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Mit einem
ungewöhnlichen Kunstwerk unterstreicht die Stadt Karlsruhe ihre
Bedeutung als deutsche "Hauptstadt des Rechts": Am 2. Oktober 2005
wurde der "Platz der Grundrechte" eingeweiht, ein Kunstwerk von
Jochen Gerz für den öffentlichen Raum, das unter Beteiligung von
Rechtsprominenz, Politikern und der Bevölkerung in der Stadt der
höchsten deutschen Gerichte entstanden ist.
Der "Platz der
Grundrechte" - ursprünglich ein Geschenk zum 50-jährigen Bestehen
des Bundesverfassungsgerichts - soll ein sperriges Thema erlebbar
machen: Was bedeuten Recht und Gerechtigkeit für den Einzelnen, was
für unsere Demokratie? Die direkte Partizipation und
Mitautorenschaft der Öffentlichkeit sind ein wesentliches Merkmal
der Arbeiten von Jochen Gerz. Er lädt die Nutzer des öffentlichen
Raums ein, diesen mit ihren Stimmen und Beiträgen als Kunst neu zu
formulieren und so reale Demokratie herzustellen.
Jochen Gerz stellte
im ersten Teil der Arbeit den Karlsruher Gerichtspräsidenten,
einigen anderen Juristen, aber auch prominenten Bürgern der Stadt
Fragen über den Beitrag des Rechts zur Gesellschaft. Danach wandte
er sich mit seinen Fragen an Bürger, die mit dem Gesetz in Konflikt
gerieten, aber auch an einige, die keine berufliche oder
existenzielle Vorstellung von Recht und Unrecht hatten.
So entstanden zweimal
24 Aussagen. Je eine Antwort der beiden befragten Gruppen wurde auf
die Vorder- und Rückseite eines Straßenschilds emailliert. So
entstehen spannende, manchmal auch widersprüchliche Konfrontationen
und Dialoge. Nüchterne Feststellungen stehen neben emotionalen
Ausrufen, in denen sich höchst subjektive Erfahrungen mit Recht und
Unrecht widerspiegeln.
Das Kunstwerk ist
zentral und dezentral zugleich angelegt. Der zentrale Ort, der
"Platz der Grundrechte", befindet sich zwischen dem Karlsruher
Zirkel und Schlossplatz, auf der historischen Achse der badischen
Metropole. Der Platz wird in der Dunkelheit durch transparente,
beleuchtete Pflastersteine zwischen den normalen Steinen schwach
erhellt.
Die gleiche Zahl
Schilder wurde als zweite Version des "Platz der Grundrechte" an
ebenso vielen Orten der Stadt aufgestellt. Diese 24 dezentralen
Standorte hat die Karlsruher Bevölkerung in drei Bürgerforen
bestimmt. In der Regel stehen die Standorte für ein Ereignis aus
der städtischen Geschichte, das unterschiedliche Aspekte des Themas
Recht beleuchtet.
In der Beschreibung
zu den einzelnen Standorten ist jeweils der Text der Tafeln sowie
eine Begründung für die Standortwahl aufgeführt.
Aufgabe:
- Besuche die nachfolgende Auswahl von
20 Standorten, die im gesamten Stadtgebiet verteilt sind. Es sind
zwar Koordinaten angegeben, diese dienen aber nur der groben
Orientierung und zeigen nicht exakt auf das Schild.
- Schaue Dich dort in einem Umkreis
von bis zu 50m um und ordne die Bildausschnitte den jeweiligen
Stationen und den passenden Variablen zu.
- Berechne die Koordinaten des
Finals:
N 49° 02.(S02*S03 + S04*S05 + S06*S07 + S08*S09 -
S10*S11)
E 008° 24.(S12*S13 + S14*S15 + S16*S17 + S18*S21 +
20*S23)
Die Stationen können
je nach Startpunkt in beliebiger Reihenfolge besucht werden, wir
haben die einzelnen Punkte aber trotzdem in eine akzeptable
Reihenfolge gebracht.
Die Standorte tragen
ihre Nummern, welche sie innerhalb des Projekts erhalten
haben.
Alle Stationen sind
gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Das Schild am Bundesgerichtshof
ist nicht frei zugänglich, aber von der Herrenstraße aus sichtbar.
Nähere Informationen können der Internetseite
http://www.bundesgerichtshof.de/DE/Service/Besucherdienst/besucherdienst_node.html
entnommen werden. Für die Station im Hauptfriedhof sind die
Öffnungszeiten und das Radfahrverbot zu beachten:
08.00 bis 20.00 Uhr in den Sommermonaten
08.00 bis 18.00 Uhr in den Wintermonaten.
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Standort 23: Rüppurr, Post Südstadt Karlsruhe
e.V.
N 48° 59.077 E 008° 24.343 |
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Ungerecht finde ich es, wie man behandelt wird, weil man sich ein
einziges Mal falsch verhalten hat. Auch wenn man die Strafe schon
hinter sich hat, wird man behandelt wie einer, der sie noch
verbüßen soll. Und das wird sich nicht ändern ein Leben lang, und
das ist nicht gerecht. Am besten ist wohl, wenn man gar nichts tut
und sich still hält wie ein angekettetes Tier. Die Strafe hat
keinen Sinn, leider.
