Das Wörther
Rebheckenmännchen
Die Trennfurter sagten den Wörthern nach, dass diese zu
Unrecht einige Rebhecken in Besitz genommen hätten,
während ein Wörther behauptete, die Hecken hätten
seit Menschengedenken zu ihrer Markung gehört. Nun sollte der
älteste Bewohner der beiden Gemeinden den Streit beenden,
indem er beschwöre, ob die Hecken von jeher Wörther
Besitztum gewesen seien oder nicht. Also ging er mit den
angesehensten Bürgern von Trennfurt und Wörth hinaus an
die Rebhecken und tat den Schwur. Er hob seine Weinberghacke gen
Himmel und sprach:
"So wahr ich lebe, und so gewiss ich die Hacke gen Himmel
richte, so gewiss stehe ich auf Wörther Boden."
Damit war der Streit gegen die Trennfurter entschieden. Allein
der Mann, der von Wörth gebürtig war, hatte Wörther
Erde in die Stiefel getan und darauf den Schwur geleistet. Er fand
nach dem Tode keine Ruhe, und an dem Orte, wo das
"Rebheckenmännchen" den Falscheid getan, muss es in der
Geisterstunde umgehen.