Pluto – 1930 als neunter Planet und vermeintlich äußerstes Gestirn unseres Sonnensystems entdeckt und stets als Sonderfall unter den Planeten betrachtet, gibt der Wissenschaft seit jeher Rätsel auf. Als fester Himmelskörper hinter den vier Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun und mit seinem geringen Durchmesser von nur 2310 km (deutlich kleiner also als der Erdenmond), noch dazu mit seiner stark exzentrischen Umlaufbahn um die Sonne, die in ihrem sonnennächsten Segment die Bahn des Neptun schneidet, und der starken Neigung seiner Bahnebene von rund 17° gegenüber der Ebene, in der sich die übrigen Planeten bewegen, fällt Pluto deutlich aus dem Rahmen und gibt der Forschung bis heute große Rätsel auf.
Mit der Entdeckung einer ganzen Reihe weiterer Himmelskörper jenseits des Neptun in den letzten 20 Jahren gelangte die Astronomie zu der Erkenntnis, daß Pluto ein Teil des sog. Kuiper-Gürtels ist, eines von vielen tausend Kleinplaneten und kleinsten Objekten gebildeten Ringes außerhalb der Neptunbahn. Im Zuge dieser Erkenntnis wurde Pluto 2006 der Planetenstatus aberkannt, seither wird der ehemalige neunte Planet als Kleinplanet geführt, gleichtzeitig aber formbildend und namengebend für eine Kategorie von Kleinplaneten seines Typs: den Plutoiden oder Plutinos.
Aufgrund seiner großen Entferntheit – seine durchschnittliche Distanz zur Sonne beträgt 5,9 Milliarden Kilometer – ist Pluto bis heute wenig erforscht. Denn selbst auf Photos des Hubble-Teleskops erreicht die Auflösung nur 500 km pro Bildpunkt.
Licht in das Dunkel der Kenntnis über Pluto bringen soll die Raumsonde New Horizons der NASA, die am 19. Januar 2006 am Cape Canaveral startete und nach einem Vorbeiflug am Jupiter Ende Februar 2007 zwecks Beschleunigung („Swing-by“) nunmehr am 14. Juli 2015 nach fast neuneinhalbjähriger Reise ihr Ziel, den Pluto erreichen soll. An diesem wird sie in einer erstaunlich geringen Distanz von gerade einmal 12.500 km vorbei und dann weiter in den Kuiper-Gürtel fliegen. Zu den Missionszielen der höchsten Priorität gehören die Beschreibung des geologischen Aufbaus, die Kartierung der Zusammensetzung der Oberflächen sowie die Beschreibung der neutralen Atmosphäre jeweils von Pluto und seinem Mond Charon. Zum aktuellen Zeitpunkt (14. Juli, 11:52 MESZ) ist New Horizons noch etwa 98.000 km von Pluto entfernt.
Die NASA bietet auf ihrer Homepage schon jetzt einen Countdown: um exakt 13:49:57 MESZ wird die größte Annäherung der Sonde an den Planeten erwartet. Laßt uns von unserem üblichen irdischen Tun als Geocacher einmal den Blick aufs Extraterrestrische wagen und am Dienstag, dem 14. Juli 2015 diesen Moment gemeinsam erleben und uns dabei die großartige Leistung vor Augen führen, die das Gelingen eines solchen Projektes bedingt. Hoffentlich wird die NASA bis dahin schon einige eindrucksvolle Aufnahmen von Pluto und Charon veröffentlicht haben, die wir uns dann auf dem Event gemeinsam angucken werden. Das Event soll rund eine halbe Stunde vor dem großen Moment beginnen, um 13:15. Das Logbuch wird mindestens bis 14:15 ausliegen. Jeder bringt selbst die Getränke mit, die er für diesem Anlaß angemessen hält.
Gruß von gagara.
P.S.: Die Animation zeigt Pluto mit seinem Mond Charon, der einen Durchmesser von 1212 km hat, was etwas mehr als der Hälfte des Durchmessers des Pluto entspricht. Ein solch enges Größenverhältnis von einem Mond zu seinem Muttergestirn war bis zur Entdeckung Charons 1978 im Sonnensystem noch unbekannt. Der Effekt dieser Konstellation ist, daß nicht nur Charon um Pluto kreist, sondern beide Objekte umeinander (oder um einen gemeinsamen Punkt zwischen ihnen). Dieses Phänomen war durch Berechnungen schon lange bekannt, New Horizons konnte es jetzt erstmals auch tatsächlich beobachten.