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Wenn die Polizei perfekt wäre, säßen wir sicher nicht alle hinter
Gittern. Nicht auf jedes strafbare Verhalten steht eine
Freiheitsstrafe. Viele haben etwas Strafbares getan und laufen
selbstverständlich frei herum. Sie haben vielleicht eine Geldstrafe
bekommen. Auch wer Gravierendes begangen hat, läuft in der Regel
eines Tages wieder frei herum.
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»Auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes des Postsportvereins
fand die letzte öffentliche Hinrichtung in Karlsruhe statt.«
Dr. Eberhard Fischer
S23 = ___
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Standort 21: Hauptbahnhof, Nordeingang
N 48° 59.661 E 008° 24.024 |
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Europa stößt an die neue Welt. Jedes Land ist die Grenze Europas.
Zuerst ließen die Kolonialisten die Kolonien zurück, jetzt stehen
die Kolonien vor unserer Türe. Die Schnittstellen sind nicht die
Stellen der Gerechtigkeit, sondern der Macht. Das Gegenteil unserer
Verluste wäre der Mut zum Verlust. Im eigenen Verzicht steckt die
Chance des Rechts.
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Residenz des Rechts, das ist ja nicht nur eine Marke für Karlsruhe,
sondern für die Republik. Man kann die Bundesrepublik durchaus als
die Karlsruher Republik bezeichnen. Bundesverfassungsgericht,
Bundesgerichtshof, Bundesanwaltschaft sind alle hier vereint in
einem bewussten Abstand zu Legislative als die dritte Gewalt
unseres Staates.
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»Zwischen Eisenbahn- und Zeitgeschichte bestand im 19. Jahrhundert
eine enge Wechselbeziehung. Die Eisenbahn befand sich zur Zeit der
badischen Revolution im Aufbau. Die Hauptlinie am Rhein war gebaut
und mit Hessen verbunden. Die Menschen erlebten eine revolutionäre
Aufbruchstimmung auch im technischen Bereich. Der Bau der Eisenbahn
bedeutete eine Revolution der Mobilität, die das Fundament des
damaligen wirtschaftlichen Aufschwungs war. Als Hecker bei seinem
Vormarsch in Südbaden vor Kandern stand und nicht recht weiterkam
und auch Struves Armee geschlagen war, erhielt er von einer Pariser
Freischar Unterstützung, die eilig mit der französischen Elsenbahn
bis zum Rhein herangefahren wurde. Das Militär erkannte schon von
Beginn des Bahnbaus an die Bedeutung der Eisenbahn für eine
erfolgreiche Kriegsführung. Und so verwundert es nicht, dass auch
das preußische Militär die Eisenbahn für den Transport seiner
Truppen in Richtung Baden erfolgreich einsetzte und die
Demokratiebewegung in kurzer Zelt niederschlagen konnte. Ich meine,
dass diese enge Verbindung zwischen geistiger und technischer
Revolution, die damals durch die Eisenbahn verkörpert wurde, einen
Standort für den dezentralen Platz der Grundrechte am Karlsruher
Hauptbahnhof rechtfertigt. «
Bürgermeister Ullrich Eidenmüller
S21 = ___
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Standort 4: ZKM / Bundesanwaltschaft
N 49° 00.089 E 008° 23.054 |
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Setze nicht deine Liebe aufs Spiel. Es gibt Dinge, die man nicht
reparieren kann. Die Gesetze schützen die Anderen vor mir und mich
vor mir selbst. Ich wäre schlimm ohne die Gesetze. Nur in der
Freiheit ist man geborgen, hat man die Leute um sich, die man liebt
und ist kein Tiger hinter Gittern. Ohne die Freiheit wird alles
schlimmer.
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Es wäre eine Illusion zu glauben, dass ich all das durchsetzen
könnte, was ich für rechtens halte, weil das auch immer eine Vision
ist. Auch wenn ich etwas anstrebe, weiß ich, dass es äußere
Einflüsse gibt, die ich nicht beeinflusse und die ich akzeptieren
muss und die das, was ich für rechtens halte, nicht verwirklichbar
machen.
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»Die Bundesanwaltschaft als eine der höchsten Justizorgane
Deutschlands prägt das Bild der »Residenz des Rechts« mit. Das ZKM
steht für Innovation in Karlsruhe in den Bereichen der Kunst und
Medientechnologie. Beide benachbarten Institutionen haben eine
große Öffentlichkeitswirkung für Karlsruhe. Dies soll mit der
Aufstellung eines Schildes zwischen beiden Häusern zum Ausdruck
gebracht werden.«
Prof. Peter Weibel
S04 = ___
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Standort 8: SWR Studio Karlsruhe,
Kriegsstraße
N 49° 00.341 E 008° 23.392 |
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Ich wollte alles mitmachen, alles kennen lernen, vor allem das
Verbotene. Das Verbotene zieht an, vieles geht lange gut, aber
eines Tages ist auch das längste Glück zu Ende. Das Verbotene liegt
in der Natur des Menschen. Es ist wie das Spiel. Man spielt nicht,
um zu verlieren, man spielt auch nicht, um zu gewinnen. Man spielt,
um zu spielen. Das Leben ist eine Sucht.
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Der Jurist beurteilt Jesus, Robin Hood oder Zorro als Figuren der
Überlieferung oder der Literatur. Wir kennen ihre Wirklichkeit
nicht. Sie leben für ihr Gefühl von Gerechtigkeit. Ein Idealfall,
der der Nachahmung wert ist. Als Politiker halte ich alle drei für
gefährlich. Nichts ist schlimmer als ein Politiker, dessen Ideale
nicht hinterfragbar sind.
