Zum Thema dieses Earthcaches
"Kies ist unser Öl" - diesen treffenden Satz prägte der Verfasser des "kleveblog", nachdem die Klever Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks folgendes zum "Raubbau des Kies am Niederrhein" aussprach: "Wir Sozialdemokraten wollen nicht zulassen, dass man uns unseren schönen Niederrhein unter den Füßen weggräbt und nach Holland abtransportiert".
Man mag zu den Auskiesungen stehen, wie man will - die Abgrabungen und der Verkauf von Sand und Kies stellen am Niederrhein einen nicht unwichtigen Wirtschaftsfaktor dar und so mancher Landbesitzer mag sich mit dem Verkauf desselben auch ein "goldenes Näschen" verdient haben ...
Gehen wir jedoch zunächst einmal weit zurück in die Vergangenheit um zu erfahren, woher der Kies überhaupt stammt und wie er entstanden ist. Zu den Ausführungen sei darauf hin gewiesen, dass ich diverse frei zugänglich Quellen genutzt habe. Zudem habe ich die freundliche Genehmigung des Diplom-Geologen Dr. Dietmar Meier erhalten, Inhalte seiner sowohl informativen, wie auch unterhaltsamen (damals noch verfügbaren) homepage nutzen zu dürfen.
Die meisten unserer heimischen Kies- und Sandvorkommen stammen aus der so genannten Quartiärzeit. Diese Epoche war geprägt von einer beginnenden merklichen Abkühlung der Nordhalbkugel der Erde vor etwa 2,3 Millionen Jahren, in der sich jedoch auch extreme Kälte- und Wärmezeiten abwechselten. Mehrfach bedeckten gewaltige Eismassen Teile des heutigen Europa, die sich von Skandinavien aus nach Süden und von den Alpen aus nach Norden vorgeschoben hatten, so auch bis an unseren Niederrhein.

Kies- und Sandablagerungen entstanden hier durch zwei verschiedene geologische Situationen:
Im eisfreien Gletschervorland wurden Gesteine durch den intensiven Frost gesprengt. Der Schutt wurde von größeren Flüssen stromabwärts transportiert und bei nachlassender Transportkraft in Form von Kies- und Sandbänken abgelagert, so auch durch den Rhein. Da sich die Flussläufe im Verlaufe der Jahrhunderte immer wieder änderten, verblieben diese Ablagerungen auch auf dem Land.
Gletschernahe Gesteine und Sande wiederum wurden aus dem Moränenschutt heraus gespült und durch das Schmelzwasser transportiert und im Vorland wieder abgelagert. Auch diese situativen Begebenheiten finden wir am Niederrhein wieder.
Hier kehren wir nun wieder in die Gegenwart zurück, in der diese Kies- und Sandvorkommen, als mineralische Rohstoffe und die daraus gewonnenen Produkte, eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören nicht nur Kies und Sand allein, sondern auch Natursteine, Kalk, Gips, Zement oder Ton, die für das Hoch-, Tief- und Straßen- und Gleisbaugewerbe eine wichtige Rolle spielen (ca. 95% der abgebauten Kiese und Sande). Weiterhin werden die Mineralien auch zu zahllosen Produkten des täglichen Bedarfs in der Glas- und Keramikindustrie verarbeitet, die aus unserem Leben ebenso wenig wegzudenken sind, wie z. B. Glas oder Computerchips (ca. 5%). Statistisch gesehen verbraucht jeder Bundesbürger mehr als 600 Tonnen dieser Rohstoffe in seinem Leben. Dies entspricht vom Volumen her einer 200 Meter hohen Säule mit einem Quadratmeter Durchmesser.
Das Problem liegt darin, dass diese Lagerstätten natürlich nicht überall vorhanden sind, sondern meist in Gebieten rund um die eiszeitlichen Flusstälern, so eben auch bei uns am Niederrhein. Über 70% der in NRW abgebauten Kiese und Sande stammen aus diesem Raum. Ein Teil davon wiederum wird von niederländischen Firmen ausgekiest und / oder in die Niederlande exportiert.
Gewonnen werden die Kiese und Sande derzeit aus über 5000 Abgrabungsstätten (gesamte BRD) im Trocken- und Nassabbau, d. h. entweder wird oberhalb oder unterhalb der Grundwasserlinie ausgekiest. Da der Grundwasserspiegel in den ehemaligen Flusstälergebieten jedoch meist sehr hoch steht, erfolgt 2/3 der Gewinnung im Nassabbau. Dies zieht bei den vertrauten Landschaftsbildern natürlich erhebliche Veränderungen nach sich, in dem sich Flächen, die meist vorher landwirtschaftlich genutzt wurden, in Seenlandschaften verwandeln.
So steht der Abbau heute immer mehr im Kreuzfeuer von Ökonomie und Ökologie und stößt vor Ort immer auf Widerstand, so aktuell wieder bei einer als Abgrabungsstätte vorgesehenen Fläche von fast 100 Hektar Größe in Bedburg-Hau im Bereich B9/Querallee, wegen der schon politische Köpfe rollen mussten.
Dennoch wurde nach langem Kampf mittlerweile auch von Naturschutzbefürwortern festgestellt, dass die zurück bleibenden Abbaugebiete neue Lebensareale für die heimische Flora und Fauna bieten, in denen sich sogar spezialisierte Arten finden lassen, die in der sonstigen Umgebung kaum Überlebenschancen hätten. Vielmehr arbeiten die Naturschützer mit den Abbaufirmen und den Kommunen Hand in Hand und entwickeln gemeinsam bereits frühzeitig Konzepte für die spätere Nutzung der zurück bleibenden Gebiete.
So entstehen heute immer mehr so genannte Renaturierungsflächen, die ganz gezielt für einen angepassten Lebensraum einheimischer Tiere und Pflanzen künstlich modelliert werden und sich dennoch harmonisch in das bestehende Landschaftsbild einfügen und auch für den Menschen einen wertvollen Erholungsraum darstellen.
Womit wir zurück wären im Renaturierungsgebiet Graefenthal und dem cache. Beides ergänzt sich auch hier sinnvoll, indem ihr durch das Studieren der Infotafeln vor Ort mehr über dieses bereits umgesetzte Projekt erfahren und gleichzeitig einen weiteren earthcache loggen könnt ...

