Ein großer Lindenbaum bildet seit
vielen Jahrhunderten eine natürliche Grenzmarkierung zwischen den
beiden Windecker Ortschaften Dattenfeld und Dreisel. Experten
schätzen, daß hier schon um das Jahr 1600 herum eine Linde
gestanden haben muß, die den östlichsten Punkt des Ortes
"Dateleveld" markierte.
Ungefähr im Jahre 1630 erhielt die Linde ihren einprägsamen Namen,
denn ein sehr dunkles Zeitalter hatte seinen Schatten auf weite
Teile Europas geworfen. Der dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648)
sorgte indirekt dafür, daß sich nun Krankheiten ausbreiten konnten,
die bis dahin vorrangig in den dichter besiedelten Städten bekannt
waren. Denn nicht nur die Armeen des Krieges zogen nun durchs Land,
mit den Soldaten drang auch "der schwarze Tod" – die
Beulenpest – bis in die letzten Winkel der noch recht dünn
besiedelten Landstriche vor. Gegen die ursprüngliche
Nagetierkrankheit, die erst durch den Rattenfloh auf den Menschen
übertragen wurde, gab es kein Heilmittel und innerhalb kurzer Zeit
wurde ein Großteil der Bevölkerung dahingerafft. In vielen Gegenden
wurde im Laufe von wenigen Jahren die Bevölkerung um gut ein
Drittel dezimiert, besonders alte Menschen und Kinder konnten der
Epidemie nichts entgegensetzen. Innerhalb der Grenzen der heutigen
Gemeinde Windeck sind zu dieser Zeit sogar ganze Ortschaften für
immer von der Landkarte verschwunden, wie zum Beispiel die Dörfer
"Augebich" und "Pattscheid", die zwischen der heutigen Ortschaft
Ohmbach und dem
Heilbrunnen gelegen haben sollen.
Schnell erkannte man die hohe Ansteckungsgefahr der Seuche und da
der sich mitten im Ortskern befindliche Friedhof des
Siegtaldoms sowieso schnell überfüllt war, wählte man ein am
Ortsrand liegendes Feld aus, um es als Pestfriedhof zu nutzen. Die
sogenannten "Pestknechte" zogen mit ihren Karren durch die Dörfer,
um die von den dunklen Beulen entstellten Toten im wahrsten Sinne
des Wortes einzusammeln. Als "Beerdigung" konnte man das Entladen
der Leichen in den Massengräbern der Pestfriedhöfe nicht mehr
bezeichnen...
Zwischen 1634 und 1636 hatte die Epidemie in Dattenfeld ihren
Höhepunkt erreicht. In den Kirchenbüchern wurden alleine im Jahre
1636 324 Todesfälle im Sterberegister verzeichnet, die durch die
Pest begründet waren. Um Durchreisenden schon aus weiter Ferne ein
Zeichen zu geben, den Pestfriedhof weiträumig zu umgehen, stand
hier damals nur ein einzelner Baum: die
Pestlinde.
Auch nach dem Ausklang der
Pestepidemie wurden hier noch Menschen beigesetzt, vorrangig
auswärtige Soldaten. Ein Schriftstück vom 28. Dezember 1643
berichtet zum Beispiel davon, daß "...zu Wilberhoven wurden
abends um 10 Uhren erschossen drei Soldaten namens Peter ...,
Johann, ein Korporal zu Pferde, der dritte namens Heinrich ..., von
einer starken Partie Hachenburgischer und Seynscher Völker, und
wurden auf dem Kirchhof bei der Linden begraben.".
(Quelle: "800 Jahre Burg Windeck",
1974, S. 22)
Das Foto von ca. 1935 zeigt die
ursprüngliche Pestlinde, die leider 1948 einem starken Sturm
zum Opfer fiel. Aber schon ein paar Jahre später wurde am selben
Ort als Andenken eine neue Linde
gepflanzt.
Wie
es dort jetzt aussieht?
Kann man heute noch erahnen, daß es in ganz Windeck vor vierhundert
Jahren kaum einen anderen Ort gegeben haben kann, der die Menschen
deutlicher an Tod, Leid und Verderben erinnerte?
Oder ist daraus ein nettes Fleckchen geworden, an dem man mit Blick
auf die
Burg Windeck ein kleines Picknick halten könnte?
Das müßt ihr selbst heraus finden...
Viel Spaß mit diesem Cache wünscht

(eventuellen Moralaposteln sei
gesagt, daß dieser Cache in keinster Weise die Totenruhe
stört)