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»Die Welt wird täglich komplizierter. Die Welt der Paragraphen
sowieso. Ständig wächst der Berg von Verordnungen, Gesetzen,
Urteilen und Meinungen. Das Begreifen der Paragraphenwelt
verständlicher für den Bürger ausfallen zu lassen - das ist das
erklärte Ziel der ARD-Fernsehredaktion »Recht und Justiz« und der
Hörfunkredaktion »Recht und Rechtspolitik« des Südwestrundfunks in
Karlsruhe. Millionen Zuschauer und Hörer werden über wichtige
Urteile des Europäischen Gerichtshofs, des
Bundesverfassungsgerichts, der obersten Gerichtshöfe des Bundes,
über Sachentscheidungen des Generalbundesanwalts und
rechtspolitische Gesetzesvorhaben aus Berlin schnell, fachkompetent
und verständlich informiert. Vertieft werden Rechtsfragen im
ARD-»Ratgeber Recht«, für den die Fernsehredaktion »Recht und
Justiz« aus Karlsruhe verantwortlich zeichnet. Die
Vermittlungsaufgabe der Medien in Bezug auf das Recht soll mit der
Aufstellung eines Schildes im Bereich des SWR-Studios Karlsruhe
gewürdigt werden.«
Karl-Dieter Möller
S08 = ___
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Standort 2: Yorckplatz
N 49° 00.427 E 008° 22.304 |
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Das Recht hat mich verändert. Ich habe den Glauben daran verloren.
Das Recht gibt es nur auf dem Papier. Ich kämpfe seit sieben
Jahren. Mir fehlt der Sinn für das, was ich erlebe, das ist die
größte Strafe. Ich kann nicht damit umgehen. Es geschieht mir am
eigenen Leib. Es ist möglich. Es ist menschlich, auch wenn ich es
als inhuman empfinde.
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Sicher kann es noch größeres Unrecht geben als das, was im Namen
eines Staates begangen wird. Produzent von Recht in der Moderne ist
aber der Staat, und wenn wir zurückblicken, ist in der Tat die
größte Gewalt oft von der Politik ausgegangen. Auch wenn die
Freiheitsrechte zum Inhalt einer Verfassung geworden sind, muss man
um sie kämpfen: nichts gilt für alle Zeit.
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»Das Recht der Freiheit zählt zu den genuinsten aller Grundrechte.
In seinem Grundwert zwar unantastbar, steht es jedoch immer wieder
im Spannungsfeld des Verhältnisses zwischen individueller Freiheit
und politischer Ordnung, aber auch im Spannungsfeld
parteipolitischer Kontroversen. Somit ist das Recht der Freiheit
ein wichtiges Messinstrument für Demokratie. Der Yorckplatz, 1933
nach dem preußischen Feldmarschall Hans David Ludwig Graf von
Wartenburg (1759-1830) benannt, sollte nach Ende der
nationalsozialistischen Diktaturals Erinnerungsort an die Opfer
politischer Verfolgung in »Freiheitsplatz« umbenannt werden.
Darüber hinaus sollten drei der Straßen, die auf ihn zu führen,
Namen von aktiven - und wegen ihres Widerstandes ermordeten -
Karlsruher NS-Gegnern tragen: August Dosenbach, Reinhold Frank,
Ludwig Marum. Gescheitert ist das Projekt an parteipolitischen
Kontroversen um den »größten« dieser Widerstandskämpfer,
»lnsbesondere, weil die Toten ... für die Fraktionen reserviert«
wurden.«
Yps Knauber
S02 = ___
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Standort 3: Gutenbergplatz, Nelkenstraße
N 49° 00.545 E 008° 22.550 |
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Die Zeit heilt keine Wunden. Die Zeit, die wir haben, ist unsere
größte Freiheit, gleich wo wir sind, die Freiheit, die uns keiner
nimmt. Die Freiheit, sich selbst zu bestimmen, ist die Veränderung,
die man erst entdeckt, wenn man sie verloren hat. Ich habe keine
Angst davor. Ich kann nicht erwarten, dass man mich entschuldigt.
Ich bin schuldig.
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Die Todesstrafe ist keine legitime Strafe. Der
Gesellschaftsvertrag, mit dem die Bürger den Staat konstituieren,
umfasst nicht, dem Staat das Recht zu geben, als Bürger über das
eigene Leben zu verfügen. Der Staat hat dieses Recht nicht und kann
es nie bekommen. Deshalb habe ich ganz fundamentale Einwände gegen
die Todesstrafe.
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»Im Bereich des heutigen Gutenbergplatzes befand sich bis 1829 ein
Schauplatz öffentlicher Hinrichtungen. Der Platz ist sehr belebt.
Er ist Mittelpunkt eines gut funktionierenden multikulturellen
Zusammenlebens von Menschen unterschiedlichster Herkunft. Der von
zwei Schulen begrenzte Platz ist einer der beliebtesten Marktplätze
in Karlsruhe.«
Alexander Heil
S03 = ___
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Standort 5: Justizvollzugsanstalt Karlsruhe,
Riefstahlstraße
N 49° 00.809 E 008° 23.147 |
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Jeder Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Richter macht sich hier zum Affen
und die volle Bürgertribüne weiß nicht, dass sie belogen wird. Gott
sei dank gibt es die Wirklichkeit, auch wenn sie hart sein kann.
