ihrer "Ruhestätte" gleich begegnen). Münster verlor viele seiner hart erkämpften städtischen Sonderrechte und die Jesuiten kamen in die Stadt, um die Gegenreformation einzuläuten - fortan war Münster also wieder stramm katholisch.


Schaut euch die linke (blau-graue) Tür des Haupteingangs der Kirche an. Wie viele Ahornblätter befinden sich in ihrem Türornament? Die Anzahl (nicht 8!) sei I.

Geht nun euren Weg zurück zu der Stelle, an der ihr von der "Bogenstraße" abgebogen seid, und folgt ihr weiter. Sie erhält hier zuerst den Namen "Roggenmarkt" und dann "Drubbel". Der Name stammt daher, dass sich mitten auf der heutigen Straße einmal eine Gruppe Häuser "gedrubbelt" hat. Diese wurden erst 1906 zu Gunsten einer Straßenbahn abgerissen, ihr Umriss ist heute durch einen Ring grün-grauer Pflastersteine dargestellt.

Sucht den Pflastersteinring. An seiner rechten Seite (von der Richtung, aus der ihr kommt) findet ihr am Boden eine Infotafel, die euch verrät, wie viele Häuser hier einst standen. Ihre Anzahl sei J.

Vor euch befindet sich nun die Lambertikirche. Sie wurde im Mittelalter von den Kaufleuten Münsters, die rund um diesen Platz ihr Marktzentrum hatten, als bürgerliche Gegenkirche zum Dom errichtet. Von der Südseite aus könnt ihr im Kirchturm drei große Käfige sehen. In diesen Käfigen wurden die sterblichen Überreste Jan van Leidens und der anderen hingerichteten Wiedertäuferanführer als Mahnung an alle Unruhestifter aufgehängt. Noch 50 Jahre später sollen ihre Knochenreste gesichtet worden seien.

Zählt alle Türen der Lambertikirche. Die direkt nebeneinander liegenden Türen bei den Statuen zählen dabei als zwei. Ihre Anzahl (gerade Zahl) sei K.

Abschnitt 3: Münster schreibt Geschichte - der westfälische Frieden


Südlich der Lambertikirche erstreckt sich Münsters Prachtboulevard, der Prinzipalmarkt, auch Münsters "Gute Stube" genannt. Trotz massiver Kriegszerstörungen wurden die meisten Häuser zwar längst nicht originalgetreu aber doch vergleichsweise vorbildlich wieder aufgebaut, so dass der Prinzipalmarkt 2006 in der ZDF-Sendung "Unsere Besten" zum 4.liebsten Ort der Republik gewählt wurde.
Folgt ihr der Straße ein wenig, begegnet euch auf der linken Seite bald wieder das prächtige gotische Rathaus. Schaut es euch gut an - ihr befindet euch hier an einem Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.

