Dem
adeligen Kölner Ratsmitglied Rütger Hirzelin vom Grin wurde 1367
vorgeworfen, städtische Gelder unterschlagen zu haben. Aufgedeckt
wurde diese Tat am 6. Januar 1367 mit Hilfe der Kölner Zünfte, die
die politischen Entscheidungen zunehmend kontrollieren wollten. Vom
Grin wurde am 20. Mai 1369 (Pfingsten) hierfür hingerichtet. Einem
zugleich wegen Straßenraubes verhafteten Mann wird der Prozess
gemacht, doch den Webern dauert dieses Verfahren zu lange; sie
stürmen das Gefängnis und schlagen ihm ohne Urteil den Kopf ab.
Weitere Spannungen mit dem Rat kamen hinzu und entluden sich
letztlich im Weberaufstand. Weiterhin kam Unmut auf, weil drei
Kölner Landfriedenstagsabgeordneten vorgeworfen wurde, einem der
Stadt Köln verfeindeten Adeligen (Edmund Birkelin) Zugeständnisse
gemacht zu haben und so Nepotismus betrieben zu haben. Nachdem
diese drei sich dem öffentlichen Druck beugend in Haft begaben und
acht weitere Ratsmitglieder aufgefordert wurden, diesen zu folgen
und dieser Aufforderung am 7. Januar 1371 nachkamen, wurde die
Machtfülle der Zünfte, insbesondere der Weber, überdeutlich. Es
waren schließlich 8 von 15 Ratsmitgliedern in Haft gegangen.
Dieser Druck der Weber führte zu einer Verfassungsänderung. Diese
zielte u.a. darauf ab, die Richerzeche als Institution des
Meliorats abzuschaffen, den zwar immer noch nur für Patrizier
vorbehaltenen Rat schöffenfrei zu organisieren, den nunmehr auf 52
Mitgliedern verkleinerten weiten Rat auf Vertreter der Handwerker
und der Kaufleute zu beschränken und dieser Einrichtung weiter
reichende Kompetenzen zuzuordnen. Diese Neuordnung trat am 2. Juli
1370 in Kraft. Die zweite Phase der Weberzeit, zwischen dem 2. Juli
1370 und dem 20. November 1371, ist von einseitigen Entscheidungen
des neuen weiten Rats geprägt. Möglicherweise wegen der
Unerfahrenheit in der Amtsführung, vielleicht aus Übermut und
Stolz, ergingen Beschlüsse des neuen weiten Rats, die die Kosten
ungleichmäßig verteilten. Dazu gehörte die Einführung einer
Weinfuhrakzise (Verbrauchssteuer) und einer direkten Vermögensteuer
("Schoß"), die einerseits die Weinkaufleute und andererseits die
Grundbesitzer (reiche Kaufleute und Patrizier) belastete, aber eben
die neu an die Macht gekommenen Weber verschonte. Die Koellhoffsche
Chronik kritisierte später im August 1499 die um die Weber
erweitere Zusammensetzung des Rates: "Es war wunderlich und fremd
anzusehen, als Köln...allzeit regiert war...von fünfzehn adeligen
Geschlechtern...An deren Stelle saßen nun die Weber.." Blutige
Weberschlacht Weberschlacht, 1371. (Holzschnitt aus der
Koehlhoffschen Chronik, August 1499)
Das vom Rat nicht erlaubte Eingreifen von zwei Wollenwebern in die
Jülich-Brabantische Fehde (am 22. August 1371 fand bei Baesweiler
die entscheidende Schlacht der Fehde statt, in der die Truppen des
Herzogs von Jülich, unterstützt vom Herzog von Geldern, gegen den
Herzog von Brabant siegreich blieben) und die daraus resultierenden
politischen Konflikte führten am 20. November 1371 zu einer
Schlacht zwischen dem engen Rat, der (faktisch entmachteten)
Richerzeche und den nicht mehr mit der Politik der Weber
einverstandenen Gaffeln auf der einen Seite und den Webern auf der
anderen Seite. Als der zum Tode verurteile Wollenweber Henken von
Turne (er hatte unerlaubt an der Jülich-Brabant-Fehde als Soldat
mitgewirkt) gewaltsam dem Henker entrissen wurde, versammelten sich
Kaufleute und ein Teil der nicht mit den Webern kooperierenden
Zünfte bewaffnet, um gegen die Weber zu kämpfen. Voran mit der
Stadtfahne marschierten sie von St. Brigiden (neben Groß St.
Martin) über den Alter Markt und Heumarkt zum Malzbüchel, wo die
Weber sich sammelten. Die zahlenmäßig unterlegene Weberschar
verließ ihr Quartier und stellte sich am Waidmarkt in
Schlachtordnung auf. Der blutige Kampf am Griechenmarkt begann,
doch die Weber flohen in Einsicht ihrer Unterlegenheit. Wer von den
Webern nicht fiel oder die Stadt verließ, wurde bald aufgespürt und
in die Stadttürme gesperrt. Die reaktionären Kräfte bestraften die
Weber streng, viele wurden vertrieben, der verurteilte Weber Henken
van Turne schließlich auf dem Heumarkt enthauptet und das Vermögen
der Weberzunft, darunter 25 Häuser, konfisziert. Am 21. November
1371 teilt der Rat den Bürgern mit, dass die noch nicht gefassten
straffälligen Weber die Stadt ungehindert verlassen dürften,
solange die Glocken von St. Maria im Kapitol läuteten. Wer schon
geflohen war, durfte die Stadt nie mehr betreten.
Die reaktionären Sieger der Schlacht setzen eine Kommission von 12
nicht dem engen Stadtrat angehörenden Personen ein, die ein neues
"Eidbuch" (Stadtverfassung) vorbereiten sollte. Dieses sollte die
Stadtverhältnisse wieder auf das frühere aristokratische Regiment
zurückführen und möglichst erneute Auflehnungen vermeiden. Am 22.
Februar 1372 wurde der enge Rat verkleinert und auf patrizische
Familien und Kaufleute beschränkt, wie es vor der Weberschlacht
gewesen war. Damit hatte das Patriziat die politischen
Erschütterungen des Weberaufstands überlebt. Doch die Weberschlacht
löste die Trennung der bisher kooperierenden Patrizier in die
"Greifen" und die "Freunde" aus, die sogar in Feindseligkeiten
mündete. Am 4. Januar 1396 ging die Gruppierung der "Freunde"
gewaltsam gegen die "Greifen" vor. Als am 18. Juni 1396 Constantin
von Lyskirchen, Anführer der "Freunde", festgenommen wird, endet
vorerst die Ära der herrschenden Patrizierfamilien.
Alles liebe Euer Schafis und der HaegarDK

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