Update 2025: Die Hauptinfotafel wurde leider abgebaut, da konkret hier mittlerweile kein Abbau mehr betrieben wird. Das ist zum einen gut für die Landschaft, weil es keine weiteren Eingriffe gibt, aber das Fehlen des Schildes führt zu einer Änderung der Wegführung und der Aufgaben ...

Hier die alte, nun abmontierte, Infotafel zur Renaturierung
Zum cache
Da ein früherer schöner multi von "Cafetante" hier leider archiviert worden ist, möchte ich euch durch diesen cache zu einem kleinen Spaziergang um einen der ehemaligen und nun "renaturierten" Baggerseen einladen - an dem sich aber immer noch Relikte aus der Warmzeit von vor 66 Millionen Jahren finden lassen. Um euch dies nähetr zu bringen, habe ich diesen Earthcache ausgearbeitet, den ihr nach dem Spaziergang (hoffentloich erfolgreich ;-) loggen könnt. Die gesamte Wegstrecke vom Parkplatz Kloster Graefenthal (heute auch: Gut Graefenthal) bis dort hin zurück beträgt etwas über 3 Kilometer.
Bei den Startkoordinaten seht ihr links hinter dem Zaun eines der letzten Abgrabungsareale in diesem Gebiet. Schildert für die erste Aufgabe in kurzen Worten, was ihr seht. Was wird hier derzeit gefördert? Geschieht dies noch oberflächlich oder bereits als Tagebau in die Tiefe hinein? Was könnte, neben dem aktuell abgebauten Material, noch gefunden werden und warum würde dies erst später abgebaut werden können?
Am Wegpunkt zwei könnt ihr, wenn ihr über den See schaut, am anderen Ufer noch ein Relikt / Relikte aus der Zeit vor der Renaturierung des Gebietes erkennen, die ihr euch an Wegpunkt fünf aus der Nähe ganz genau anschauen könnt -und müsst ;-) Was befindet sich dort am naturbelassenen Ufer? Was kann es eigentlich nur sein?
Bei Wegpunkt drei findet ihr ein Schild und eine sogenannte Hörstation zum Thema "Renaturierung alter Baggerseen". Ihr könnt, durch einen Anruf bei einer der Durchwahlen, dem Text in deutscher und niederländischer Sprache lauschen. Zwar werden auch Informationen zur Thematik des Earthcaches vermittelt, diese sind aber für die Aufgabenstellungen nicht relevat und dienen nur zur Vertiefung oder Ergänzung.
Auch an Wegpunkt vier gibt es ein Infoschild und eine Hörstation zu den "Neuen Landschaftsarchitekten" hier. Der Hörtext ist wiederum in deutsch und niederländisch abrufbar und für die Aufgaben zum Earthcache nicht wichtig, aber dennoch ergänzend informativ.
Wegpunkt fünf läßt euch sodann viele Millionen Jahre alten Erdboden betreten. Dreht euch einmal im Kreis und schildert wiederum kurz, was ihr seht. Warum ist das Relikt zu euren Füßen so alt und das Areal unmittelbar darum herum nicht?
Betrachtet nun näher, worauf ihr steht. Um welches Sediment handelt es sich in der Grobeinteilung? Oder liegt hier gar eine Mischung aus Sedimenten vor? Begründet eure Feststellung, warum ihr genau dieses Sediment hier findet, das andere aber nicht? Wenn ihr der Ansicht seid, es handele sich um eine Vermischung, begründet auch dies. In welcher Körnung findet ihr das / die Sedimente hier vor? Gebt den Begriff aus den Einteilungen und die ungefähren Größen an.
Zur Veranschaulichung und Unterscheidung der verschiedenen Sedimente können die folgenden Abbildungen helfen:

