Süchteln, Katholische Pfarrkirche St.
Franziskus
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Am 9.
September 1852 wurde auf einem von Landwirt Franz Schmitz zur
Verfügung gestellten Gelände in Vorst ein schlichtes Holzkreuz
errichtet, das 1864 zum Missionskreuz bestimmt wurde, wegen Schäden
1889-93 jedoch durch eine Marien-Kapelle ersetzt werden
musste.
Der durch
die Industrialisierung stark gewachsene Süchtelner Norden mit Vorst
als Mittelpunkt erreichte 1932 die Erhebung zum Rektorat. Bereits
drei Jahre zuvor war eine provisorische "Notkirche" im umgebauten
Saal der Gaststätte Hermanns an der Oedter Straße eingerichtet
worden, die bis zur Einweihung der neuen Franziskuskirche genutzt
wurde (später abgebrochen). 1951 wurde ein Kirchenbauverein
gegründet, der in der Folgezeit die Errichtung der ersten
"richtigen" Kirche in Vorst betrieb. Als Bauplatz wurde der Ort der
alten Marienkapelle an der Abzweigung der Ritterstraße von der
Landstraße (Grefrather Straße) gewählt, die folglich abgebrochen
werden musste. Die 1953 zur selbständigen Pfarre erhobene Gemeinde
konnte am 30.05.1954 die Weihe ihrer neuen Kirche
feiern.
Eine breite Stufenanlage führt in zwei Abschnitten vom
Straßenniveau zum erhöhten Plateau und weiter zum Eingang der
Kirche. Das dreiteilige Portal mit geschlossenen Holz-Doppeltüren
ist in Natursteingewände mit jeweils einem flachen Segmentsturz
eingefügt,; die drei Keilsteine tragen die Inschriften A / 1953 /
D. Darüber beherrscht ein großes Maßwerk-Rundfenster den ansonsten
schmucklosen Giebel, so dass insgesamt eine ruhige und markante
Fassade ausgebildet wird.
Die Seitenwände des Kirchenschiffs sind in breiten
Rundbogenfenstern geöffnet. Der Chor wird einseitig von Süden durch
annähernd wandhohe, schmale rundbogige Lanzettfenster
belichtet.
Das Raumbild im Inneren des großen Kirchenschiffs wird von der
Materialwirkung der Backsteinwände und den stark farbigen
Glasgemälden des bekannten Glasmalers Ernst Jansen-Winkeln aus
Mönchengladbach geprägt, von denen die drei größeren der Südwand
die Heiligen Pantaleon, Franziskus und Klemens zeigen (1959;
weitere Fenster 1961). Das Hauptschiff ist flach gedeckt, das
Seitenschiff öffnet sich zu ihm in drei weiten Rundbögen. Der Chor,
ebenso breit wie das Schiff, liegt über 1 + 5 Stufen erhöht. Über
den Eingang im Osten ist eine Orgelempore mit holzverkleideter
Brüstung gespannt. Der Boden ist mit Sandsteinplatten belegt, die
Ausstattung wurde im Laufe der Jahre erneuert (Altar) oder ergänzt,
die Glocken stammen aus 1959 und 1962. Von der ältesten Ausstattung
der 1950er Jahre sind zwei strenge Holzskulpturen des Erkelenzer
Bildhauers Peter Haak wegen ihrer künstlerischen Qualität
bemerkenswert: eine Marienstatue und eine Schmerzensmutter in der
Kriegergedächtniskapelle.
In den Kellerräumen unter der Kirche sind Gemeinderäume
untergebracht, darüber hinaus lag unter dem Chor ehemals die
Küsterwohnung.
Die Franziskuskirche in Süchteln-Vorst ist
architekturgeschichtlich zur breiten traditionalistischen Richtung
im Kirchenbau der 1950er Jahre zu zählen. Kennzeichen sind der
traditionelle Baukörper, gestaltet als rechteckiger Kubus mit
Satteldach, die Verwendung des Baumaterials Backstein und der
formale Bezug auf romanische Formen mittels Rundbögen, Flachdecke
u.ä. Noch mehr als Assoziationen an das (romanische) Mittelalter
stand dabei ein Verweis auf "Urformen" im Mittelpunkt, die sich in
großen einfachen Kuben und Flächen, klaren Begrenzungen und
unbedingte Konzentration auf Wesentliches äußerte. Vorbildlich und
stilprägend wirkten dabei gerade im rheinisch-westfälischen Raum
die Kirchenbauten Dominikus Böhms - in Vorst nachvollziehbar auch
an der markanten Giebelfassade mit Rundfenster und Portal, die so
in nicht wenigen Beispielen bei Böhm, aber auch anderen Vertretern
dieser Richtung in den 1920er und 1930er Jahren vorgeprägt ist.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die bewusste
Materialästhetik von Backstein und Holz gerade auch im Inneren,
ebenso "bodenständigen" wie handwerklichen und gleichsam
"sinnlichen" Baumaterialien. Damit einher ging folgerichtig eine
weitestgehende Reduzierung des Ornaments, so dass bisweilen
durch-aus monumental wirkende Formen und Räume entstanden. Auch das
Vorster Kirchenschiff ist hiervon nicht frei, z.B. bei der
Chorlösung. Funktional und ideell gab es direkte Bezüge zur
Liturgiereformbewegung der 1920er Jahre.
Der Kirchenbau der 1950er Jahre ist außen und innen im
wesentlichen intakt und anschaulich erhalten. Er ist als
Pfarrkirche der nördlichen Süchtelner Honschaften und
Siedlungsplätze in Vorst, Hagenbroich, Windberg etc. bedeutend für
Viersen. Aus den dargelegten wissenschaftlichen, insbesondere
architektur-, siedlungs- und religionsgeschichtlichen Gründen
besteht an seiner Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse.
Es handelt sich daher gemäß § 2 (1) Denkmalschutzgesetz um ein
Baudenkmal.