Von 1618 bis 1648 tobte in Deutschland der dreißigjährige Krieg, der größte Religionskrieg der europäischen Geschichte. Während jedoch in großen Regionen Süd- und Ostdeutschlands bis zu 2/3 der Bevölkerung dahingerafft wurden, blieb Münster weitgehend verschont. Unter anderem deshalb wurde Münster 1643 vom Kaiser der Neutralitätsstatus zuerkannt: In Münster sollte kein Krieg mehr geführt werden dürfen, denn die Stadt war gemeinsam mit Osnabrück dazu auserkoren worden, den großen Friedenskongress zu beherbergen.
Man mag sich wundern, warum es fast 6 Jahre dauerte, bis ein Friedensvertrag ausgearbeitet war. Dies lag unter anderem daran, dass die 148 Gesandten der verschiedensten in den Krieg verwickelten Fraktionen sich nie gemeinsam trafen sondern stets nur bilateral oder gar schriftlich austauschten. Und selbstverständlich musste man sich stets der Unterstützung seines Monarchen rückversichern: Wenn also ein spanischer Gesandter ein Angebot bekam, musste er erst Boten bis zum spanischen König und wieder zurück schicken, so dass es schon gut und gerne 2 Monate dauern konnte, bis er die Antwort bekam.
Zwischen diesen unregelmäßigen Verhandlungen hatten die Gesandten natürlich viel Leerlauf, so dass in der Zeit wohl so viele Feste in Münster gefeiert wurden wie niemals sonst. Vor allem die Franzosen inszenierten viele Shows und Ballette, ließen sogar zum Erstaunen der Stadtbevölkerung einen dressierten Elefanten auf dem Prinzipalmarkt Kunststücke aufführen. Insbesondere die südländischen Gesandten fanden jedoch viel Anstoßen am kulinarischen und kulturellen Niveau Westfalens. So hinterließ der päpstliche Gesandte und spätere Papst Alexander VII z.B. folgende Aufzeichnungen: "Dicker Schmutz liegt meist an den beiden Seiten der Straßen. Ja oft sieht man sogar dampfende Haufen von Mist. Unter gemeinsamen Dach wohnen Bürger und trächtige Kühe und mit dem stinkenden Bock auch noch die borstige Sau. Was im Morgenland blüht und gedeiht, suchst hier du vergebens. Nicht die Äpfel der Gärten des Königs Alkonoos gibt es, nicht die Genüsse Lukulls, nicht die feinen Speise Apollos. Denn der schlichte Westfale verachtet ein üppiges Leben, protzige Gaben verschmäht er, der tapfere Recke. Mit seiner Schüssel Gemüse ist er schon völlig zufrieden, Schwarzbrot isst er dazu, mit goldgelber Butter bestrichen."
1648 war es dann endlich so weit. In Form mehrerer bilateraler Verträge wurde in den Rathäusern Münsters und Osnabrücks der Westfälische Frieden unterzeichnet. Im Rathaus zu Münster wurden im Zuge des Spanisch-Niederländischen Friedensvertrags die Niederlande als Staatswesen geboren - vielleicht tummeln sich deshalb heute noch so viele holländische Touristen in der Stadt.


Betrachtet die Rathausfront. Links seht ihr eine Metalltafel mit einer Jahreszahl (an der Rathausfront, nicht an einer Seitenwand!). Diese sei L.

Ihr habt nun die Gelegenheit, im Rahmen der Öffnungszeiten den Friedenssaal des Rathauses zu besichtigen, wozu ich nur raten kann. Schaut euch auch einmal das Stadtweinhaus links des Rathauses an: Hier finden noch heute Ratssitzungen und städtische Festveranstaltungen statt.
Nutzt auch die Gelegenheit, einmal um das Rathaus herum in den Innenhof zu gehen, in dem ihr die Skulptur "Toleranz durch Dialog" sehen könnt (zu den Skulpturprojekten in Münster an späterer Stelle mehr). An der linken Seitenwand des Rathauses begegnet ihr übrigens einer Statue von Bischof Liudger, dem Stadtgründer (er hält den Dom in seiner Hand), an der rechten dem heiligen Lambertus.
Folgt weiter dem Prinzipalmarkt und biegt bei der nächsten Gelegenheit links in die "Klemensstraße" ein. Geht an der nächsten Kreuzung weiter geradeaus und biegt dann links in die Straße "An der Clemenskirche" ein. Begebt euch zum Haupteingang der kleinen barocken Kirche.

