Boromir der
Bücherwurm
Vor langer, langer Zeit lebte Boromir ein recht gemächliches
Leben als gewöhnlicher Bücherwurm in der Bibliothek von
Alexandria.
Er lebte in der Abteilung „Ägyptisches Recht der dritten Dynastie“
(zugegebenermaßen ein recht trockenes Thema, was wohl auch am
Zustand der Papyrusrollen lag) in einer Schriftrolle mit
Bestimmungen zum Bau der ersten Pyramide als
Beisetzungsstätte.
Damals waren Bücherwürmer noch längst nicht so bekannt wie heute,
und so wohnten Boromir und seine Sinnesgenossen unbehelligt von den
Bibliotheksbesuchern in den weniger bekannten Schriften.
Bücherwürmer wechseln ihre Behausung regelmäßig, wenn sie diese
ausgelesen haben. Ausgelesene Bücher oder Schriften werden
allerdings nicht achtlos fortgeworfen, sondern in einem großen
Festschmaus aufgegessen.
In einer Sache unterschied sich Boromir jedoch schon immer von
den anderen Bücherwürmern: Musste es mit dem Lesen schnell gehen
oder war ihm die Lektüre schlicht und einfach zu langweilig, dann
fraß er das Buch direkt und wusste augenblicklich genauestens über
den Inhalt bescheid. Allerdings war ihm das normale Lesen lieber,
denn vorher nicht ausgelesene Bücher lagen ziemlich schwer im
Magen.
Eines Nachts, die ansässigen Bücherwürmer feierten gerade mal
wieder eines ihrer regelmäßigen Lesefeste, fühlte sich Boromir
ungewöhnlich müde und verabschiedete sich schon früher als
gewöhnlich von den anderen.
Auf dem Weg zu seiner Schriftrolle kam er an dem alten
Bibliothekar vorbei, der fast jede Nacht in Schriften vertieft bei
Kerzenschein in der Bibliothek zubrachte. Diese Nacht lag er wie so
oft friedlich schlafend zusammengesunken über einem Buch. Boromir
lächelte im Vorbeikriechen, denn er freute sich immer wieder, wenn
es Menschen gab, denen Bücher so viel bedeuteten wie ihm, darum
hatte er den Alten lieb gewonnen.
Grade als er in sein Papyrus schlüpfen wollte, hörte er ein
Geräusch. Er drehte sich um und sah, dass der Schlafende sich
streckte.
Aber oh Schreck! Mit dem Unterarm stieß er dabei an die Kerze, die
auf den Boden fiel und immernoch brennend bis zum ersten Regal
rollte.
Boromir musste mit Grauen ansehen, wie die erste Schriftrolle Feuer
fing.
Nach einem kurzen Moment der Regungslosigkeit wusste unser
tapferer Bücherwurm, was geschehen würde. Aber er wollte nicht
tatenlos zusehen, wie die ganze Bibliothek abbrennt und so tat er
das einzige, was er mit seiner besonderen Gabe tun konnte: Er fraß
so viele Bücher wie möglich und verinnerlichte so ihren
Inhalt.
Völlig vollgefressen und benommen von dem Rauch des Feuers konnte
er sich kaum noch bewegen. Und wären nicht die anderen Bücherwürmer
so mutig gewesen, ihn und den alten Bibliothekar aus den Flammen
herauszutragen, so wäre wahrscheinlich alles umsonst gewesen.
Niemand konnte sich hinterher erklären, warum der Alte VOR und
nicht IN der Bibliothek bewusstlos aufgefunden wurde, denn die
Bücherwürmer hatten schnell wieder das Weite gesucht.
Durch diese Überdosis von Büchern wuchs Boromir über die Jahre zu
einem verhältnismäßig großen Bücherwurm heran, weshalb es ihm
schwerfällt, sich in Bibliotheken zu verstecken.
Nach dem Bibliotheksbrand wusste Boromir lange Zeit nicht, wohin,
denn für eine Bücherwohnung war er schon kurz nach dem Brandfall
viel zu groß.
Doch durch Umstände, die zu kompliziert sind, um sie an dieser
Stelle zu erklären, traf er auf Feodor von Flatterich, der ihn in
seinem Schloss aufnahm und ihn in seiner Privatbibliothek wohnen
ließ.
Aber schon nach kurzer Zeit hatte Boromir dort alle Schriften
auswendig gelernt und fing an, sich zu langweilen.
Herr von Flatterich, der mal wieder kurz vor dem Flug nach
Wuppertal in seine Ferienwohnung stand, kam eine tolle Idee: Ihm
fiel ein, dass an der Schule von Zerberus dem Zyklopen ein Lehrer
für Literatur und Geschichte gesucht wurde.
So nahm er Boromir mit dorthin, dieser bewarb sich und bekam den
Job.
Bezahlt wird er mit alten Büchern aus dem Schulbestand, aus denen
er noch viel nützliches lernen kann.
So suchte sich auch Boromir eine Wohnung in Wuppertal, in der er
genug Platz für seine Bücher hat.
Doch da die Kommunikation zwischen Bücherwürmern und Menschen nach
wie vor ziemlich schwierig ist, weiß kaum ein Mensch um Boromirs
wertvolles Wissen um die verschwundenen Schriften aus der
Alexandrinischen Bibliothek.
Doch vielleicht könnt Ihr ihm das ein oder andere Stückchen Wissen
entlocken...
Wenn Ihr ihn besuchen möchtet, nehmt am Besten ein Pixibuch mit,
denn unser Bücherwurm hat dort nicht nur seine Wohung, sondern auch
eine Büchertauschbörse für Pixibücher eingerichtet.
Andere Gastgeschenke sind überflüssig, einzige Ausnahmen: Andere
kleine Bücher, die in die Wohnung passen und natürlich Coins und
TBs auf der Durchreise.
Bitte wieder so tarnen wie vorgefunden, danke!
Happy Hunting wünscht das Team opsometha