Was da verloren geht, ist oft nicht beschreibbar, so klein ist es.
Der Verlust ist so intim, dass man nicht weiß, wo oder was es ist.
Und die Distanz zum Leben wird derweil größer und
größer.
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Politik ist eine Frage der Wählerinteressen. Wir sind das Volk. Wir
wollen im Rahmen der Grundrechte das realisieren, was das Volk
will. Und das muss man dann auch akzeptieren, sonst braucht man
nicht in die Politik zu gehen. So würde ich Politik definieren.
Politik ist Gestaltung innerhalb des Rechts. Aber zuviel Recht kann
die Nächstenliebe ersticken.
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»Die vorwiegend als Untersuchungshaftanstalt genutzte
Justizvollzugsanstalt Karlsruhe in der Riefstahlstraße ist eine
besonders symbolträchtige »Nahtstelle« von Recht und Unrecht, von
Gesetz und Einzelfallgerechtigkeit, von Schuld und Sühne, von
Unschuld und Unrecht. Letzteres gilt insbesondere auch für Gegner
des NS-Regimes wie etwa den Sozialdemokraten Ludwig Marum, der 1933
hier zunächst in »Schutzhaft« genommen und anschließend in das
Konzentrationslager Kislau gebracht wurde.«
Dr. Johannes Leclerque
S05 = ___
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Standort 6: Ecke Hans-Thoma-Straße /
Moltkestraße
N 49° 00.842 E 008° 23.869 |
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Wenn Sie versagen, dann kommen Sie nicht in den Genuss der Gesetze.
Das Recht verselbstständigt sich, das hat mit Strafe nichts zu tun.
Ich bin gerecht verurteilt worden, doch zu meiner Strafe gehört
auch meine Resozialisierung. Die findet nicht statt. Unsere Rechte
und unsere Gesetze sind gut, viel menschlicher muss deren Anwendung
werden.
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Wenn die Demokratie in Gefahr gerät, und das ist für uns eine Frage
des Vorfeldes, lautet mein Auftrag, wachsam zu sein und alle
Bestrebungen zu verhindern, die den Staat gefährden. Die Gefahr
kann auch von einzelnen Trägern des Staates ausgehen. Auch das ist
denkbar, und auch dann besteht die Aufgabe darin, die Gefahr zu
beseitigen.
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»An diesem Ort wurden Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei
seiner Begleiter, Wolfgang Göbel und Georg Wurster, am 7. April
1977 ermordet.«
Generalbundesanwalt Kay Nehm
S06 = ___
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Standort 7: Bundesverfassungsgericht,
Schlossplatz
N 49° 00.751 E 008° 24.112 |
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Es gibt universelle Gesetze in der Physik. Die gelten für alle.
Gibt es eine Angemessenheit? Ist es möglich, für alle einen
wünschbaren Zustand zu erreichen? Sich etwas geben, heißt es
irgendwo nehmen. Ich wünsche mir, dass abends, wenn ich zu Bett
gehe, jemand eine Geschichte erzählt und mir über den Kopf fährt.
Aber sagen Sie das keinem, dann bin ich meinen guten Ruf hier
los.
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Gleich kann man nur sein im Sinne seiner Rechte, im Sinne seiner
Mitwirkungsmöglichkeiten. Ungleich sind wir immer, was unsere
Fähigkeiten angeht. Ungleich sind wir, was unsere Talente angeht.
Auch was unser Schicksal angeht, sind wir ungleich. Also muss man
Gleichheit begrenzen auf die Rechtsbeziehungen aller
zueinander.
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»Ich habe mit meinem Vorschlag »Bundesverfassungsgericht. Ostseite«
Anregungen aufgegriffen, die bereits bei den Foren 1 und 2 eher
beiläufig gemacht worden waren. Ich habe die hierbei geäußerten
Gründe (höchstes deutsches Verfassungsgericht, Hüter der Verfassung
und des Rechtsstaates, Exponent der »Residenz des Rechts« usw.) in
meine Argumente übernommen und ergänzt mit dem Wunsch, dass das
Bundesverfassungsgericht auch als Empfänger des
»Geburtstagsgeschenks« Standort einer »Tafel« sein sollte. Ich habe
dabei - erfolgreich - für die Ostseite des Gerichts plädiert, weil
hier der Eingang für Richter, Mitarbeiter, Prozessbeteiligte,
Medienvertreter und alle anderen Besucher des Gerichts
liegt.«
Dr. Johannes Leclerque
S07 = ___
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Standort 9: Bundesgerichtshof, Herrenstraße
N 49° 00.417 E 008° 23.821 |
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Das Leben ist eine einsame Insel. Eine Straftat ist immer ein
Hilfeschrei. Eine Gesellschaft, die nur mit der Straftat umgehen
kann, darf sich nicht wundern, dass ihr verlorene, ungeliebte Söhne
erwachsen. Hinwenden, zuhören und tolerieren gehört zu dem Gewinn,
den wir erwirtschaften können. Eine Residenz des Rechts? Angstfrei
werden, ist das nicht das Ziel Aller?
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Wenn wir wirklich Freiheit wollen, müssen wir uns befreien von
vielem, das uns einengt, das im Laufe der Jahre zugewachsen ist.
Freiheit muss immer wieder neu gedacht werden. Ich glaube nicht,
dass es einen statischen Begriff davon geben kann. Natürlich ist
sie dort zu Ende, wo ich Nachbarn schädige, doch sie schafft immer
wieder neue Spielräume.
