Zeitaufwand: 1 Stunden / Strecke: 2 km / Angabe:
Start-Cache
Parkplatz: 51°51,111’N / 013°36,444’E
Ein Hase hat sein Lager am Rande der großen
Waldwiese unterm Schirm einer kleinen Birke. Manchmal passt es ihm
nicht, davonzulaufen, wenn ich vorüberreite. Er hält die Ohren
steif, starrt die Stute an und verfolgt ihre Bewegungen. Ich
versteh das: Er hat keine Lust, er denkt über etwas nach, und ich
kümmere mich nicht um ihn, denn wenn ich alleine bin, benötige ich
seine Anwesenheit nicht.
Und so kam es, dass der Handelsmann Krüger aus Berlin nach seiner
Ankunft auf Bahnhof Uckro sich nun mit einer Kutsche auf den Weg in
Richtung Rochau machte. Bei den oben angegebenen Koordinaten
begegnete er Förster Matt. Im Bericht vom Förster zu den
Geschehnissen hieß es später: " Wenn ich aber mit Besuch durch den
Wald Reite kann's heißen: "Hasen habt ihr hier wohl nicht?" Und so
fragte auch der Berliner! Dann reite ich an der Waldwiese
sechshundertdreiundsechzig Meter nach Westsüdwest geradewegs auf’s
Lager meines VERTRAUENSHASEN zu, und er springt heraus, und so
geschah es auch mit dem Berliner, der schrie: "Herrlich, ein
Hase!"
Ich weiß natürlich, wo sich mein Hase jetzt versteckt hat, stöbere
ihn auch in seinem nächsten Versteck vierhundertsiebenundvierzig
Meter südsüdöstlich unter dem Kirschbaum auf, und der Berliner ist
entzückt: "Da, wieder einer!"
Und wenn ich den Hasen aus seinem dritten Versteck nach
zweihundertsechsundsechzig Metern WSW’lich und dem vierten Versteck
nach weiteren sechshunderteinundsiebzig Metern Richtung WzS
scheuche, heißt's: "Noch einer!" und: "Noch einer!"
Dann wird's dem alten Hasen zu albern. Er schlägt einen großen
Kreis und rennt zum ersten Lager zurück. Meine Besucher aber sind
zufrieden und sagen: "Na, Hasen habt ihr hier noch und noch."
"Soviel wir wollen", antworte ich Schmunzelnd. Und eben so war es
mit dem Berliner! Als wir den Hasen das letzte mal sahen, einen
Kilometer von der Stelle entfernt an der wir ihm das erste mal
begegneten, sprang der Berliner übermütig vom Wagen und versuchte
den Hasen mit den Händen zu fassen. Hier verabschiedeten sich die
beiden und gingen ihrer Wege.
Und der Berliner sah den Hasen sogar noch ein weiteres mal und da
Bemerkte er, das er seine Brieftasche verloren hatte, wohl an der
Stelle an der er vom Wagen gesprungen war und nach dem Hasen
greifen wollte. Er kehrte um fuhr die knapp sechshundert Meter
zurück nach Norden, konnte aber im Gras und zwischen den Steinen
nichts finden. Zum Glück war nur etwas Handgeld drin, um den
Kutscher auszubezahlen. Den Großteil aus der Brieftasche hatte er
ja schon abgelegt. Und das wirklich große Geld hatte er im
doppelten Boden seines Reisekoffers, um es später zu
verstecken.
(Frei nach: Erwin Strittmatter, "Schulzenhofer Kramkalender",
"Hasennarretei", Aufbau-Verlag 1967)