Es schritt ein junger Hausierer, wohl über die Berchumer
Heid'
Er trug sein schweres Bündel, doch um sein Herz war kein Leid.
Schon blinkten die ersten Sternlein, der Wind er blies so kalt
Und dunkle Wolken zogen - leis' über den Winterwald.
Der Wald er hat bald ein Ende, die letzte Höhe hinan
Dann kann er sein Heimatdorf sehen, das lieget dort still im
Tann.
Noch eine kleine Weile, dann wird er zu Hause sein
In seinem lieben Ergste, bei seinem Mütterlein.
Da stürzt aus der Stille des Waldes, ein grimmiger Räuber
hervor
Vor Angst konnt' er nicht mal mehr schreien, sein Leben er hier
verlor.
Zerschlagen ward ihm der Schädel, ein böser Raubmord gescheh'n
Er sah die Heimat nie wieder, da halfen kein Klagen und
Fleh'n.
Die Tat sie blieb lange verborgen, er war ja so oft auf der
Reis'
Doch dann fand man seine Leiche, wohl unter Strauch und Eis.
Sein Bündel war verschwunden und die Habseligkeit
Der Schnee verdeckte die Spuren, der Mörder war sicher schon
weit.
Zu dieser Zeit lebte in Ergste ein arbeitsscheues
Subjekt,
der Jürgen so war'd er gerufen, er war nicht sehr aufgeweckt.
Seit kurzem trug er neue Kleider, wie kam er in ihren Besitz
Die Nachbarn sie flüstern und tuscheln, er hat sie wohl
stibitzt.
Als man ihn verhaften wollte, schwamm Jürgen in seinem
Blut
Er hatt' sich den Hals aufgeschnitten, wie man es beim Selbstmord
tut.
Er woll't seine Häscher täuschen und stellte sich gar tot
Der Arzt durchschaute den Schwindel, obgleich er von Blut so
rot.
Zu Limburg auf dem Schlosse, sperrt man ihn ins Verlies
Der Richter bekam sein Geständnis. Das Urteil lautete dies;
Enthauptet soll er werden, den Körper auf das Rad
Das Werkzeug an den Galgen, zu schaurig war die Tat.
Die Menschen aus Nah und Ferne. Sie strömten zur Reher
Heid'
Das Schauspiel zu verfolgen, war ihnen kein Weg zu weit.
Schon schneidet das blanke Richtschwert - zischend durch die
Luft,
Da fällt von seinem Körper, das Haupt des bösen Schuft.
Ein mahnendes Beispiel für alle, das sollte die Hinrichtung
sein,
Ein jeder möge erschrecken beim Anblick des faulend' Gebein.
Doch schon am nächsten Morgen, oh Wunder sonderbar Die Schuhe waren
gestohlen, das schöne neue Paar.
So endet die Geschichte, geschehen vor langer Zeit.
Der Mord er war'd gesühnet, der Frevel, die Gottlosigkeit.
Und wer dort heute wandert, wohl durch den Ergster Wald,
gedenket der armen Seele, die starb hier durch
Hinterhalt.