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»Neben dem Bundesverfassungsgericht und der Bundesanwaltschaft ist
der Bundesgerichtshof eine weitere bedeutende Einrichtung der
Rechtsprechung. Der für die Bevölkerung geöffnete Park des
Bundesgerichtshofes bildet mit den Gebäuden des
Bundesgerichtshofes, der ehemaligen Bundesanwaltschaft, der
juristischen Bibliothek und des rechtsgeschichtlichen Museums einen
Ort der Begegnung von Juristen und Bürgern.«
Johannes Goldschmit M.A.
S09 = ___
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Standort 10: Ständehaus, Ständehausstraße
N 49° 00.534 E 008° 24.008 |
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Unrecht ist alles, was der Gesellschaft schadet, was sie behindert.
Was ich selbst Anderen antue: materieller Schaden ebenso wie
seelische Grausamkeit oder körperliche Brutalität. Ein neues
Unrecht, für das es noch keine Strafe gibt, ist die
Vorverurteilung, die die Medien ausüben. Man ist auch immer ein
Opfer, wenn man Täter ist.
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Die Zeit der Rache ist vorbei. Ich denke, dass wir eine der
liberalsten Strafprozessordnungen der Welt haben. Wir haben dafür
gute Gründe, wenn man an unsere Vergangenheit denkt. Und irgendwo
darf man stolz darauf sein. Ich verwahre mich nur dagegen, dass
jetzt scheibchenweise gewisse Grundrechte beschnitten
werden.
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»Das Ständehaus markiert einen wichtigen Schritt zu einer
demokratischen Entwicklung. Es war das erste Parlamentsgebäude
(eröffnet 1822) auf deutschem Boden.«
Dr. Hans-Jürgen Vogt
S10 = ___
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Standort 11: Marktplatz
N 49° 00.521 E 008° 24.207 |
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Politiker können keine Entscheidungen mehr treffen. Das
Verfassungsgericht wird zur Politik gezwungen. Recht und auch
Demokratie sind der Deckmantel für Lobbies, die sich der Medien
bedienen. Sich der Medien bedienen heißt, manipulieren. Die
Öffentlichkeit hat keine Chance: die Wirklichkeit ist nicht
sichtbar. Wie begreift sich die Gesellschaft heute?
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Der Konsensualismus ist eine Form von Geisteskrankheit in der
Gesellschaft der Vernünftigen, die heftigste Epidemien auslöst. Man
trifft niemanden, der sich irren kann. Alle haben immer Recht. Und
alle kaufen ihre Wahrheiten in denselben Warenhäusern, zitieren
dieselben Autoren. Dieses in der Mitte Zusammenstreben hat wirklich
etwas Beunruhigendes.
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»Der Marktplatz ist der zentrale Platz der Stadt und durch das
angrenzende Rathaus das politische Zentrum Karlsruhes. Die
Bedeutung der Zentralität des Platzes und der im Rathaus gefassten
Beschlüsse für die Stadt soll mit der Aufstellung eines Schildes
unterstrichen werden. «
Johannes Kölmel
S11 = ___
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Standort 13: Badisches Staatstheater,
Theatergarten
N 49° 00.310 E 008° 24.239 |
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Ich bin von hier, ich spreche kroatisch. Mein Kind ist deutsch und
mein Mann ist Franzose. Wir sind alle Europäer. Ich würde lieber
hier vor Gericht stehen als in Kroatien, weil ich hier die Gesetze
kenne. Alles, was fremd ist, ist es auch deshalb, weil ich weniger
weiß davon. Das Recht zu kennen, ist ein Teil der Identität. Ich
kann mich hier verteidigen.
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Wer einen Juden im Keller versteckt hatte und dann der Gestapo an
der Haustür gegenüberstand, durfte der lügen? Kant hätte «nein»
gesagt. Wir sagen zum Glück heute, dass die Rechte, die wir
öffentlich befürworten können, das Lügenverbot - im Dritten Reich
zum Beispiel - außer Kraft setzen dürfen. In diesem Falle muss man
lügen oder sollte es tun.
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»Das Theater ist seit jeher eine Stätte, an der gesellschaftliche
Auseinandersetzungen mit künstlerischen Mitteln ausgetragen werden.
Es steht für Toleranz, Kunst- und Meinungsfreiheit. Daran sollte
ein Schild im Umfeld des Badischen Staatstheaters erinnern.«
Generalbundesanwalt Kay Nehm
S13 = ___
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Standort 12: Werderplatz
N 49° 00.088 E 008° 24.411 |
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Ich bin kein Mensch, der eingesperrt werden will. Wie vor dem
Gesetz sollte auch vor dem Knast jeder gleich sein. Jeder
Politiker, Machthaber, Würdenträger. Jeder Mensch. Nur so ist die
Idee der Freiheitsstrafe verständlich und ertragbar. Wenn sich
einer strafbar macht, der es besser weiß, schadet er durch sein Tun
der ganzen Gesellschaft.
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Als ich vor 35 Jahren als Richter anfing, gab es noch Zuchthaus,
bestrafte man homosexuelle Praktiken, und Verkehrsverstoß war eine
Straftat. Da ist sehr schnell eingesperrt worden. Wer einmal die
Bewährung brach, hatte keine Chance. Die Gleichberechtigung war
nicht durchgesetzt, geschieden wurde nach dem Verschuldensprinzip,
entmündigt wurde auch noch.
