Der EBV -
Grube Carl-Alexander in Baesweiler (3)
Die Förderrechte für die Grubenfelder im Bereich
der Ortschaft Baesweiler lagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts beim
Eschweiler-Bergwerks-Verein (EBV). Da dieser aufgrund der
problematischen Abteufarbeiten auf der Grube Adolf in Merkstein in
massive finanzielle Schwierigkeiten geraten war, verkaufte der EBV
einen Teil dieser Abbaurechte im Jahre 1904 an die Röchling´schen
Eisen- und Stahlwerke in Völklingen sowie an die französische
Stahlgewerkschaft Aciéries de Longwy. Diese hofften in Baesweiler
preisgünstige verkokbare Kohle für ihre Hochöfen zu erhalten,
ähnlich wie die ARBED vom EBV. Geführt werden sollte die nun
geplante Grube als deutsch-französisches
Gemeinschaftsunternehmen.
Als Standort für das neue Bergwerk „Gewerkschaft
Carl-Alexander“ wählte man den nördlichen Ortsrand von Baesweiler
zwischen dem Übacher Weg und dem Herzogenrather Weg. Der Name
Carl-Alexander stammt von dem Seniorchef Carl Röchling sowie dem
Oberhaupt der Familie Longwy, Alexander Dreux.
Im Jahre 1908 wurde auf dem Zechengelände mit
den Abteufarbeiten von zwei Schächten begonnen, die jeweils ein
Doppelfördergerüst erhielten. Die Förderung konnte jedoch erst 1921
aufgenommen werden, da Schwimmsandeinbrüche, hoher Gebirgsdruck und
Gebirgsstörungen die Fertigstellung der Schachtanlage immer wieder
verzögerten.
Ende der 20er Jahre erreichte die Grube mit
einer Förderung von über 500.000 Tonnen im Jahr eine
Spitzenposition im Aachener Revier.
Problematisch war der Abtransport der
geförderten Kohle, da diese nur mit Fuhrwerken erfolgen konnte.
Erst im Jahre 1925 wurde eine Eisenbahnverbindung zum Bahnhof
Nordstern bei Merkstein angelegt.
In dem kleinen Ort Baesweiler standen nicht
genügend Arbeitskräfte für die Grube zur Verfügung, so dass
Bergleute aus anderen Regionen, größtenteils aus dem Elsaß und aus
Lothringen, angeworben wurden. Da für die vielen neuen
Arbeitskräfte nicht genügend Wohnraum zur Verfügung stand, wurde im
Jahre 1926 eine Baugenossenschaft gegründet, die in den Jahren von
1927 bis 1932 insgesamt 196 Wohnungen in Grubennähe fertig
stellte.
Im Jahre 1936 wurde auf den Zechengelände eine
kleine Kokerei errichtet, die neben dem Koks für die Stahlerzeugung
auch Spezialkoks für die chemische Industrie (Elektrodenkoks)
erzeugte.
Obwohl die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges
auf Carl-Alexander nicht so gravierend waren wie auf den übrigen
Gruben der Region, wurde die Infrastruktur der Grube ab 1948 einer
Generalüberholung unterworfen und zu großen Teilen auch erneuert.
Damit wurde Carl-Alexander zu einer der fortschrittlichsten Gruben
der Region.
Zu Beginn der 60er Jahre bekam die Gewerkschaft
Carl-Alexander extreme Absatzschwierigkeiten, die im Oktober 1964
fast zur Stilllegung der Grube führten. Ursache hierfür war, dass
die Röchling´schen Eisenwerke nur noch rund 20 % der
Jahresförderung abnahmen. Auch die Lieferungen nach Frankreich
wurden eingestellt, obwohl sich der französische Staat seinerzeit
zur Abnahme von 30 % der Förderung vertraglich verpflichtete. Eine
Erweiterung der Absatzmärkte und Maßnahmen zur Rationalisierung
wurden nicht gefunden.
