Frauensteiner Dockenkelter
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Diese Kelter steht am Ortseingang von Frauenstein aus Richtung Walluf/Schierstein/A66 kommend. Also ein echter Drive-in!
Keltern
Fast könnte man sie die „Dinosaurier des Maschinenbaus” nennen, jene mächtigen, hölzernen Weinpressen oder Keltern von einst.
Seit dem 16. Jahrhundert bevorzugten die Winzer die Dockenkeltern, für deren Konstruktion weniger Raum und nur 5 Eichenstämme benötigt wurden. In zwei Unterbäumen waren die aufrecht stehenden Seitenbäume oder Docken eingefügt, die wiederum den schweren Oberbaum trugen. In letzteren wurde mit einem gewaltigen Bohrer ein Gewinde eingeschnitten, das die hölzerne Pressspindel aufnahm. Wegen der geringeren Reibung wurde die Spindel aus Kirsch- oder Nussbaumholz hergestellt. Sie endete unten in einem viereckigen Klotz („Laterne”) mit 4 Löchern, in welche zum Drehen der ca. 5 m lange Kelterbaum aus zähem Eschenholz eingesteckt wurde. Die Spindel drückte auf einen starken Pressbalken (die „Pfann” oder „Wutz”) aus Rüster- oder Ulmenholz, der auf der mit Bohlen bedeckten Traubenmasse lag. Da das Gewinde der Holzspindeln bei hohem Druck oft ausbrach, baute man seit dem 18. Jahrhundert vermehrt geschmiedete Eisenspindeln mit Ratsche ein. (Pressdruck von ca. 200 atü)
Eine sachgerecht konstruierte Dockenkelter bestand also aus fünferlei Holz und war eine recht kostspielige
Anschaffung. Wie aus Abrechnungen der kurfürstlichen Burg in Eltville aus dem Jahre 1449 hervorgeht, waren 46 Männer allein mit dem Herbeischaffen der schweren Stämme beschäftigt. Auch heute würde der Neubau einer Dockenkelter mehr als hunderttausend Mark kosten.
Die meiste Zeit des Jahres stehen die Keltern tatenlos still, doch während der Weinlese arbeiten sie Tag und Nacht. In den Holztrog (das „Biet”) einer „Stückkelter” wurden 1800 kg Trauben gefüllt, die zuvor mit Mosterkolben, später mit Traubenmühlen zur „Maische” zerkleinert wurden. Auf die Traubenmasse kamen zum Druckausgleich zwei Eichenlatten („Kelterknechte”) und darüber als „Laufhölzer” starke Kiefernbohlen, die mit eichenen Kelterhölzern versteift wurden, auf denen der Pressbalken, die „Wutz” ruhte. Anfangs galt es die Spindel behutsam festzudrehen, damit die saftige Traubenmasse nicht aus dem Biet herausquoll. Der erste Most, der als „Vorlauf” aus dem Biet durch einen Weidenkorb als Sieb in die Vorstell- oder Kelterbütte rann, hatte die beste Qualität. Mit der Zeit wurde die Ausbeute geringer und lief hell und klar von der Kelter, wenn die Spindel mit dem Kelterbaum, der durch das Kelterseil mit einer Winde (dem „Tummelbaum”) verbunden war, fester zugedreht wurde. Doch auch hier galt es Maß zu halten, damit Kelterbaum und Spindel nicht zerbrachen. Schließlich wurde nach einigen Stunden die Kelter wieder geöffnet und der zusammengepresste Traubenkuchen („Secker”, aus dem Französischen seche = trocken) mit einem großen, spatenähnlichen „Seckermesser” um eine Hand breit an den Rändern beschnitten. Diese Abschnitte wurden mit der Hand aufgelockert („gescheitert” oder „geriwwelt”)), auf dem Presskuchen verteilt und dann nochmals gepresst. Geizige Winzer wiederholten den Pressvorgang bis zu viermal, um auch das Letzte aus den Trauben herauszuholen. Das war aber wenig klug, weil schließlich die Stiele („Rappen”) und Kerne der Trauben zerquetscht wurden und deren Bitterstoffe in den Wein gelangten. Besser war es da schon, es nur bei zwei Pressvorgängen zu belassen und danach den aufgelockerten Traubenkuchen (Trestern) in Wasser einzuweichen, um daraus später einen passablen Haustrunk („Bubbes” oder „Leier”) für das Gesinde zu bereiten. Es dauerte etwa 12 Stunden, um einen „Aufschütt” von 1800 kg Trauben, die ca. 1200 Liter Most (= 1 Stückfass) ergaben, auszupressen. Der Geisenheimer Gutsbesitzer Freiherr von Forster empfahl 1765 in seinem klugen Weinbuch, „gegenüber den Küfern an der Kelter mit einem guten Trunk Weines nicht zu sparsam zu sein, indem diese (durch umsichtiges Keltern) alles zehnfach einbringen konnten”. Ferner riet er, des Nachts nur mit Kerzen, nicht aber mit einer Öllampe an der Kelter zu hantieren, da schon wenige Tropfen verschütteten Rüböls den ganzen Wein verderben könnten.
Vor etwa 100 Jahren kamen eiserne Keltern auf den Markt, die noch nach dem Spindelprinzip und später hydraulisch arbeiteten Diese waren schneller und bequemer zu bedienen, hatten aber auch einen wesentlichen Nachteil, denn die aggressive Weinsäure griff das Metall an. Das im Wein gelöste Metall führte später zu Trübungen, dem „schwarzen Bruch”, so dass eigens Schönungen des Weines erforderlich wurden. Bei den hölzernen Keltern war dies nicht der Fall. Vielmehr hatten diese noch einen weiteren Vorzug: der langsam abfließende Most hatte weniger Traubanteil an Fruchtfleisch und blieb reintöniger. Freilich kam es bei der längeren Presszeit zu einer erhöhten Oxydation des Mostes durch die Berührung mit Luft, aber die holzgepressten Moste kamen auch freudiger ins Gären.
(Notizen aus dem Rüdesheimer Stadt-Archiv)
Zum Cache:
Bitte sucht und loggt diesen Cache möglichst unauffällig, da hier mit erhöhtem Muggelaufkommen zu rechnen ist. Diese Muggels sind zudem – verständlicher weiße - sehr aufmerksam, da hier schon des Öfteren Schilder und Handwerkskunst geklaut wurden!
Additional Hints
(Decrypt)
Hagra, rf jne rvazny zntargvfpu