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»Der Werderplatz ist der zentrale Ort für Markt und Kommunikation
in der Südstadt. Die Vielzahl ethnischer Herkünfte der
Stadtteilbewohner spiegelt sich hier in interessanter Weise wider.
Am Werderplatz spiegeln sich aber auch gesellschaftliche Phänomene
aktueller Ausgrenzungsprozesse wider. Er ist ein Treffpunkt für
jene Menschen, die sich durch die ungeschriebenen Gesetze unserer
Leistungsgesellschaft am Rand des sozialen Spektrums wiederfinden -
»Verlierer« - die hier zwischenmenschlichen Austausch und
Solidarität suchen.«
Bruno Kurz
S12 = ___
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Standort 15: Kleiner Kronenplatz, JUBEZ
N 49° 00.520 E 008° 24.542 |
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Das Recht ist eine Abstraktion für die Spezialisten wie für die
davon betroffenen Täter oder Opfer. Hinter dem Rechtsempfinden der
Juristen vermisst man Empfinden. Wir haben ein wunderbares
Grundgesetz. Es ist leider wehrlos gegen den Missbrauch durch die
Juristen. Keiner hört mich, doch ich rufe. Der Staat lässt sich
bezahlen, ich mache das gratis.
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Unrecht ist und bleibt Unrecht. Das gestrige Unrecht war
Staatsunrecht: Vergewaltigung von Menschenrecht, Vergewaltigung des
Einzelnen. Wenn heute Unrecht geschieht, ist es isoliert, nicht auf
allgemeiner Basis und schon gar nicht von Staats wegen gestützt.
Das Bemühen um das Recht unter der Hoheit der Grundrechte ist heute
vorhanden.
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»1988 wurde im JUBEZ ein »Schwules Fest« veranstaltet. Die
Tatsache, dass dieses Fest in einem städtischen Jugendzentrum
stattfand, löste eine vehement geführte öffentliche Debatte aus.
Namhafte politische Vertreter (Bundestagsabgeordneter,
Oberbürgermeister, Vorsitzender der JU) sprachen sich aus Sorge um
die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen gegen eine derartige
Veranstaltung in einem städtischen Jugendzentrum aus. Die
öffentlichen Stellungnahmen gegen die Veranstaltung wurden von
Homosexuellen vielfach als Diskriminierung empfunden.«
Claus Temps
S15 = ___
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Standort 14: Ehemalige Synagoge,
Kronenstraße
N 49° 00.585 E 008° 24.496 |
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Mitleiden ist leiden: sich nicht entfernen. Solidarität ist etwas,
das nicht zum Opfer macht. Geteiltes Leid ... man kann Leid durch
zwei teilen, kann man es durch alle teilen? Leid ist eine
Einzelhaft. Leid, Schuld und Trauer sind eins. In der Justiz gibt
es keinen Platz für die Trauer. Das Recht ist der Entzug der
eigenen Geschichte. Es bleibt nur die Geschichte, die keiner gehört
haben will.
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Es gibt im gesellschaftlichen Bereich wenig zu kämpfen. Die
Fortschritte sind in der Tat erzielt im Laufe der Geschichte. Wir
haben das Recht auf Freiheit in der Verfassung festgeschrieben, im
Grundgesetz. Da gibt es nichts weiter zu kämpfen. Insofern ist der
Kampf um die Freiheit ein tägliches Bemühen um die Beachtung des
status quo.
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»Die Synagoge in der Kronenstraße wurde in der Nacht vom 9. auf den
10. November 1938 durch die Nationalsozialisten in Brand gesetzt
und zerstört. Ein Schild an der heutigen Gedenkstätte soll an die
Verfolgung der Juden in Karlsruhe erinnern.«
Dr. Franz Littmann
S14 = ___
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Standort 16: Universität Karlsruhe
N 49° 00.629 E 008° 24.851 |
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Recht, viele schmücken sich mit deinem Namen. Wer dich kennt, dem
ist auch das Unrecht nicht fremd. Und wer das Unrecht kennt, dem
brennt sich das Recht ein wie Feuer. Das Leid, das ich selbst
erlebe, ist der einzige Ort, den ich nicht verlassen kann. Richten
heißt Unrecht begreifen. Wem die Zeit dazu fehlt, der schmückt sich
mit fremden Federn. Auch wenn er Richter ist.
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Wie haben sich meine Eltern verhalten, warum haben sie sich so
verhalten? Auch meine Eltern wollten mit mir darüber nicht reden.
In den letzten Jahren ist auch die Bundesrepublik in - wenn auch
nicht vergleichbare - Schwierigkeiten gekommen. Und da habe ich mir
die Frage gestellt - ich bin ja mit vielem nicht einverstanden, was
hier passiert -, wie würdest du dich verhalten?
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»Die Universität Karlsruhe steht - stellvertretend auch für die
anderen Hochschulen in Karlsruhe - für die Freiheit der Forschung
und Lehre. «
Dr. Hans-Jürgen Vogt
S16 = ___
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Standort 18: LASt – Landesaufnahmestelle für
Flüchtlinge, Durlacher Allee
N 49° 00.291 E 008° 26.265 |
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Der Anfang vom Verhältnis zur Justiz ist die eigene Betroffenheit.
