Beim Fragezeichen auf der Karte findest du keinen Cache. Hier finden die Heimspiele des EHC Arosa statt und wenn du ganz sensibel bist, hörst du noch die Fangesänge von früher und spürst das Glücksgefühl des letzten Meistertitels von anno 1982.
EHC Arosa
Die glorreichen Zeiten der 50er Jahren kenne ich nur durch seltene Schilderungen von meinem Grossvater oder meinem Vater.
In den 70er Jahren war ich noch zu klein für die Spiele – doch wenn ich mein Schlafzimmerfenster gekippt hatte, konnte ich die Torjubel immer hören. Waren sie dezent, so schoss der Gegner ein Tor. Waren sie lauter, so war der EHC Arosa erfolgreich. So bekam ich manchmal beim Einschlafen die ersten Tore mit. 1978 war dann dieser Service fertig, da aufgrund von Auflagen der Nationalliga die Eishalle gebaut werden musste.
Als ich ein bisschen älter war, durfte ich dann und wann auch an die Matches gehen. Wenn ich mich zurückerinnere, blieb mir vor allem die Saison 1981/82 haften – sie gipfelte im neunten und vorerst letzten Schweizermeister Titel vom EHC Arosa. Die Matchs besuchte ich meist mit meinem Vater – oft standen wir auf der Westtribüne (Carmennaseite), dort wo die wahren Fans standen. Manchmal besuchte ich mit Kollegen die Matchs, doch dann mussten wir nach zwei Dritteln nach Hause zurückeilen. Damals durfte man unter sechzehn Jahren nach neun Uhr nur in Begleitung von Erwachsenen unterwegs sein – dies wurde auch kontrolliert und streng durchgesetzt.
An zwei Matchs erinnere ich mich noch so gut, wie wenn es gestern gewesen wäre. Es war Dienstag, der 8. Dezember 1981 – ausnahmsweise nahm mich mein Vater unter der Woche an einen Match mit. Aber es war nicht irgendein Match – es war DER Match. Der Gegner hiess HC Davos – DAS Bündnerderby schlechthin. Ungewohnter Weise sassen wir auf den Holzbänken der Nordtribüne Richtung Obersee. Dies weil noch zwei Kollegen von meinem Vater dabei waren und die sassen immer dort. Für mich war es interessant, das Spiel einmal aus dieser Perspektive zu erleben.
Im Tor begann wie meist Andy Jorns. Im letzten Drittel wurde dann noch Jos Mattli eingewechselt, denn der Sieg schien ungefährdet und so kam er auch noch zu seiner Spielpraxis. Der dritte Torhüter Fritz Meisser hatte sich nicht mal umgezogen, man hatte ihn sogar für diesen Match aus der Aufstellung genommen.
An diesem Abend wirbelte vorne wieder wie so oft der wohl beste Sturm der Schweiz: der Lindemann-Sturm – Guido Lindemann und Markus ‘Blitz’ Lindemann. Ja, damals waren noch Einheimische oder zumindest Schweizer die Helden des Teams. In diesem Spiel wurden sie am rechten Flügel durch Georg Poltera unterstützt. Dank deren Tordrang stand es dann nach zwei Drittel 5:0 für den EHC Arosa.
Damit das Team hinten die Tore nicht erhielt, waren neben den beiden Torhütern zwei Verteidigerpaare in der Lindemannlinie verantwortlich. Mal wurde hinten durch Andi Ritsch und Ruedi Kramer abgesichert, ein anderes Mal wurde der Block mit Andreas Caduff und Heini Staub komplettiert. Der EHC Arosa schenkte dem Gegner zwar noch den Ehrentreffer, aber das Spiel wurde sicher mit 8:1 gewonnen. Ein Strom von Fans beider Lager bahnte sich den Weg durch die Winterlandschaft Richtung Bahnhof, wo der legendäre Calanda-Express nach Chur wartete. Für mich hiess es nach Hause gehen und von weiteren Taten vom EHC Arosa zu träumen.