Abschnitt 4: Der westfälische Barock - vom Kanonenbernd zu Johann Conrad Schlaun


Im Zuge der Bedeutung Münsters als Friedensstadt war das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft massiv gestiegen. Viele Bürger strebten nun danach, sich vom Fürstbischof ein für alle mal loszusagen und sich den Status einer freien Reichsstadt zu erkämpfen oder sich den Niederlanden anzuschließen. Das wollte sich Bischof Bernhard von Galen - auch "Kanonenbernd" genannt - allerdings so gar nicht gefallen lassen. Lieber wollte er die vielen Sonderrechte der Bürger zusammenkürzen und so belagerte er, wie schon einige seiner Vorgänger, im Jahr 1657 mal wieder seine Hauptstadt.
Dieses Mal hielt die Stadt jedoch besser stand als zu Zeiten der Wiedertäufer. Als sich auch nach mehreren Belagerungsversuchen 1661 kein Sieg abzeichnen wollte, beschloss Kanonenbernd, die Stadtgräben trocken zu legen, und befahl daher, den Fluss Aa aufzustauen. Es kam jedoch anders als erwartet: In Folge eines Unwetters brachen die Dämme, jedoch nur auf einer Seite der Stadt. Es kam zu einem so massiven Rückstau, dass die völlig überflutete Stadt kapitulieren musste.
Nun verloren die besiegten Bürger viele ihrer angestammten Rechte, unter anderem wurde die freie Ratswahl abgeschafft. Bernhard wollte außerdem verhindern, dass Münster sich je wieder seinem Fürstbischof wiedersetzen würde: Er riss den Westteil der alten Stadtmauer ab und errichtete auf der Fläche des heutigen Schlosses eine Zitadelle mit einer Wachgarnison aus 4000 Mann. Doch auch diese stand nur 100 Jahre, da nach dem 7jährigen Krieg die gesamte Stadtmauer abgerissen wurde, um dem Wachstum der Stadt Platz zu machen (im Zeitalter der Kanonen und Geschütze waren Mauern zur Verteidigung ohnehin nichts mehr wert). Heute findet man entlang der Promenade daher nur noch wenige Mauerreste.


Die vor euch stehende Clemenskirche entstammt der Mitte des 18. Jahrhunderts, einer Zeit, zu der in Münster der Fürstbischof Clemens August amtierte, ein friedlicherer Geselle als Bernhard. Er liebte den Prunk und die Kunst und förderte diese daher auch in Münster. Die Clemenskirche gilt als der bedeutendste barocke Kirchenbau in Norddeutschland (wobei die Zuordnung Münsters zu Norddeutschland durchaus diskussionswürdig ist). Gebaut wurde sie vom Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun, dessen Meisterwerke wir noch weitere sehen werden.

Betrachtet das Chronogramm über dem Haupteingang der Clemenskirche - es handelt sich um eine Inschrift, bei der die Summe alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind, eine Jahreszahl angibt. Findet die Jahreszahl heraus, sie sei M. (Tipp: Die Quersumme von M ist 14)

Folgt nun der "Ringgoldsgasse" auf die "Salzstraße" [Achtung Fahrradfahrer: Die Salzstraße ist Fußgängerzone!!!] und ihr kommt am Erbdrostenhof vorbei, der zu eurer Rechten liegt. Der schönste Adelspalast Münster ist ein weiteres Barockmeisterwerk Johann Conrad Schlauns. Schlaun gilt als prägender Baumeister des sogenannten "Westfälischen Barocks". Wenn ihr sein größtes Werk sehen wollt, müsst ihr einmal in's nahegelegene Nordkirchen fahren, wo ihr das Schloss Nordkirchen, das "Westfälische Versailles" bewundern könnt. Seinem Hauptwerk in Münster, dem fürstbischöflichen Schloss, werden wir jedoch erst später begegnen.
Biegt am Erbdrostenhof rechts in die "Salzstraße" ein, dann als nächstes rechts in die "Klostergasse" und folgt ihr. Ihr passiert hier schon gleich die nächste Kirche, die Servatiikirche.

Entlang der Klosterstraße begegnet euch zu eurer Linken ein religiöses Gebäude, das neuer ist als die bisher besuchten (das sehr sehenswerte Original wurde leider am 9.11.1938 niedergebrannt). Wie viele Arme hat der hier dargestellte Kerzenhalter? Die Anzahl sei N.

Überquert nun die "Windthorststraße" und den "Verspoel". Auf die "Ludgeristraße" biegt ihr rechts ein. Doch bevor ihr hier die Ludgerikirche bewundern dürft, stellt sich euch eine weitere Aufgabe.

