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Dem Denken eine Grenze ziehen Traditional Cache

Hidden : 1/22/2010
Difficulty:
1 out of 5
Terrain:
1.5 out of 5

Size: Size:   small (small)

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Geocache Description:


Ludwig Wittgenstein, österreichischer Industriellensohn, Erfinder, Aussteiger, Philosoph, Architekt und Professor, hat sein Erstlingswerk, den "Tractatus logico-philosophicus" im Sommer 1918 fertig gestellt.
In den Jahren 1921/22 wurde diese Abhandlung schließlich veröffentlicht. Zu dieser Zeit arbeitete Wittgenstein bereits hier in Trattenbach als Volksschullehrer.
Aus diesem Grund wurde 1989 von der Gemeinde Trattenbach und der Ludwig-Wittgenstein-Gesellschaft ein Gedenkraum in Wittgensteins erster Unterkunft neben dem ehemaligen Gasthaus "Zum braunen Hirschen", sowie ein spezieller Rundwanderweg eingerichtet.

Natürlich kann man bis zur Dose fahren :-(

Wahre Wittgenstein-Fans hingegen parken beim Gemeindeamt und folgen nach einem Besuch der Ausstellung den Spuren ihres Idols bei seinem täglichen Spaziergang zum Trahtbauern.
Entlang dieses "Wittgenstein-Wanderweges" findest du Ausschnitte aus seinem "Tractatus". Wenn du sie nicht verstehst, tröste dich mit Wittgensteins eigenen Worten:
"Niemand wird meine Gedanken durch bloßes Lesen begreifen, doch eines Tages wird sie jemand eigenständig durchdenken und sich sehr darüber freuen, dass er sie in diesem Buch exakt formuliert findet ..."


Titelseite des Tractatus


Wittgenstein Wanderweg 2010


 Anekdoten aus der Zeit als Lehrer in Trattenbach

Wittgenstein wurde ursprünglich vom Bezirksschulrat Neunkirchen eine Schule in Maria Schutz zugewiesen. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Schule entdeckte er allerdings einige Dinge, die ihm nicht gefielen. Daher stellte er sich dem Schulleiter von Maria Schutz mit folgenden Worten vor:
"Guten Tag, mein Name ist Wittgenstein, ich bin Ihrer Schule zur Dienstleistung zugewiesen und eines sage ich Ihnen gleich, ich kann den Dienst nicht antreten. Ich habe hier einen Springbrunnen und einen Park gesehen, das ist nichts für mich, ich wünsche ganz ländliche Verhältnisse."
Der Schulleiter, Oberlehrer Mardah, reagierte darauf trocken:
"Da gehen Sie am Besten nach Trattenbach, dort haben Sie das alles."
Und so wanderte Wittgenstein unverzüglich nach Trattenbach und wurde dort in weiterer Folge als Lehrer aufgenommen ...

Hier fühlte er sich anfangs wohl. Einsamkeit und Arbeit, ungestörtes Fürsichsein und nützliches Tun entsprachen seinem Naturell, was er auch im Oktober 1920 an den befreundeten Architekten Paul Engelmann schrieb:
"Ich bin jetzt endlich Volksschullehrer und zwar in einem sehr schönen und kleinen Nest, es heißt Trattenbach. Die Arbeit an der Schule macht mir Freude und ich brauche sie notwendig ..."
Seine Ansicht über Trattenbach veränderte sich allerdings rapide und nur ein Jahr später schrieb er dem vertrauten Philosophen Bertrand Russell:
"Bei mir hat sich nichts verändert. Ich bin noch immer in Trattenbach und bin nach wie vor von Gehässigkeit und Gemeinheit umgeben. Es ist wahr, dass die Menschen im Durchschnitt nirgends sehr viel wert sind, aber hier sind sie viel mehr als anderswo nichtsnutzig und unverantwortlich. Ich werde vielleicht noch dieses Jahr in Trattenbach bleiben, aber nicht länger, da ich mich hier auch mit den übrigen Lehrern nicht gut vertrage ..."

Einer dieser Lehrer, Georg Berger, berichtete über Wittgenstein:
Zuerst wohnte er in einen kleinem Zimmer im Nebengebäude des "Braunen Hirschen". Bald nach seinem Einzug gab es dort Tanzmusik. Der grölende Gesang und das Trampeln der angetrunkenen Bauern war ihm zu viel. Er stürmte auf und davon, kam zu mir und bat um Quartier. Später schlug er in der Schulküche sein Lager auf. Dann zog er in die kleine Dachkammer über dem Gemischtwarenladen des Kaufmanns Scheibenbauer.
Er wollte möglichst primitive Kost. Die holte er sich täglich bei den Traht's, einer der ärmsten Bauernfamilien der Gegend. Sein Abendessen bereitete er sich in seinem Zimmer zu. Die meisten seiner Lieblingsschüler aßen irgendwann bei ihm zu Abend und jeder erzählte die selbe graußliche Geschichte:
Wittgenstein erhitzte Kakao, Haferflocken, Milch und unbekannte Ingredienzien in einer Art Dampfkochtopf. Dieser Topf wurde nie gewaschen. Die Reste trockneten ein, verhärteten und ließen den Topf immer enger werden. Schließlich fasste er nur noch genug Kakao für eine Person.
Wittgenstein kleidete sich nicht, wie man es von einem Lehrer erwartete. Seine Kleidung war immer gleich. Ein einfaches, sauberes Hemd mit offenem Kragen, graue Hose und bei kaltem Wetter eine lederne Windjacke. Einen Hut benutzte er nur bei Schlechtwetter. Tagtäglich trug er Röhrenstiefel und ständig hatte er sein Weichselgehstöckchen bei sich, unterwegs und auch im Unterricht.