Unerwartet übernahm der
Eschweiler-Bergwerks-Verein Carl-Alexander zum 01.01.1965 und
konnte noch 1964 die Stillegungsanmeldung zurücknehmen. Der EBV
erhoffte sich damit eine weitere Konkurrenzfähigkeit im Bereich der
Kokskohle zu sichern. Ebenso wurden die Felder Carl-Alexanders
natürlich gerne angenommen, da sie die Kohlereserven des EBV
erheblich vergrößerten. Als weiteres Ziel versuchte der EBV
offensichtlich die durch die Krise verunsicherten Bergleute der
Region zu besänftigen. Man wollte ihnen gegenüber das Vertrauen in
das Aachener Kohlerevier zurückgeben, indem man die 3.000
Arbeitsplätze der Bergleute auf Carl-Alexander sicherte.
Carl-Alexander war die letzte Grube, die der EBV in sein Imperium
aufnehmen konnte.
Im April 1969 wurde die Kokerei auf
Carl-Alexander stillgelegt. Nach all den Jahren in denen sie Koks
produzierte war sie nicht mehr betriebssicher, eine Renovierung der
Koksöfen schied wegen der schlechten Absatzlage aus.
Im Jahre 1970 wurde damit begonnen eine
Verbindung zwischen den Gruben Carl-Alexander und Emil-Mayrisch in
Aldenhoven-Siersdorf zu errichten. Dazu wurde die 610 m-Sohle
Carl-Alexanders mit der 860 m-Sohle Emil-Mayrischs über einen
Blindschacht verbunden, den die Thyssen Schachtbau in den Jahren
1974 und 1975 abteufte. Dieser Verbund mit Emil Mayrisch bedeutete
das Ende der Förderung auf „Carl-Alex“.
Ziel dieses Verbundes war es, die wesentlich
modernre Schachtanlage Emil-Mayrisch zur Förderung beider
Grubenfelder zu nutzen. Auch ließen die schwierigen geologischen
Verhältnisse auf Carl-Alexander eine weitere Förderung vom alten
Ort nicht mehr rationell erscheinen. Die Schächte Carl-Alexanders
sollten nur noch als Wetterschächte für die Gruben Anna und
Emil-Mayrisch dienen.
Am 30.09.1975 stellte Carl-Alexander die
Förderung ein. Die Felder wurden über die neue Verbindung von
Emil-Mayrisch aus vollmechanisch abgebaut. Insbesondere betraf dies
das Abbaufeld „Lovericher Horst“, in dem sich ausgedehnte
Kokskohlefelder befanden.
Für die Bergleute von Carl-Alexander wurde ein
Sozialplan erstellt. Wer nicht anhand des Sozialplans ausscheiden
konnte, wurde auf die anderen Gruben in der Region aufgeteilt. In
den folgenden Jahren wurden die Übertageanlagen der Zeche
niedergelegt.
Nachdem auch Emil-Mayrisch seine Förderung im
Jahre 1992 einstellte, wurden die Schächte Carl-Alexanders
verfüllt. Auf dem Gelände der Grube befindet sich heute eine
Gartenbaufirma.
Am 31. Dezember 1983 wurde die eigenständige
Kohleförderung auf Anna eingestellt. Die Grubenbaue wurden an die
Grube Emil Mayrisch in Siersdorf angeschlossen, Anna diente nur
noch als Fahr- und Wetterschacht. Die Kokerei erhielt ihre Kohle ab
diesem Zeitpunkt aus Siersdorf.
Infos zum
Cache
Der Cache ist ein Tradi der
Größe "small".
Kleiner Tipp: Die Gegend lädt bei gutem Wetter
zum Verweilen und Picknicken ein.
Alle Caches dieser Serie:
Der EBV - Grube Adolf in Merkstein
(1)
Der EBV - Grube Anna in Alsdorf (2)
Der EBV - Grube Carl-Alexander in Baesweiler
(3)
Der EBV - Grube Carolus Magnus in Übach-P.
(4)
Der EBV - Grube Emil Mayrisch in Siersdorf
(5)
Der EBV - Grube Maria in Mariadorf
(6)