Die Kölner nannten ihn liebevoll ,,die Baach" — weiblichen Geschlechtes und doch so gänzlich ohne jedes weibliche Attribut. Denn ,,die Baach" stank zum Himmel, verschmutzt durch trübe Abwasser, eine ekelerregende Kloake - Der Duffesbach. Unter dem Bachtor floss er in die Stadt. Und da war er auch noch sauber - quellfrisch, wie er aus dem Vorgebirge kam. Doch hinter dem Bachtor, das auch Pantaleonsmühle oder Neumühle genannt wurde, verwandelte der Wasserlauf sich immer mehr in einen Kanal. Auf den ersten Metern trafen sich noch die Hausfrauen beim Waschen am Bach, dahinter bearbeiteten die Gerber ihre Felle im Wasser, und schließlich wurde der Duffesbach als Kanal missbraucht, bevor er am Filzengraben in den Rhein floss. Auf diesem Weg durch die Stadt aber hatte er vielen zu Geld, ja zu Reichtum verholfen. Die Gerber nämlich zählten zu den wohlhabendsten Leuten in Köln. Der Geschichtsschreiber Ernst Weyden schildert sie um 1850 folgendermaßen; ,,Hier hausen und schaffen die Rothgerber und das kölsche Sprichwort sagt nicht umsonst „Stinkig Fellche, klinkig Geldche“ Es stank also hinter dem Bachtor und das besonders, wenn „ die Baach" mal saubergemacht und der Schlamm und Schmutz um einfach auf die Straße geworfen wurden. Der Dichter Laurenz Kiesgen spricht schönfärberisch von einem ,,eigentümlich Windchen und Gedüft". Im Hause Kiesgen waren die Gerber dennoch beliebt. Von der verbrauchten, getrockneten Lohe - eine Gerberpflanze — holte sich die Familie ganze ,,Kuchen", um damit den Ofen anzuheizen. Die Lohe war aber auch noch zu anderen Zwecken gut. Kiesgen erzählt: Als Hendrik KooIen von der Safriangerberei krank darniederlag, wurde die ganze Straße mit Lohekuchen bestreut, damit die weiche Unterlage den Karrenlärm auffange und den fiebrigen Kranken nicht aufrege. Das muss in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein. Für die Pantaleonsmühle hatte der Duffesbach kaum Bedeutung. Sie war eine Windmühle, die im 18.Jahrhundert 30 Meter hoch auf das Tor der Stadtbefestigung aus den Jahren um 1240 gebaut worden war. Damals gab es zahlreiche Mühlen in Köln. Allein auf der Stadtmauer noch die Mühle auf der Ulrepforte, die Gereonsmühle und die Bottmühle. Schon 1392 war die erste Kölner Mühle auf dem Neumarkt errichtet worden. Die meisten aber schwammen auf dem Rhein: 35 waren es im Mittelalter. Unter Ausnutzung der FIußströmung wurde hier das Mehl für die Stadt gemahlen. Als die Bevölkerung jedoch immer mehrwuchs, reichten diese Mühlen nicht mehr aus, die neue Dampfkraft musste herhalten. Am 3. März 1847 wird im Bericht des Hafenkommissars festgehalten, dass in der Nacht die letzte Rheinmühle im Sturm gesunken war. So baute im Jahr1850 der Getreidehändler Heinrich Auer in Nippes die erste Dampfmühle. Seine Söhne Jakob und Karl gründeten 1909 die Auer—Mühle am Deutzer Hafen — die es bekanntlich heute noch gibt. Die Mühlen auf der Stadtmauer wurden von der Stadt Köln verpachtet. in der Kölnischen Zeitung vom 12. Dezember 1830 gibt das ,,KönigIiche OberBürgermeisteramt" bekannt: ,,Die mit dem 23.resp. 31 . d. M. pachtlos werdenden städtischen Mühlen, nämlich: die Pantaleons— oder Neumühle , seither verpachtet an Witwe Broicher für 317 Thaler, 18 Sgr., 9 Pf . . . sollen am 21. d. M. Vormittags elf Uhr, unter den vom 16. d. M. an, auf dem Stadt. Sekretariat zu Jedermanns Einsicht offen liegenden Bedingungen auf anderweite neun Jahre zur Öffentlichen Verpachtung ausgesetzt werden." Vier Jahre später verkaufte die Stadt die Mühle für 5500 Taler. Ein schlechtes Geschäft. Denn schon 1883 kaufte sie sie für 19000 Mark wieder zurück. Dabei war die Mühle 1860 völlig ausgebrannt und musste auch im Jahr des Rückkaufs abgerissen werden. Der Name Duffesbach kommt übrigens vom Wort ,,Tuif", also vom Tuffstein. Daraus wurde in Mühlen am Bach weit vor der Stadt Trass gemahlen. Dem Lauf des Duffesbaches entsprachen die Straßennamen, angefangen vom Weidenbach, über Rothgerberbach, Blaubach bis zum Mühlenbach.
Kölsche Orginale: Doctor Schabaudewing
Melchior Bauduin 1797 - 1880
Wundarzt und Geburtshelfer Ein staatliches Examen als Arzt hat er nie gemacht, deshalb blieb ihm die "innere Medizin" lebenslang versagt. Als Wundarzt und Geburtshelfer ohne eigene Praxis fand der Sohn eines städtischen Beamten jedoch eine Anstellung als Anstaltsarzt im Frauengefängnis "Bleche Botz" in der Schildergasse. Möglicherweise hat die Bekanntschaft mit den dort einsitzenden "Damen" bewirkt, daß er bis an sein Lebensende Junggeselle blieb. Denn die persönlichen Schicksale seiner Schutzbefohlenen, für die der fromme Kirchgänger nicht nur Arzt, sondern auch Beichvater war, gingen ihm sehr nahe und so zog er das Alleinsein vor. In der selbstgewollten Einsamkeit entwickelte Melchior Bauduin dann allerdings eine Vorliebe für Hochprozentiges, die ihm schon bald und folgerichtig den Namen "Doctor Schabaudewing" eintrug. Denn edel, wie er nun einmal war, "verordnete" er auch seinen Patienten - Bürger der unteren Einkommensschichten, die sich keinen "richtigen" Arzt leisten konnten und die er in ihren Wohnungen behandelte - seine "Goldtröpfchen". In Kölns Straßen war Bauduin bei jung und alt bekannt und beliebt, Sommer wie Winter trug er einen zylinderähnlichen Hut. Jedoch nicht an der Stelle, die für die Kopfbedeckung eigentlich gedacht war. Vielmehr hielt Bauduin die Kopfbedeckung stets in der rechten Hand, während er einen Regenschirm, der zweckentfremdet als Spazierstock Verwendung fand, in der anderen Hand trug. . |