Vor euch steht eine Skulptur mit vielen Armen. Wie viele sind es? Ihrer Anzahl sei O (es handelt sich um eine runde Summe!).

Skulpturen wie diese hier findet man in Münster übrigens zuhauf. Einige habt ihr auf eurem heutigen Spaziergang vielleicht schon bemerkt. Der Grund dafür liegt darin, dass seit 1977 alle 10 Jahre die "Skuptur.Projekte"-Ausstellung in Münster stattfindet. Rund um und in der Stadt stellen dann internationale Künstler ihre oft schwer zu interpretierende Kunst aus und nach 100 Tagen dürfen die Münsteraner darüber entscheiden, welche Skulpturen von der Stadt aufgekauft werden und somit dauerhaft bleiben dürfen.
Links der Ludgerikirche, die nach dem Stadtgründer Liudger benannt ist, folgt ihr der "Königsstraße". Ihren Namen hat sie von den vielen Adelshöfen, die hier im 18. Jahrhundert entstanden und die die Straße bis heute prägen (erinnert euch an den Erbdrostenhof - einen weiteren Adelshof aus dieser Zeit, dem wir bereits begegnet sind). Der zunehmende Einfluss des Adels, der zu dieser Zeit vom umliegenden Land in die Stadt strömte, brachte Münster den Namen "Adelsrepublik" ein und schränkte die ohnehin bereits stark beschnittene Selbstständigkeit der Bürger noch weiter ein.

Folgt der Königsstraße und sucht auf der linken Seite nach dem Heereman'schen Hof. Seine Hausnummer sei P.
Biegt direkt dahinter links in die krumme Straße ein und begebt euch auf den Hof vor der Aegidiikirche. Zählt hier alle in den Boden eingelassenen Brunnen (nicht den großen Hauptbrunnen und schaut euch genau um - es ist eine ungerade Zahl). Ihrer Anzahl sei Q.


Die neben euch aufragende Aegidiikirche ist übrigens die letzte Kirche Münsters, in der immer noch hin und wieder Gottesdienste in lateinischer Sprache abgehalten werden.
Verlasst nun den Aegidiikirchplatz zur anderen Seite hin und biegt rechts auf die "Aegidiistraße" ein (ein Straßenschild steht hier nicht). Am Ende der Straße geht es links und dann direkt wieder rechts in die "Pferdegasse". Kurz bevor diese zum Domplatz zurückführt, seht ihr zu eurer Linken das Fürstenberghaus mit einer Statue davor. Begebt euch zu dieser Statue. Ihr steht nun vor Franz von Fürstenberg, dem Gründer der Universität Münster.

Abschnitt 5: Münster in Preußen und dem deutschen Reich - von der Provinzmetropole zur Studentenstadt


