Täglich komme ich seit Jahrzehnten zwei Mal an diesem Werk vorbei, das für viele Klever nur "die Organchemie" ist und im Sprachgebrauch vermutlich auch lange noch bleiben wird. Das ewig gleiche rumpelnde Geräusch, welches ständig aus dem Produktionsgebäude dröhnte, das sofort am Stadteingang an der Straße gelegen ist, begleitete mich morgens auf dem Weg in die City und nachmittags wieder nach hause. Es hatte mich immer interessiert, was genau dieses Geräusch verursachte - ich werde es nun wohl nie mehr fest stellen können ...
Eine wechselvolle Geschichte begleitete eines der bekanntesten Klever Werke von 1927 bis zur Schließung. Nun steht hier seit geraumer Zeit alles still! Auch, wenn man es den Gebäuden und dem Gelände noch nicht anmerkt - hier geht nichts mehr! Außer vielleicht der ein oder anderen Außenbeleuchtung und den Männern des Sicherheitsdienstes. Dabei könnte dies so ein schöner lost place sein ...
Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen, möchte ich diesem Ort einen cache widmen. Schaut euch nur das Bürogebäude aus den 20er-Jahren an: das ist noch Architektur mit liebevollen Details und nicht nur ein schnödes Zweckgebäude. Doch das fällt einem erst auf, wenn man wirklich einmal stehen bleibt und hin schaut und nicht nur immer hier vorbei rast, um schnell in die Stadt oder wieder nach hause zu kommen ...
Seit 1927 ist/war hier ein Industriestandort. Gegründet als "Hartogh" wurde dort zunächst, wie in so vielen anderen bekannten Werken in Kleve auch, Margarine hergestellt. Ab 1958 gehörte die Firma dann der "Maizena GmbH" mit Sitz in Hamburg, produziert wurde Maisstärke. 1987 wurde "Maizena" vom italienischen Lebensmittelkonzern "Gruppo Ferruzzi" gekauft, der Industriebereich in Kleve firmierte ab dann zunächst unter dem Namen "Cerestar". Noch im selben Jahr wurde "Cerestar" an den französisch-italienischen Konzern "Eridania Beghin-Say S.A." verkauft, ohne jedoch die Klebstoffproduktionsstätte in Kleve. Diese wurde dann 1990 vom englischen Chemieunternehmen "BTP" aufgekauft. Das Klever Werk hieß sodann "Mydrin GmbH". 1998 jedoch wird dieser Firmenanteil bereits wieder verkauft, dieses Mal an "National Starch". "National Starch" gehörte kurz zum "Akzo Nobel" Konzern, wurde dann aber 2008 von "Henkel" geschluckt. Obwohl in Kleve "schwarze Zahlen" produziert wurden und sogar noch ausgebaut wurde, wurde das Werk Mitte 2010 sodann komplett geschlossen ...
Offensichtlich scheint man hier aber noch nicht alles aufgegeben zu haben, da das Gelände eben weiterhin gepflegt und sogar bewacht wird. Vielleicht lässt sich das Werk doch noch einmal aus dem Dornröschenschlaf erwecken ...
Im Juli 2011 tat sich dann wieder etwas - zumindest auf einem Teil des Geländes. Das Verwaltungsgebäude sowie das zuletzt erbaute Labor sind durch einen provisorischen Zaun vom Rest des Geländes abgetrennt worden. Dort zog dann ein wissenschaftlicher Zweig der "Hochschule Rhein-Waal" ein. Seitdem ist wieder ein wenig Leben in das Areal gekommen. Der größere Teil wird aber immer noch nur von einer einzigen Person im Wechsel belebt: dem Pförtner bzw. Angestellten des Sicherheitsdienstes ...
Beste G+ rüße
awema