Endstation Rastatt ME: Ein Blick in die Vergangenheit
Wo ihr heute auf das Gelände der Stadtwerke Rastatt blickt, dampfte und quietschte es vor einigen Jahrzehnten noch gewaltig. Ihr steht hier an einem historischen Knotenpunkt der badischen Verkehrsgeschichte: dem ehemaligen Schmalspurbahnhof „Rastatt ME“.

Was war die MEG?
Die Mittelbadische Eisenbahnen-Gesellschaft (MEG) betrieb das einst größte Schmalspurnetz Deutschlands. Das Hauptnetz zog sich fast parallel zum Rhein von Rastatt über Kehl und Lahr bis nach Seelbach im Schwarzwald. Begonnen hatte alles im späten 19. Jahrhundert unter der Regie der Straßburger Straßenbahn. Die durchgehende Verbindung von Schwarzach bis hier zum Rastatter Bahnhof wurde am 2. Mai 1909 feierlich eröffnet. 1923 übernahm dann die neu gegründete MEG das Ruder.
Das Leben am Bahnhof „Rastatt ME“
Dieser Ort war für die Stadt von großer Bedeutung. Der Bahnhof „Rastatt ME“ lag etwas abgesetzt vom großen Staatsbahnhof. Ab 1939 fungierte er als offizieller Endbahnhof für den Personenverkehr der Schmalspurbahn. Die Züge der MEG zuckelten damals in schaukelnder Fahrt direkt durch die umliegenden Dörfer wie Iffezheim, Hügelsheim und Stollhofen.
Neben den Fahrgästen war der Güterverkehr essenziell: An den sogenannten „Rollwagenrampen“ am nahen Übergabebahnhof wurden normalspurige, schwere Güterwagen der großen Bahn per Winde „Huckepack“ auf die kleinen Schmalspur-Rollwagen der MEG gezogen. So sparte man sich das mühsame Umladen der Güter per Hand!

Das Ende einer Ära
Mit dem Siegeszug des Autos in der Nachkriegszeit wurde die kleine Schmalspurbahn zunehmend unrentabel. Am 15. April 1970 wurde der Personenverkehr zwischen Schwarzach und Rastatt endgültig eingestellt und durch Busse ersetzt. Wenige Jahre später folgten der Güterverkehr und der Abbau der Gleise.
Heute zeugen hier bei den Stadtwerken nur noch die alten Grundstückszuschnitte von der Trasse. Achtet bei dem folgenden Bild auf das Haus, das hinter der Lokomotive versteckt ist, es steht noch heute. Könnt ihr es sehen?

Ein herzliches Dankeschön an Kurt P. für die Bereitstellung der historischen Bilder und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!