Auf einem Felsvorsprung über dem Drautal westlich von Molzbichl
erhebt sich weithin sichtbar die Kapelle der heiligen Maria
Magdalena.
Seit dem ersten vorchristlichen Jahrtausend wurde dieser
herausragende Platz immer wieder genutzt.
Im nahe gelegenen Baldersdorf bestanden römische Landgüter mit
Grabbezirken, woher auch die marmorne Türschwelle unter dem Vorbau
der Kirche stammt.
(Diese Schwelle steht heute aufgestellt in einem Eck der
Vorhalle.)
In der Spätantike und im anschließenden Frühmittelalter trug das
Plateau eine Befestigung mit Palisade und mindestens einem
Gebäude.
Im 11. Jahrhundert errichtete man hier ein ersten Gotteshaus in
Form einer Rundkapelle.
Das darin angelegte Felsengrab diente dem Kirchenstifter als
Begräbnisstätte.
Sehr wahrscheinlich war es die Gründung des Penno von Molzbichl
(† ca. 1060),
eines Brixner Dienstmannen, der dem Edlingerstand (freie und
waffentragende Bauern) angehörte.
Im Lauf der Zeit wurde sie von einer privaten Grabkirche zur
Kirche für die Baldersdorfer und erhielt zu ihrer Ausstattung eine
Hube in Molzbichl.
Nach 1500 brach man die kleine Rundkirche ab und errichtete das
heute bestehende spätgotische Gotteshaus.
Zu dieser Zeit galt die Magdalenenkapelle bereits als Filialkirche
der Pfarre Molzbichl.
Eine Visitation des Jahres 1615 erwies ihren ärmlichen und
vernachlässigten Zustand.
Im 18. Jahrhundert trat eine deutliche Verbesserung ein,
als sie der bekannte Oberkärntner Maler Balthasar Klenkh 1739 mit
einem Magdalenenzyklus versah.
Dennoch erwog man gegen 1800 ihre Auflösung, die aber am Widerstand
der Bevölkerung scheiterte.
Die letzte Renovierung erfolgte in den Jahren 1995 bis
2000.
Heute erfreut sich die Magdalenenkapelle besonderer Beliebtheit,
wenn sich am Ostermontag die Bevölkerung aus der Umgebung zum
Gottesdienst und anschließendem „Eierpecken“
trifft.
Nicht über die Absperrung steigen!
Happy Geocaching!
Oliver P.
Literatur:
Kurt Karpf und Therese Meyer (Hg.), Die große Geschichte einer
kleinen Kirche. Die Magdalenenkapelle von Baldersdorf in
Kärnten, Beiträge zur Kulturgeschichte Oberkärntens - Band 1,
Spittal an der Drau, 2004
FTF: bulle2278 am 07.04.2010