Wer es mit dem Recht zu tun bekommt, sollte eine gute Konstitution
und einen guten Anwalt haben. Wer das Recht braucht und nicht
zahlen kann, ist verloren. Es geht oft um die Existenz, und die
hängt plötzlich an einem dünnen Faden. Oft fragt man: was hat sich
der Richter dabei gedacht?
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Das Ausmaß an Toleranz ist größer geworden. Vieles war früher Tabu,
was heute im täglichen Leben zu sehen ist. Ich bin selbst
gespalten, wenn ich auf der Straße vermummte Frauen sehe. Aber ich
mache mir keine Gedanken, wenn eine katholische Nonne an mir
vorübergeht. Die Haube der einen und das Kopftuch der anderen, wo
ist der Unterschied?
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»Passanten der Durlacher Allee erleben im Bereich der LASt an der
Straße immer wieder eine Vielzahl von Menschen aus anderen Ländern,
die als Asylsuchende nach Deutschland gekommen sind. Die LASt ist
ein Ort der Reflexion über Rechtsansprüche von Menschen, die aus
politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen nach
Deutschland kommen und hier leben wollen.«
Bernadette Hörder
S18 = ___
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Standort 17: Hauptfriedhof,
Haid-und-Neu-Straße
N 49° 00.971 E 008° 25.857 |
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Ich wollte nicht mehr leben. Ich konnte nur noch an mich selbst
denken. Meine Freundin hatte Krebs, doch der hat sie nicht getötet.
Ich habe sie getötet. Ich werde bald zum ersten Mal am Grab stehen.
Ich wollte das Grab bezahlen, es war nicht möglich. Der Sohn hat
mir ausrichten lassen, er hasst mich nicht. Ich würde ihm gerne
sagen, wie dankbar ich bin.
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Schicksal ist kein einklagbarer Rechtsverlust. Die Rechtsordnung
regelt nur einen Lebensausschnitt. Der Mensch kann nicht vom Recht
alles erwarten. Wir haben nicht den totalen Staat oder die totale
Herrschaft des Rechts. Es gibt rechtsfreie Räume, mit denen der
Bürger oder in denen er zurecht kommen muss, ohne das
Recht.
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»Friedhöfe sind Orte der Ruhe, des Nachdenkens, der Erinnerung und
des Abschiednehmens. Irdisches Recht und seine Anwendung endet
hier. Ist dem verstorbenen Menschen in seinem Leben Gerechtigkeit
widerfahren? Ist er anderen und ist man ihm gerecht
geworden?«
Dr. Harald Ringler
S17 = ___
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Fehlende Standorte:
Das Projekt besteht neben dem zentralen Platz der Grundrechte aus
24 dezentralen Standorten, aber nur an 20 Standorten findet man für
diesen Cache relevante Informationen. Der Vollständigkeit halber
werden die fehlenden Stationen hier trotzdem
aufgeführt. |
Standort 1: Rheinhafen / nördliche
Rheinuferpromenade
N 49° 01.012 E 008° 18.184 |
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Die Gerechtigkeit, so wie ich sie empfinde, wird nicht von Allen
geteilt. Was das Recht ist, kann nicht unabhängig davon sein, was
ich empfinde. Es gibt viele Mittel, um demokratische Rechte zu
verzögern oder zu verheimlichen. Das sage ich, davon ausgehend,
dass ich im Rechtsstaat lebe und das eigene Recht nicht das Recht
sein kann.
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Es kann nicht sein, dass wir uns Regeln ausdenken, die zwar
vorhersehbar sind, aber vielen Menschen gegen den Strich gehen. Auf
der einen Seite müssen wir mit der Komplexität der Welt fertig
werden, zum anderen können wir aber im Einzelfall in unserer
täglichen Umgebung nur mit Rechtsregeln umgehen, die eine bestimmte
Simplizität haben.
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»Das Recht entwickelt sich fließend wie die Wellen des Rheins über
Grenzen hinweg in der ganzen Welt bis zum Durchbruch der
Menschenrechte. Es ist nicht statisch, nicht an einen Ort gebunden
und trägt die Hoffnung in sich, dass seine Entwicklung noch viele
Grenzen, wie die früher blutige Grenze des Rheins zwischen
Deutschland und Frankreich, überwinden hilft. «
Horst Schmidt
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Standort 19: Europäische Schule,
Albert-Schweitzer-Straße
N 49° 02.736 E 008° 26.801 |
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In der Schule erfährt man wenig vom Recht. Danach ersetzen die
Medien die Schule, und das Recht wird zum Unrecht Anderer:
Sexualverbrechen, Morde füllen die Presse. In Deutschland ist der
Besitz von Haschisch strafbar. Wem habe ich geschadet ? Ich bin
nicht süchtig, ich bin kein Dealer. Ich zahle für die Ängste der
Anderen.
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Im Prinzip müsste die Zivilgesellschaft frei von Unrecht sein.
Unrecht ist keine menschliche Eigenschaft per se, sondern ein
Umstand, in den wir hineingeboren werden mit der Sehnsucht, sich
und andere davon zu befreien. Erst die wechselseitige Zuschreibung
von Anrecht auf Recht ermöglicht allgemeines Recht. Ihrem Wesen
nach sehnt sich die Gesellschaft nach dem Recht.
