Es war einmal...
Weit droben im Norden, jenseits von Spøiz [Ausgesprochen: Spöitz], wo die Winterstürme der vereisten Aare an tief zerfurchte Küsten branden, liegt ein langgestrecktes Land. In unseren Tagen ist es nur im Winterhalbjahr von Schnee und Eis bedeckt. Vor langer, langer Zeit aber begrub dort ein gewaltiger, vieltausendjähriger Gletscher alles Land unter sich.
Als sich das Klima nach und nach veränderte, zog sich der Gletscher weit nach Norden zurück und die Menschen die südlich von ihm gelebt hatten, nahmen das Land das es freigab. Sie nannten es Laurenzenbad, das „Bad des Laurenzius“, sich selbst aber, obwohl natürlich auch Frauen unter ihnen waren, „Männer des St. Laurenzen“. Ihre Annahme aber, die ersten Siedler in diesem neuen, wunderschönen Land zu sein, erwies sich schon bald als falsch. An den seltsamsten Orten trafen Sie auf eine grosse Anzahl ebenso seltsamer Mitbewohner. Wesen, wie sie zuvor noch keine gekannt hatten.
In den tiefen Waldseen, von denen manche Menschen sagen, sie würden in eine dunkle Unendlichkeit führen, hielt sich der Nøkk auf. (Hiesige nennen ihn auch „Treasure Hunt“, hihi) In Bächen, Flüssen und Wasserfällen hauste Fossegrimen, der Meister der Trollfiedel, dem später manch närrischer Spielmann viele seiner Kunstfertigkeiten zu verdanken hatte.
In der kräftigen Aare draussen war der Draug zu finden, ein Seegespenst, dem viele Fischer im Orkan und bei Schiffbruch begegnet sind. In Hügeln und unbewohnten Häusern, in Schuppen und Ställen hielt sich eine Menge kleines Volk auf, Haugtusser, Tomter, Tuftekaller und Nisser, mit dem es sich gedeihlich zusammenleben liess, sofern man es gut behandelte.
In den Bergen, und Berge gab es viele, hausten die Trolle. Der mächtigste unter ihnen war Dovregubben. Einige erreichten riesenhaften Wuchs, Bäume und moosartige Wucherungen wuchsen auf ihren Köpfen und Nasen, andere dagegen waren eher klein. Es gab Trolle mit zwei, ja gar drei Köpfen. Einige besassen nur ein einziges Auge, dass mitten auf der Stirn sass. Und sie allen wurden sehr, sehr alt.
Trotz ihres furchterregenden Äusseren aber waren sie oft sehr gutmütig und so arglos, dass es schlauen Bauernburschen gelingen konnte, mit ihnen Scherze zu treiben.
Zu den vielen übernatürlichen Eigenschaften der Trolle zählte auch die Fähigkeit, eine andere Gestalt anzunehmen. Die Trollmädchen vermochten sich in überirdisch schöne Jungfrauen (Huldren) zu verwandeln. Es kam auch vor, dass die Trolle hübsche Sennerinnen zu sich in die Berge entführten. Und nur wenige dieser Entführten sind jemals wieder aufgetaucht. Durch diese Verschönerungs- und Verjüngungskünste angelockt, haben 1908 die Siedler ein Kurhaus hier errichtet, und von da an wohnen die Menschen und Trolle Tür an Tür – mit mehr oder weniger Erfolg.
Geriet ein Troll in Zorn, war dieser Zorn grenzenlos. Es war daher wichtig, friedlich mit den Trollen auszukommen. Gnade dem Muggel oder Cacher, der ihnen nicht den nötig Respekt zuteilen liessen.
Selbst in heutiger Zeit ist es angebracht, sich mit den Trollen gutzustellen. Denke also daran, wenn Du an ihren Spielplatz in den Wald hinauswanderst, hinauf in die Berge oder in die Nähe eines Wasserfalls oder Waldsees. Die Trolle werden Dir zwar wahrscheinlich nichts tun. Aber sei lieber vorsichtig. Denn: In der Dämmerung wirst Du nicht länger allein sein. Dann bist nur Du dort draussen. Und die Trolle.....
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