Münster ist heute vor allem als Studentenstadt bekannt - rund 45000 Studenten studieren hier und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster ist nach der LMU München und der Universität zu Köln die drittgrößte der Republik. Doch im Gegensatz zu den vielen Universitätsstädten insbesondere im süddeutschen Raum war in Münster gegen Ende des 18. Jahrhunderts was das Studieren anging noch tote Hose: Es gab lediglich die bereits von Liudger gegründete Domschule und seit dem Einzug der Jesuiten in die Stadt die Möglichkeit eines Theologiestudiums an einer kleinen Jesuitenakademie.
Im Jahr 1780 änderte sich dies: Franz von Fürstenberg, wichtiger Staatsmann und Minister des Fürstbischofs, legte den Grundstein für eine sogenannte Volluniversität, wobei "Voll" aus heutiger Sicht relativ zu sehen ist - man konnte gerade mal die Fächer Theologie, Philosophie, Jura und Medizin studieren. Doch 1818 war es mit der jungen Universität bereits schon wieder vorbei - sie wurde geschlossen. Was war hier also geschehen?
Ein Blick in die geografischen Umwälzungen in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschafft hier Klarheit: Im Zuge der napoleonischen Kriege rückte 1802 die neu entstandene Großmacht Preußen in Münster ein und gab es auch nach der Neuordnung Europas im Wiener Kongress nicht wieder her. Die Ära der Fürstbischöfe war endgültig vorbei, nun brach im gemütlich-katholischen Münster die Zeit strammer preußischer Verwaltung an.
Als Preußen dann 1815 auch große Gebiete des belebten Rheinlandes zugestanden bekam und diesem eine Universitätsgründung in Bonn versprach, war es für die Universitäten im als hinterwäldlerisch geltenden Westfalen vorbei. Ähnlich wie in Paderborn wurde die Universität Münster wieder zu einer Lehranstalt für Priester und Lehrer degradiert.
Obwohl die Zugehörigkeit Münsters zu Preußen jedoch nie zu einer Liebesbeziehung wurde - was nicht zuletzt an der Ablehnung des preußischen Protestantismus im streng katholischen Münster lag -, konnte die Stadt sich in den kommenden Jahrzehnten gut entwickeln: Münster wurde Provinzialhauptstadt der Provinz Westfalen und florierte und wuchs mit der nun Einzug haltenden Industrialisierung massiv: Hatten 1815 noch rund 15000 Menschen im Stadtgebiet gelebt, waren es 1900 um die 65000, 1917 dann gar über 100000. 1899 erhielt die Stadt einen eigenen Industriehafen am Dortmund-Ems-Kanal (heute eine Bar- und Kneipenmeile in sehenswertem Ambiente) und 1902 wurde schließlich auch die Universität wieder eröffnet. Ihrem Neugründer Kaiser Wilhelm II. getreu trägt sie bis heute den nicht ganz unumstrittenen Namen "Westfälische Wilhelms-Universität".


Betrachtet die Statue: Wie alt wurde Franz von Fürstenberg? Sein Alter sei R.

Wir werden nun das Kerngebiet der heutigen Universität durchqueren. Während die naturwissenschaftlichen Fakultäten und die Medizin an den Stadtrand verbannt wurden, haben die klassischen Fächer der Geistes-, Gesellschafts- und Sprachwissenschaften ihren Platz rund um das Aaufer behalten. Im Fürstenberghaus zu eurer Rechten residieren z.B. heute die Geschichtswissenschaft und das archäologische Museum.
Geht links der Statue die Treppen herab und an der nächsten Kreuzung geradeaus. Links von euch erhebt sich die Petrikirche, die von den Jesuiten erbaut wurde und heute der katholischen Studierendenschaft als Universitätskirche dient.

Auf der anderen Seite der Petrikirche seht ihr eine Skulptur. Wie viele Fische sind hier dargestellt? Die Anzahl sei S.

Begebt euch zurück auf euren alten Weg und folgt ihm weiter. Ihr überquert nun zum dritten Mal die Aa. Geht geradewegs durch das Juridicum hindurch: Hier werden heute Wirtschafts- und Rechtswissenschaften gelehrt, zwei Fachbereiche, die in Münster einerseits einen besonders guten Ruf haben, andererseits als besonders Schlips- und Stehkragenträger durchsetzt verrufen sind. Am Ausgang auf der anderen Seite haltet ihr euch schräg rechts geradeaus und biegt gegenüber der großen Universitäts- und Landesbibliothek in die "Bäckergasse" ein, der ihr bis zum Ende folgt. Links von euch könnt ihr das größte Hörsaalgebäude der Universität sehen und wenn ihr an's Ende der Straße kommt, seht ihr vor euch das Universitätshauptgebäude und Ziel unserer Stadtführung: Das Fürstbischöfliche Residenzschloss.