Berüchtigt war Wittgenstein wegen seiner handgreiflichen Unterrichtsmethoden wie Haareziehen, Kopfnüsse, Ohrfeigen oder Stockschläge. Eine Schülerin berichtete darüber:
"Ja, daran erinnere ich mich, weil es mir sehr, sehr unangenehm war, weil ich nicht zusammengebracht habe, was der Herr Lehrer Wittgenstein von uns verlangt hat, was er zumindest von mir verlangt hat. Dauernd, dauernd, die Korinthischen Säulen für uns zum Zeichnen. Wir haben nur radiert und wir haben nie die Säulen so zusammengebracht wie er sich das vorgestellt hat. Dann ist er schon sehr bös geworden und dann hat er uns bei den Haaren gezogen und dann war es natürlich ganz aus. Er war sehr streng, aber er war auch ein sehr guter Mensch ..."

Unter den Bauern entstand das Schreckbild eines unglaublich strengen Lehrers, der ihre Kinder unaufhörlich und erbarmungslos verprügelte. Trotzdem verbrachten die Schüler bereitwillig ihre Zeit mit diesem "Ungeheuer".
Aber auch damit zog er sich den Unmut der Bevölkerung zu, da die meisten Familien auf die stundenlange Mitarbeit der Kinder im Haus, Stall und Feldern angewiesen waren.
Schließlich versuchten die Dorfbewohner sogar erfolglos bei Gericht zu beweisen, dass Wittgenstein ihre Kinder sadistisch mißhandle.

Jedenfalls bot Wittgenstein seinen Schülern viel: Er spendete Lebensmittel und Schulmaterialien, brachte sein eigenes Mikroskop nach Trattenbach, präparierte mit den Kindern Kleintierskelette, bastelte Modelle von Dampfmaschinen, machte Schulausflüge nach Wien, publizierte sein eigenes "Wörterbuch für Volksschulen" und gab talentierten Schülern nachmittags und abends kostenlos zusätzlichen Privatunterricht.
So blieb er seinen Schülern in Erinnerung: Streng, aber doch gerecht und menschlich - sowie etwas sonderbar ...

Ende 1921 lehrte Wittgenstein kurze Zeit in Neunkirchen, Haßbach und danach in Puchberg, Später unterrichtete er in Otterthal. Dort endete auch seine Lehrerkarriere. Nach mehreren Ohrfeigen, die Wittgenstein dem elfjährigen Schüler Josef Haidbauer verabreichte, fiel dieser immer wieder in Ohnmacht. Es kam zu einem Prozess in Gloggnitz, bei dem Wittgenstein nach einer psychiatrischen Untersuchung frei gesprochen wurde. Dennoch reichte er am 26. April 1926 seinen Rücktritt ein und schied so aus dem Schuldienst aus.

Danach beschäftigte er sich zusammen mit Paul Engelmann intensiv mit der Planung und dem Bau des Wiener Stadtpalais für seine Schwester Margarethe. Aber das ist ein anderer Cache ...


Erteilung der Lehr-
berechtigung 1920


Zeugnis der Lehrerbildungs-
anstalt


Gasthaus "Zum braunen
Hirschen" 1907


"Zum braunen Hirschen"
2010


Volksschule Trattenbach
(links vorne) 1920


Volksschule Trattenbach
2010


Unterrichtsvorbereitungen
für 10jährige


Wörterbuch, erschienen 1926


Auszug eines Briefes an
Bertrand Russel

Quellen:

Ludwig Wittgenstein - Sein Leben in Texten und Bildern | Michael Nedo | ISBN 978-3518046739

Der Volksschullehrer Ludwig Wittgenstein | Konrad Wünsche | ISBN 3-518-11299-6

Wittgenstein - Ein Leben | William Bartley | ISBN 3-442-75541-7

Ludwig Wittgenstein - Ein Volksschullehrer in Niederösterreich | Elisabeth Leinfellner | ISBN 3-89702-815-8


Die Cache-Box ist ca. 14x9x3cm groß.
Berücksichtigt beim Tauschen bitte den philosophischen Charakter dieses Caches.



Additional Hints (Decrypt)

hagre qre Teramr - Ibefvpug!

Decryption Key

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M
-------------------------
N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z

(letter above equals below, and vice versa)