Wilhelm Brechtezende wurde am 05.06.1886 als Kind eines wohlhabenden Bauern in Großwolderfeld geboren. Wie sein Vater auch, hätte Wilhelm Brechtezende ein wohlhabender Bauer sein können. Doch er entschied sich dagegen.
Nach dem Tod seiner Mutter nahm "Willm" endgültig Abschied von dem zivilisierten Leben.
So lebte er als Einsiedler bescheiden in einer selbst erbauten Hütte und ernährte sich nach den Regeln des alten Testamentes, las in der Bibel und wurde vielen Overledingern als Botengänger, als sogenannter „Böskupploper“, ein unschätzbarer Diener. Willm erwies sich als gewissenhaft und zuverlässig, er pendelte zwischen Overledingen und der Kreisstadt Leer hin und her.
Seine Bezahlung war oft nur ein Stück Brot, ein Teller Suppe oder gelegentlich ein Kleidungsstück. Gerne schlief er auf Stroh und am liebsten unter dem freien Himmel.
In seinem Leben – vom Schein der Sonne seines Herzens überstrahlt - blieb er aber leider nicht von Enttäuschungen verschont: Nach der Verfolgung während der Nazidiktatur floh er in die Stille und Ruhe seiner väterlichen Ländereien. Sein Wirken galt dem einfachen Leben, als Bettler und König zugleich, wie es in seiner Todesanzeige vom 09. Juli 1966 hieß.
War Oll Willm ein Sonderling? Sicherlich war er das, aber einer, der in seiner einfachen Art viel Glückseligkeit ausstrahlte und uns bis in die heutige Zeit hinein damit etwas zu sagen hat.
Natürlich ist es heute kaum mehr möglich, so zu leben wie Oll' Willm es getan hat. Aber wir könnten uns aus manchen Zwängen lösen und uns darauf besinnen, dass das eigene Leben Freude bereiten sollte, ganz gleich, was andere denken oder dazu sagen!