Kies-Sand-Gemisch Sand - 0,063 - 2,0 mm
Feinsand - 0,063 - 0,2 mm, Mittelsand 0,2 - 0,63 mm, Grobsand 0,63 - 2,0 mm


Feinkies - 2,0 - 6,3 mm Mittelkies - 6,3 - 20 mm

Grobkies - 20 - 63 mm
Am Wegpunkt sechs trefft ihr einmal mehr auf eines der Schilder "Landschaftschutzgebiet". Darunter ist jedoch ein weiteres angebracht. Es ist unter anderem zu lesen, dass in der zuvor rein bäuerlichen Kulturlandschaft ein naturnahes Bioptop durch die Renaturierung entstanden ist. Der Vorgang, der dazu ursächlich zu der späteren Renaturierung führte, ist mit einem einzigen Wort beschrieben, welches hier als Antwort gesucht ist.
Der Weg führt euch sodann weiter um den Baggersee zurück Richtung Parkplatz. Ihr kommt dabei, je nach Wegführung-/nutzung, entweder direkt an den Koordinaten des Wegpunkts "Foto Standort" vorbei oder müsst vom Hauptweg aus den kleinen Übergang über den Bach nehmen,um dort hin zu gelangen. Da die Regeln es seit 2019 wieder zulassen und leider selbst bei Earthcaches mittlerweile viel "couch-logging" betrieben wird, habe ich mich entschlossen, ein Foto als Logbedingung verpflichtend zu machen. Es sollte jemand vom Team oder ein Zettel mit dem Teamnamen daaruf zu sehen sein sowie den Standort erkennen lassen.
Die Bedingung gilt nur als erfüllt, wenn das Foto eben dort aufgenommen wurde und dies auch erkennbar ist. Andere Fotos bzw. Logs ganz ohne Fotos werden gelöscht!
Ebenfalls werden Logs gelöscht, wenn nicht nach drei Tagen die Antworten übermittelt werden!
Es kann anschließend sofort gelogt werden. Das Foto bitte direkt mit zum Log hochladen, nicht zur Antwort-mail. Jeder Log muss ein Foto beinhalten, Verweise auf andere Logs sind nicht gültig. Die Antworten übermittelt ihr mir am besten über das Nachrichtenzentrum meines Profils.
Ich hoffe ihr konntet zum einen wieder etwas dazu lernen, habt zum anderen eine neues Stückchen Heimat kennen gelernt oder wenigstens einen schönen Spaziergang gehabt. Wenn das so war, würde ich mich über einen Favoritenpunkt für diesen schon relativ alten Earthcache sehr freuen :-)
Mit DANK und besten Grüßen
awema ;-)#
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