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»Die Europäische Schule steht für das Zusammenleben junger Menschen
aus vielen unterschiedlichen Ländern. Sie liegt an der
Albert-Schweitzer-Straße und der Bertha-von-Suttner-Straße. Beide
Persönlichkeiten wurden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet
(Suttner 1905, Schweitzer 1952) und haben mit ihrem Wirken für den
Frieden die Rechtsvorstellungen von Schülergenerationen
geprägt.«
Tom Hoyem
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Standort 20: Hardtwald
N 49° 01.910 E 008° 24.892 |
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Ich wäre oft gerne ein anderer Mensch, obwohl ich mit mir zurecht
komme. Es muss Rechte geben, aber wo ist das Recht? Wir sind alle
ungerecht in den Augen des Rechts. Ich träume viel, tags und auch
nachts. Ich träume von Schönerem als von meinem Leben. Wer trauert,
der kann nicht träumen. Nur meine Träume hat man mir
gelassen.
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Niederlagen will man und darf man so wenig wie möglich erleben. Ich
war schon einmal auf der Seite und muss sagen, es hat mich stärker
gemacht. Ich wusste, das möchte ich nicht mehr erleben, dafür werde
ich alles tun. Ein Schlüsselerlebnis, das mir gut tat, auch wenn
ich es zuerst nicht eingesehen habe. Was ich als ungerecht empfand,
hat mich stark gemacht.
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»Der Wald ist ein Ort der Ruhe und der Erholung. Die Aufstellung
eines Schildes an einem solchen Un-Ort ermöglicht eine zufällige
und nicht erwartete Begegnung mit Kunst. Der Wald gibt den Raum,
über das Schild und seinen Inhalt nachzudenken. Das Kunstwerk soll
durch den irritierenden Standort die Aufmerksamkeit des
Spaziergängers, Joggers, Wanderers oder Radfahrers auf sich ziehen,
der Wald durch seine Abgeschiedenheit jedem Einzelnen die
persönliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Grundrechte
anbieten, die in der belebten Umgebung des Stadtgebietes so nicht
möglich wäre. Daher spreche ich mich für eine abgelegenere
Wegkreuzung im Hardtwald als Standort für ein Schild aus.«
Felix Fischborn
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Standort 22: Hauptbahnhof, Südeingang
N 48° 59.547 E 008° 24.092 |
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Vor dem Gericht hat man nicht das Gefühl, dass es Gerechtigkeit
gibt. Es geht um Fakten, und das Warum und Wozu kommt nicht vor. Es
sind alles Schnellverfahren. Die eigenen Argumente zählen nicht,
und das ist die eigentliche Verurteilung. Sie sind nicht mehr
hörbar. Sie müssen lügen. Es ist eine fremde Welt, die Welt der
Schuldlosen.
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Ich glaube, wir haben erkannt, dass es sinnvoll ist, sich, wo es
eben geht, zu einigen und nicht alles bis zum Letzten auszufechten.
Die Mediation spart Vieles: Zeit, Geld und Gesundheit. Es ist sehr
wichtig, eine Entscheidung zu suchen und zu finden, die es allen
Beteiligten erlaubt, das Gesicht zu wahren und nicht lebenslang
verletzt und verfeindet zu sein.
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»Am Hauptbahnhof-Süd kommen sehr viele Busreisende, insbesondere
aus östlichen und südlichen Ländern in Karlsruhe an, für die der
Hinweis auf unsere Grundrechte interessant und bedeutsam sein kann
und wo der Hinweis gesehen und gelesen wird. In der Nähe befindet
sich die Zivildienstschule, an der junge Männer unterrichtet
werden, die von ihrem Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung
Gebrauch gemacht haben. Im Dritten Reich war der Hauptbahnhof auch
Ort des Unrechts. Es fanden hier u.a. Deportationen jüdischer
Mitbürger statt.«
Rolf Vogelsberg
S22 = 20
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Standort 24: Durlach, Saumarkt
N 48° 59.928 E 008° 28.247 |
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Das Recht passt sich dem Leben an. Oft folgen die Gesetze der
Rechtsprechung. Was heute als rechtens empfunden wird, können
unsere Kinder als Unrecht begreifen. Die Menschen verändern sich,
vor allem aber ändert sich das Rechtsbewusstsein. Es gibt sechzehn
Bundesverfassungsrichter, damit nicht nur Mehrheiten möglich sind.
Das Recht ist relativ.
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Das Recht kann aus Übermut verletzt werden oder deshalb, weil der
Einzelne sich von der Gesellschaft nicht verstanden fühlt. Die
Motivation des Einzelnen ist sehr unterschiedlich. Manchmal
geschieht es aus einer tiefen Kränkung heraus oder aus Unverstand.
Manchmal ist es auch allein der Wunsch oder der Wille, die Gesetze
zu übertreten.
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»Frauen aus Durlach forderten 1848/49 die Gleichberechtigung;
Arbeiter demonstrierten 1922 für die Republik; 1933 blieb
entschiedene Abwehr des NS-Unrechtssystems auch hier aus;
Jugendliche im Basler-Tor-Turm verlangten 1968/69 mehr Demokratie.
Freiheit, Menschenwürde und Recht gilt es immer neu zu denken und
zu schützen.«
Dr. Manfred Koch
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Quellen:
Jochen Gerz "Platz der Grundrechte: ein Autorenprojekt", ISBN
3-938821-30-2, März 2006
http://www.karlsruhe.de/kultur/kulturprojekte/mitrechtkarlsruhe/platzdergrundrechte/dezentraleorte.de
http://ka.stadtwiki.net/Platz_der_Grundrechte
http://de.wikipedia.org/wiki/Jochen_Gerz |