Erneuerung der "alten Eisenbahn-Donaubrücke"
Die Tullner Donaubrücke musste 104 Jahre nach ihrer
Erbauung einer Generalsanierung unterzogen werden. Das alte, aus 5
Feldern bestehende Tragwerk wurde abgetragen und durch ein neues
ersetzt, das den aktuellen Anforderungen des Eisenbahnverkehrs im
Hinblick auf Lasten, Geschwindigkeit, Lebensdauer und
Lärmschutz entspricht.

Mit den ersten Bauarbeiten an den Pfeilern wurde bereits im Juli
2008 begonnen. Die Arbeiten konnten im Oktober 2009 abgeschlossen
werden.
Video über die durchzuführenden Phasen des Projektes:
Video
Die Tullner Donaubrücke
Die Tullner Donaubrücke besteht aus einem zweigleisigen
Eisenbahntragwerk und einem stromabwärts gelegenem
Straßentragwerk mit zwei Fahrspuren. Beide Tragwerke bestehen
aus stählernen Fachwerksträgern, die auf gemeinsamen
Flußpfeilern und Widerlagern ruhen. Die Brücke wurde im
Jahr 1904 errichtet, während des Krieges zerstört und in
den Jahren 1945 bis 1948 wieder aufgebaut.
Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife wird die
Brücke mit einer Gesamtlänge von rd. 440 m einer
Generalsanierung unterzogen. Im ersten Bauschritt wurden die
Brückenpfeiler entsprechend dem heutigen Stand der Technik
für den Fall eines Schiffsanpralles verstärkt. Durch die
Ummantelung der Pfeiler konnte der Gleisabstand von 4,0 m auf 4,5 m
erweitert werden. Diese Arbeiten fanden unter teils sehr
schwierigen Bedingungen bei laufendem Betrieb der Eisenbahn- und
der Straßenbrücke statt. Auch die Schifffahrt durfte
nicht behindert werden.
Aus- und Einschwimmen der Tragwerke
Die Demontage der bestehenden Tragwerke und die Endmontage des
neuen Tragwerkes einschließlich der betriebsfertigen
Ausstattung wurden in einer ca. sechsmonatigen Gleissperre
durchgeführt.
Das alte Tragwerk bestand aus insgesamt 5 Feldern, die beiden
Randtragwerke wurden vom Ufer aus demontiert. Die mittleren
Tragwerksteile wurden mittels Schwerlastpontons ausgeschwommen und
am nördlichen Ufer für den Abtransport zerlegt.

Das neue Tragwerk besteht aus zwei Großbauteilen zu je 182
m Länge und zwei Randfeldern. Die Montage der Randfelder
erfolgt vom Ufer aus. Die beiden flußseitigen
Brückenfelder wurden in einer eigens errichteten Montagehalle
am nördlichen Donauufer vorgefertigt und wurden für die
Endmontage ebenso mittels Schwerlastpontons ab 17.06.2009
eingeschwommen.

Die beiden Pontons der Firma MAMMOET (Niederlande) haben ein
Eigengewicht von je 380 t und eine Ladekapazität von je 1.700
t. Sie wurden zu einem Schwimmkörper von 65 m Länge und
22,8 m Breite gekoppelt. Die Manövrierung erfolgte mit
zwei Schubschiffen. Mit diesen Pontons wurden die Bauteile
daraufhin eingeschwommen, in die richtige Position gebracht und auf
die Brückenpfeiler aufgesetzt.



Probebelastung und Verkehrsfreigabe der Tullner
Donaubrücke
Unmittelbar vor Inbetriebnahme der
neuen Eisenbahnbrücke über die Donau in Tulln wurde eine
Probebelastung durchgeführt.
Es wurden mit insgesamt acht Tauruslokomotiven, jede mit einem
Gewicht von 86 Tonnen, zehn verschiedene Belastungssituationen
simuliert. Dabei wurde die Tragwerksverformung an der
Tragwerksunterkante der Brückenfelder 1 bis 3 mit und ohne
Belastung durch die Loks auf den Millimeter genau optisch vermessen
und mit den prognostizierten Verformungen von rd. 22 - 25 mm in
Feldmitte verglichen.
Damit wurde ein Gesamtgewicht von 688 t auf die Brücke
gebracht. Trotz widriger Witterungsverhältnisse im Winter
2008/09 und hochwasserbedingter Verzögerungen beim
Einschwimmen der neuen Tragwerksteile konnte die neue Tullner
Donaubrücke nach nur 15 Monaten Bauzeit am 27. Oktober 2009
mit beiden Gleisen in Betrieb genommen werden.
Die Probebelastung bildete den baulichen Abschluss der neuen
Eisenbahnbrücke in Tulln, bevor sie für den Verkehr
freigegeben wurde.
| Zahlen - Daten - Fakten zum
Projekt |
| Gesamtlänge der Brücke |
440 m |
| Gesamtgewicht |
13.000 t |
| Gewicht Stahlkonstruktion |
3.800 t |
| Massen |
8.600 m⊃3; Beton und Stahlbeton
1.700 t Bewehrungsstahl
20.000 m⊃2; Korrosionsschutz
|
| Baukosten |
rd. 44 Mio. Euro (Preisbasis Jänner 2008) |
| Auftragnehmer |
ARGE Donaubrücke Tulln:
ARGE Porr Technobau und Umwelt AG/Strabag AG Direktion
IC/Swietelsky Bau GmbH/MCE Stahl- und Maschinenbau GmbH &
Co
|
| Bauzeit |
Juli 2008 - Dezember 2009 |
Reaktivierung der Tullner Westschleife
Nach dem Krieg wurde die damals zweigleisige Strecke
Tulln-Herzogenburg rückgebaut und die Tullner Westschleife
stillgelegt. Im Zusammenhang mit dem Bau der Neubaustrecke Wien-St.
Pölten wird diese Gleisschleife, welche die Franz-Josef-Bahn
mit der Bahnlinie Tulln-Herzogenburg verbindet,
reaktiviert.
Beide Bahnlinien werden im neuen Regional- und
Überholbahnhof Tullnerfeld mit der Neubaustrecke Wien - St.
Pölten verknüpft, wodurch die Erreichbarkeit der
Landeshauptstadt St. Pölten und der Bundeshauptstadt Wien
besonders für die Bahnkunden und Pendler aus dem
nördlichen Niederösterreich und dem Bezirk Tulln deutlich
verbessert wird.
Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife werden in
Tulln sämtliche niveaugleichen Eisenbahnkreuzungen aufgelassen
und durch Unterführungen ersetzt, zwei neue Kreisverkehre
errichtet und die Haltestelle Tulln Stadt neu gebaut.