Der Abt von Teterin (nach Otto Bollnow)
In der Müggenburg, dem alten festen Schlosse der Familie
Nienkerken, hatte der Besitzer in dem Fangelturm, der jetzt von
einem Neubau umschlossen ist, den Abt des nahen Klosters Teterin,
Joachim mit Namen, gefangen gesetzt und umkommen lassen.
Der Geist des unglücklichen Abtes fand aber keine Ruhe, sondern
wanderte, sobald die Abendglocken in Teterin erklangen, mit einer
Schubkarre aus seinem Kerker nach dem Hohen Stein bei Anklam, um
dort einen Schatz zu verbergen. Einmal pflügte ein Bauer noch spät
am Abend in der Nähe von Müggenburg. Er war sehr arm, und so sehr
er sich auch abmühte, er wurde die schweren Sorgen nicht los. Die
Sonne war untergegangen und dichte Nebel zogen herauf. Doch der
Bauer gönnte sich und seinen müden Pferden noch keine Ruhe. Da
erklangen von dem nahen Kloster Teterin die Abendglocken. Der Bauer
hielt den Pflug an, faltete die Hände und sprach sein Abendgebet.
Da kam ein seltsam kleiner Mann auf ihn zu. Dieser hatte einen
spitzen Hut mit einer Feder auf dem Kopfe und schob eine Karre vor
sich her. Er ging geradeaus nach dem Hohen Stein. Dornenhecken,
Wall und Graben hinderten ihn nicht. Der Bauer stand erschrocken da
und murmelte ein Gebet.
Am Hohen Stein verschwand das Männchen. Am nächsten Abend, als die
Klosterglocken verhallt waren, wiederholte sich die Erscheinung.
Der kleine Kärrner war dem Bauern unheimlich, und er wollte darum
am Morgen darauf nicht wieder zum Pflügen nach dem Schlosse ziehen.
Die Pferde waren schon angespannt, da erzählte er seiner Frau, was
er erlebt hatte. Diese schallt ihn einen Kindskopf und sagte zu
ihm, er solle nur ruhig dort weiter pflügen und sich dem Kärrner,
wenn er wiederkomme, in den Weg stellen und ihn fragen, was er da
immer zu karren habe. Der Bauer gab nach und nahm sich vor, das zu
tun, was ihm seine Frau gesagt habe. Er zog mit seinen Pferdchen
zum Schlosse und verrichtete seine gewohnte Arbeit, dachte aber den
ganzen Tag immer an das , was ihm der Abend wohl bringen
werde.
Kaum waren die Abendglocken verklungen, so kam der Abt Joachim
wieder eilends von Müggenburg herüber. Da fiel dem Bauer plötzlich
ein, er wolle den Geist bannen. Er zog in dem losen Acker mit
seinem Pfluge geschwind zwei Furchen über Kreuz und lenkte seine
Pferde schnell abseits. Der Abt nahte auf dem gewohnten Pfade. Er
sah nicht rechts noch links und ahnte nicht, dass ihm der Bauer ein
Kreuz über den Weg gezogen hatte. Plötzlich stutzte er. Er hatte
das Hindernis bemerkt. Einen Augenblick zauderte er. Dann warf er
seine Karre um und kehrte schnell in den Turm zurück. Die goldenen
Schätze, die in der Karre gewesen waren, ließ; er liegen. Der Bauer
lief schnell hinzu und nahm die Schätze an sich und lebte fortan
ohne Sorgen.
In dem Wall, der um das Dorf führt, liegt ein großer Stein, der
noch heute vom Volke als ein Grabmal des Abtes Jochen bezeichnet
wird.
Den Stein des Jochen Abt könnt ihr von hier aus in der Ferne sehen.
Aber aus Rücksicht auf die Natur ist er nicht erreichbar. Es
handelt sich um einen großen Findling, aber die findet ihr ja auch
an dieser Stelle.
Hier ganz in der Nähe kreuzte der Abt mit seiner Schubkarre die
Felder auf dem Weg zum Hohen Stein. Vielleicht begegnet ihr ihm ja,
wenn ihr euch in der Abenddämmerung hierher auf den Weg
begebt...
Aber selbst wenn ihr bei Tage kommt und der Abt so nicht euren Weg
kreuzt, so findet ihr vielleicht einen Teil seines Schatzes....Viel
Glück bei der Suche!
English: In the 13th century the abbot of Teterin was murdered
in the main-tower of the "Müggenburg", which you find just a few
hundret meters from here. The legend says that he afterwards
crossed the fields as a ghost. Further it says, that he had a
wheelbarrow with a treasure with him, which he took to the "Hoher
Stein" (a tower near Anklam).
Maybe you meet him here if you come in dusk...But even if you visit
this place at day, you might find a piece of his treasure...Good
luck!