Das zweite Spiel meiner Erinnerung fand am Samstag dem 20. Februar 1982 in Arosa statt. Mittlerweile wurde die Meisterrunde gespielt und gegen den hartnäckigen Gegner EHC Biel musste ein Sieg her, damit wir weiterhin vom Meistertitel träumen durften. Da wir uns erst an der Abendkasse um Tickets bemühten, kamen wir auf der Valsanerseite auf der Osttribüne zu einem Stehplatz, denn die Westtribüne war schnell ausverkauft. So standen wir bei den gemässigten Fans, in der Nähe von vereinzelten Bielerfans.
Das Spiel begann hektisch und der EHC Arosa war sehr mit Verteidigen beschäftigt. Das Verteidigerpaar Guido Pfosi und Andi Ritsch machten einen guten Job. Die beiden Aroser waren mitschuldig, dass Biel im ersten Drittel keinen Puck im Netz unterbringen konnten.
Das erste Tor für den EHC Arosa schoss Jack de Heer, der Ausländer im Team. Damals waren die Ausländer noch nicht so matchentscheidend, er war auch der einzige in diesem Meisterteam. Für den 2:0 Drittelstand war Renè Stampfli zuständig gewesen. Der Vorsprung war ein bisschen beruhigend, doch auch gefährlich, denn zwei Tore sind im Eishockey schnell geschossen. Im zweiten Drittel erschien der EHC Arosa jedoch motivierter aus der Kabine. Er zog sein gefürchtetes Tempohockey auf. Und immer, wenn schnell gespielt wurde, war ein Spieler im Zentrum – der wohl wendigste und schnellste Spieler auf dem Schweizer Eis in der damaligen Zeit – Beni Neininger. Er riss immer wieder Löcher in die Verteidigung des Gegners und so erhöhte der EHC Arosa das Score um weitere vier Tore im Mitteldrittel. Ein Schönheitsfehler war jedoch das Tor für den EHC Biel, welches ebenfalls fiel. Das Schlussdrittel begann mit einem Paukenschlag, die Bieler schossen drei Tore in Folge, der Vorsprung schm
olz und der Meistertitel wurde auch gefährdet, zumal die Verfolgerteams auf der Siegesstrasse waren – wie mir der Blick auf den Totomat immer wieder zeigte. Doch dann besann sich der EHC Arosa wieder auf seine Stärke, zog sein Powerhockey auf und so fielen die Tore dann auch auf der richtigen Seite. Das Stängeli rückte immer näher und wurde gegen Schluss von uns Fans auch lautstark gefordert. Kurz vor Schluss war es dann auch noch der Einheimische Pietro Cunti, welcher zum Schlussresultat von 10:5 für den EHC Arosa einschoss.
Am Sonntag den 28. Februar 1982 stand dann der neunte Meistertitel vom EHC Arosa fest. Er besiegte zu Hause im letzten Saisonspiel den HC Fribourg Gotteron mit 7:3. Die Meisterfeier konnte steigen!
Noch ein paar Zahlen zu dieser Saison – es wurde 38 mal gespielt. In dieser Zeit schoss Guido Lindemann 25 Tore, plus sein Bruder Markus ‘Blitz’ Lindemann 26 Tore und auch Renè Stampfli 5 Tore.

Der Torschützenkönig der Saison hiess Guido Lindemann, da er mehr Assists erreichte als sein Bruder. Mit 67 Punkten gewann er nach der Saison 1980/1981 nochmals den Titel des Torschützenkönigs. Lange war er dann der letzte Schweizer, welcher dieser Titel erhielt, danach war es immer ein Ausländer. Erst in der Saison 2011/2012 konnte sich mit Damian Brunner wieder einmal ein Schweizer bester Scorer nennen.

Der Rest vom EHC Arosa ist schnell erzählt – es folgte der freiwillige Abstieg in die 1. Liga in der Saison 1985/86. Seither hat sich der EHC Arosa in der zweiten oder ersten Liga profiliert. Träume von einem NLB Aufstieg sind da – und Optimisten träumen weiter vom zehnten Meistertitel vom EHC Arosa – die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ob du die Koordinaten vom Cache erraten hast siehst du hier:

Viel Spass beim Knobeln und Schwelgen in alten glorreichen Zeiten wünschen
Pakasch
