Erstes Leben an Land
Eine Straßenböschung – na und? Trotzdem hat diese Stelle etwas Bemerkenswertes, denn hier findet sich einer der Ursprünge des Lebens an Land. Die Gesteine der Münchshecke, so heißt der Hügelrücken, vor dem Ihr steht, gehören zu den ältesten Gesteinen, die es im Rheinland gibt, aus einem Zeitalter, das die Geologen unterer Devon nennen. Zu dieser Zeit sah es hier natürlich völlig anders aus als heute. Die Kontinente, die wir heute kennen, gab es noch nicht, denn durch die Kontinentalverschiebung wurden (und werden) die Landmassen der Erde ständig verändert. Damals befand sich hier ein Flussdelta am Südrand des Old-Red-Kontinents und die Gegend lag in der Nähe des Äquators. In dieser Umgebung schafften es zum ersten Mal Pflanzen, das bis dahin kahle Land zu besiedeln.
Zwischen 1924 und 1926 wurde die Wahnbachtalstraße von Siegburg nach Much gebaut. (Seit 1958 sind weite Teile der Straße vom Wasser der Wahnbachtalsperre bedeckt, 2008 konnten wir noch einmal auf ihr wandern, als die Talsperre wegen Sanierungsarbeiten am Damm abgelassen werden musste.) 1927 untersuchte der Bonner Geologiestudent Wilhelm Elberskirch auf der Suche nach Material für seine Dissertation die vor kurzem freigelegten Felsen an der Münchshecke und entdeckte fossile Pflanzen. Er zeigte sie dem Direktor des Paläontologischen Instituts und der erkannte, dass es sich wegen ihres Alters um sensationelle Fundstücke handelte. Es waren nicht nur einzelne Exemplare, sondern ganze Lebensgemeinschaften von Pflanzen. Sie ähnelten Pflanzenfossilien, die man 1912 in der Nähe des Dorfes Rhynie in Schottland entdeckt hatte.
Die Pflanzen vom Wahnbachtal und von Rhynie waren noch sehr primitiv. Sie brauchten die Nähe von Wasser, um zu gedeihen, die meisten hatten noch keine echten Blätter und waren meistens recht klein, kaum über 20 cm. Manche der Pflanzengruppen, die hier gefunden wurden, gibt es aber heute noch, z.B. Moose, Farne und Bärlappe. Das älteste bekannte Bärlappgewächs trägt nach seinem Fundort den wissenschaftlichen Namen Estinnophyton wahnbachense.
Später wurden an anderen Stellen des Rheinischen Schiefergebirges ähnliche Fossilien gefunden, die Geologen nennen diese Gesteine Wahnbachtalschichten.
Quellen: „GeoRallye“,v.Koenigswald,Simon; „Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1997“; wikipedia
Bitte schont den Felshang und bleibt auf der Straße. Zumal die zarten Pflanzenüberreste für uns Laien sowieso kaum zu entdecken sind und auch nicht so spektakulär aussehen wie fossile Knochen.
Parken könnt Ihr direkt gegenüber dem Hang am thematisch (fast) passend bemalten Trafohäuschen.
Um diesen Earthcache loggen zu können, erfüllt bitte folgende Aufgaben:
- Macht ein Foto von Euch oder Eurem GPS vor dem Felshang. Dies ist eine freiwillige Aufgabe. Wir würden uns freuen, wenn Ihr das Bild später zu Eurem Log hochladet. (Vorsicht beim Überqueren der Straße, auch wenn sie nicht viel befahren wird.)
- Ihr könnt deutlich festere, rötliche und bröckelige, hellere Schichten erkennen. Sie unterscheiden sich im Anteil von roten Flusssedimenten, nach denen der Old-Red-Kontinent seinen Namen hat, bzw. von sandigen Meeresablagerungen. Schätzt die Höhe der Felswand und die Dicke der größten roten Schicht.
- Wie alt sind die Wahnbachtalschichten bzw. die von Rhynie ungefähr (in 100 Mio. Jahren)?
