Es ist Sommer, und es ist heiß. Doch siehe da: was braut sich
denn da am Horizont zusammen? Kilometerhoch türmen sich die Wolken.
Ein Gewitter ist im Anmarsch, nicht ungewöhnlich für diese
Jahreszeit. Die Wolken wirken wie ein gigantischer Kondensator, ein
Ladungsspeicher. Die Ladung entsteht durch die Reibung, die die
Wassertropfen im Aufwind erfahren. Oben entsteht positive Ladung,
unten negative. Ein Ausgleich muss her: es blitzt. Ungeheure
Energiemengen von mehreren Hunderttausend Ampere Stromstärke bei
Spannungen von vielen Millionen Volt entladen sich.
Weltweit gibt es jederzeit 2000 bis 3000 Gewitter mit täglich
zehn bis 30 Millionen Blitzen. Das bedeutet: 100 Blitze in jeder
Sekunde. In Deutschland richten Blitze jährlich Schäden in Höhe von
mehreren Millionen Euro an. Elektrische Geräte werden beschädigt,
Haus- und Waldbrände verursacht.
Am sichersten ist man während eines Gewitters im Haus. Auch im
Auto kann man sich beruhigt aufhalten, denn hier funktioniert das
Prinzip des Faradayschen Käfigs, die Blitze werden nach außen
abgeleitet. Was aber tun, wenn man während eines Gewitters im
Freien ist? Ein altes Sprichwort rät:
„Vor den Eichen sollst du weichen
Und die Weiden sollst du meiden.
Zu den Fichten flieh mitnichten
Doch die Buchen musst du suchen!“
Besser nicht! Grundsätzlich sollt man bei einem Gewitter jeden
Baum meiden. Ebenso wie Holzmasten, Gewässer und Kammlagen. Besser
ist, man kauert sich auf den Boden und zieht in der Hocke Arme an
den Körper und den Kopf ein. Auch enge Mulden und Höhleneingänge
sind kein geeigneter Aufenthaltsort bei einem Gewitter, da ein
Blitz häufig den Eingang überspringt.
Wie nun der Volksmund zu einem so zweifelhaften Rat kommt, dafür
gibt es unterschiedliche Begründungen. Möglicherweise hielt man
sich an die Buchen, weil diese Bäume öfters in Gruppen vorkommen,
während die Eichen häufig als Solitärbäume in der Landschaft
stehen. Auch die verschiedenartige Rinde könnte eine Begründung
sein. An einem glatten Buchenstamm bei durchgängig feuchter Rinde
kann der Blitz besser an der Außenseite in den Boden geleitet
werden als bei einer Eiche, deren Rinde tiefe Furchen aufweist und
so nie durchgängig feucht wird. Demnach erscheint das Risiko
größer, dass der Blitz oben in die Eiche einschlägt und weiter
unten, wo der schutzsuchende Mensch steht, wieder heraustritt.
Zudem lassen die langen Pfahlwurzeln der Eichen, die oft bis ins
Grundwasser dringen, diese Bäume häufiger zu Blitzopfern werden als
die Buchen mit den flachen Herzwurzeln. Eines allerdings steht
fest: auch in Buchen schlagen Blitze ein.