Um euch dem Schloss zu nähern, müsst ihr nun auch endlich einmal die Promenade überqueren - den von Fahrrädern befahrenen Grüngürtel (an dieser Stelle ist er zugegebenermaßen nicht allzu grün) rund um die Innenstadt, auf dem früher einmal die Stadtmauern standen.
Dort, wo im 18. Jahrhundert Johann Conrad Schlaun das vor euch stehende Residenzschloss errichtete, befand sich übrigens zuvor die Wachzitadelle, die Kanonenbernd 1661 zur Überwachung der Stadtbevölkerung errichten ließ. Der Platz vor dem Schloss selbst war damals ein Exerzierplatz, der eine freie Schusslinie auf die Stadt ermöglichen sollte. Zu Zeiten Schlauns wurde der Platz dann ansehnlich begrünt, um später von den Preußen wieder für Militärparaden und Aufmärsche missbraucht zu werden. Nachdem er 1927 zu Ehren des damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in "Hindenburgplatz" umbenannt worden war, entbrannte 2012 eine belebte Diskussion um diesen Namen: Die Mehrheit der im Stadtrat vertretenen Fraktionen beschloss eine Umbenennung in "Schlossplatz", um den historisch umstrittenen Hindenburg nicht weiter mit einem solchen Platz zu ehren. Doch eine Bürgerinitiative stemmte sich dagegen und so kam es zu einem Bürgerentscheid mit engagiertem Wahlkampf, in dem sich am Ende die Mehrheit der Bürger für den neuen Namen aussprach.

Nähert euch dem Schloss, bis ihr die goldene Inschrift über der Pforte lesen könnt. Die am rechten Ende in lateinischen Lettern geschriebene Jahreszahl (vierstellig!) sei unsere letzte Variable T.

Wir sind nun am Ende unserer Tour durch die Geschichte Münsters angelangt. Die Entwicklung Münsters im 20. Jahrhundert ist im Allgemeinen die einer deutschen Großstadt, in unserem Fall insbesondere geprägt durch Katholizismus, Universität, viele ansässige Verwaltungs- und Bürokratieapparate und eine vergleichsweise gering ausgeprägte Industrie. Münster war von seiner Sozialstruktur nie eine Arbeiter- sondern durch und durch eine Beamtenstadt.
Hervorzuheben ist in der jüngeren Geschichte Münsters insbesondere eine Person: Kardinal Clemens August von Galen, auch genannt "Der Löwe von Münster". Er hielt noch während des zweiten Weltkriegs äußerst kritische Predigten gegen die NS-Diktatur und insbesondere gegen die Euthanasie, die systematische Ermordung von Behinderten. Wegen des starken katholischen Rückhalts in Münster wagten es die Nazis bis zum Ende nicht, ihn zu ermorden. Sein Grab könnt ihr im Dom besuchen.
Nach den starken Zerstörungen des zweiten Weltkriegs wurde Münster im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten an vielen Punkten vergleichsweise originalgetreu wiederaufgebaut. Was aus heutiger Sicht ein Segen ist, war damals hochumstritten und wurde der Stadt oft als Rückständigkeit ausgelegt. Doch ebendies ist bis heute typisch für Münster: Obwohl die Stadt jung und lebendig ist wie wenige andere ihrer Größe, sind ihre Bürger im Wesen grundkonservativ und lassen sich immer erst nach und nach von Veränderungen überzeugen.


Dreht euch doch einmal mit dem Rücken zum Schloss: Ihr könnt von hier aus noch einmal die 3 wichtigsten Kirchtürme der Stadt bewundern. Erinnert ihr euch? Es handelt sich um Überwasserkirche, Dom und St. Lamberti.
Wenn ihr noch Zeit und Lust habt, empfehle ich euch eine kleine Tour durch den Schlossgarten und den botanischen Garten. Wenn ihr dann das Finale in Angriff nehmen wollt, nehmt Platz auf einer nahegelegenen Bank und fangt an zu rechnen:

N: (JB.G)+D+L+M-E-F-P
E: (KS.N.O)+C+T-(B.R)-A-H-I-Q

Zur Kontrolle:
Quersumme (Nord) = S.H
Quersumme (Ost) = B.N

Viel Erfolg bei der Suche!!!

Ich hoffe ihr hattet einen interessanten und lehrreichen Tag und habt unsere schöne Stadt genossen.
Kommt doch bald mal wieder nach Münster!

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