- Die Pflanzen der Wahnbachtalfauna lebten in einem Flussdelta, seitdem haben Pflanzen den Lebensraum Land fast komplett erobert.
Welche Merkmale von Landpflanzen haben das ermöglicht? Nennt wenigstens eins davon. (Ihr müsst nicht unbedingt recherchieren, denkt doch einfach 'mal darüber nach. Welche Unterschiede gibt es zwischen einer typischen Landpflanze und einer wasserbewohnenden Alge?)
Schickt die Antworten zu 2)-4) unter Angabe eures Geocacher-Nicks per E-Mail oder Message (postet die Antworten nicht in Eurem Log). Ihr müsst nicht auf unsere Reaktion warten, sondern dürft sofort loggen. Sollten Eure Antworten nicht ganz richtig sein, dann melden wir uns und arbeiten mit Euch daran.
Eine Zusammenfassung über die Evolution der Pflanzen könnt Ihr hier finden.
First Life on Land
A rock face – so what? But there is something special to this place: one of the origins of life on land can be found here. The rocks of the "Münchshecke", that's the name of the hill in front of you, are among the oldest found in the Rhineland region, from a time the geologists call the Lower Devonian. The area looked much different then. The continents we know today didn't exist yet, the landmasses of earth were (and still are) constantly remodeled by continental drift. Back then we would have been in a river delta at the southern edge of the Old-Red-Continent, close to the equator. In conditions like these plants were able to colonize land for the first time, land that had been completely barren before.
Between 1924 and 1926 the Wahnbachtal Road from Siegburg to Much was build. (Since 1958 vast stretches of the road are covered by the waters of the Wahnbach Reservoir, in 2008 we were able to walk on the old road surface again when the reservoir had to be drained due to renovation work at the dam.) In 1927 Wilhelm Elberskirch, a student of geology from the University of Bonn, examined the freshly cut rocks, looking for material for his dissertation. He found fossile plants and showed them to the Head of the Paleontological Institute who instantly recognized that because of their age these were extraordinary finds. There weren't just isolated specimens but a whole early ecosystem. Similar fossils had been found near the village of Rhynie in Scotland in 1912.
The plants of the Wahnbachtal and of Rhynie were quite primitive still. They needed abundant water nearby to thrive; most of them didn't even have proper leaves yet and were pretty small, under 20 cm. But some of the plants groups that were found here still exist today, like mosses, ferns and club mosses (lycophytes). The oldest known lycophyte is named Estinnophyton wahnbachense after its place of discovery.
Later, similar fossils were discovered at other places in the Rhenish Massif. The geologists call these rocks Wahnbachtal-layers.
Sources: „GeoRallye“,v.Koenigswald,Simon; „Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1997“; wikipedia
Please protect the fossile site and stay on the road. The plant remains are hard to find by non-experts like us anyway and don't look nearly as spectacular as fossile bones.
You can park your car directly opposite the rock cut, near the (almost) fittingly decorated transformer station.
To log this earthcache please perform the following tasks:
- Take a photo of you or your GPS in front of the rock face. This task is optional. We would be glad if you upload the picture with your log later. (Be careful when you cross the street even though it is not very busy.)
- You can clearly distinguish firmer reddish layers and crumbly, more light-coloured ones. They differ in the percentage of red river sediments that gave the Old-Red-Continent its name and of sandy marine sediments. Estimate the height of the rock face and the thickness of the biggest red layer.
- About how old are the Wahnbachtal-layers or alternatively those from Rhynie (in 100 Mio of years)?
- The plants of the Wahnbachtal lived in a river delta, since then plants were able to conquer the habitat land almost completely. Which attributes of plants made that possible? Name at least one of them. (You don't need to research this, common sense will probably do. What are the differences between a typical landliving plant and an aquatic algae?)
Please mail the answers to 2)-4) to us, using e-mail or message (don't post the answers in your log). You don't have to wait for our logging permission, you may log instantly. If there is something not quite right with your answers, we will contact you and work with you on that.
You can find a summary of early plant evolution here.