Sankt Veit an der Glan
Sankt Veit an der Glan ist
eine Stadtgemeinde mit 12.758 Einwohnern (Stand 1. Jänner
2010) und die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks in Kärnten,
Österreich.
Geografie
Geografische Lage
Die Stadt liegt auf einem
Schwemmkegel bei der Einmündung von Wimitz und Mühlbach in die
Glan, die südlich der Stadt das Zollfeld in Richtung Klagenfurt
durchfließt.
Gliederung
Sankt Veit ist in die sechs
Katastralgemeinden Galling, Hörzendorf, Niederdorf, Projern, St.
Donat und Tanzenberg gegliedert.
Geschichte
Der früheste Hinweis auf eine
Besiedelung im heutigen Gemeindegebiet ist das Fragment eines
karolingischen Flechtwerksteins in der Außenmauer des Karners bei
der heutigen Stadtpfarrkirche. Er gehörte zu einem
frühmittelalterlichen Bau ist, dessen genaue Lage ist jedoch nicht
bekannt. Einer Sage nach war die Schlacht gegen die Ungarn im Jahr
901 Anlass für die Gründung der Stadt.
Die erste urkundliche Erwähnung von
St. Veit als „ville Sancti Viti“ stammt aus dem
Jahr 1131 anlässlich der Festlegung des Sprengels der Diözese Gurk.
1137 kaufte das Bistum Bamberg den Hof zu St. Veit von
Markgraf Engilbert zurück, was darauf hindeutet, dass es
schon früher hier Land besessen und die St. Veiter Kirche erbaut
haben könnte. In welchem Jahr St. Veit in den Besitz des Herzogs
von Kärnten überging, ist unbekannt. Mit der Übertragung der
Vogteirechte über die St.-Veits-Kirche 1176 an Herzog Hermann von
Kärnten erlosch jedoch der Bamberger Einfluss. St. Veit wurde rasch
zum Zentrum des herzoglichen Besitzes in Kärnten. 1199 wurde St.
Veit als „forum“ (Markt) genannt. Die Herzöge
residierten zunächst auf der nahen Burg Freiberg.
Herzog Bernhard von Spanheim
(1202–1256) ließ den Ort ummauern und baute die Burg in St.
Veit aus, die urkundlich als Kastell bzw. als Palast bezeichnet
wurde. 1204 wurde eine Schule erwähnt. Ab 1205 stand dort die
herzogliche Münze (bis 1725). Bernhard führte eine glänzende
Hofhaltung: Er führte die vier erblichen Hofämter ein, 1214 weilte
Walther von der Vogelweide in St. Veit. 1220 wurde in der Münze die
älteste erhaltene Münze mit deutscher Inschrift geprägt. 1224
erhielt St. Veit das Stadtrecht mit eigenem Richter und zwölf
Geschworenen (Räten). 1277 kämpfte Ulrich
von Lichtenstein hier im Turnier. Nach dem Aussterben der
Spanheimer wurde 1286 Meinhard II. von Görz-Tirol Herzog, bei den
folgenden Aufständen wurde 1293 die Stadt schwer beschädigt. 1335
fiel das Herzogtum Kärnten an die Habsburger, St. Veit verlor seine
Bedeutung als Residenz. 1362 wurde der Stadt von Rudolf dem Stifter
ein Wiesenmarkt verliehen, der heute noch jährlich stattfindet.
1399 bekam die Stadt das
Niederlagsrecht für das Hüttenberger Eisen, was den Handel und
damit die ganze Stadt aufblühen ließ. Im 15. Jahrhundert wurden die
zwölf Geschworenen ersetzt durch einen Innenrat und einen Rat
der Acht. Ab 1447 verfügten Richter und Rat auch über die
Blutgerichtsbarkeit.
Zwischen 1473 und 1492 gab es fünf
Einfälle der Türken, 1480 eine Belagerung durch die Ungarn, 1497
brannte die Stadt nieder. 1518 verlegten die Landstände die
Hauptstadt nach Klagenfurt, kurz darauf wurden der Sitz von
Landeshauptmann, Vizedom,
Gerichts- und Hofeidigen, Landesrecht und Landtag dorthin verlegt.
In St. Veit verblieben die Händler und die Gewerken. 1550 wurde
hier die erste Papiermühle des Landes errichtet. 1578 wurde in der
nahen Urtl eine moderne Hochofenanlage erbaut. Um 1600, zu Beginn
der Gegenreformation, wurde die heute noch bestehende
Trabantengarde gegründet. Obwohl St. Veit während der Reformation
fast vollständig protestantisch wurde, liefen Reformation wie auch
Gegenreformation ohne große Ereignisse ab.
1713 und 1715 wütete die Pest in St.
Veit, 1747 brannte die Stadt nieder. Im 18. Jahrhundert wurde die
Eisenindustrie forciert, 1783 jedoch hob Joseph II. die
Handelsprivilegien auf, was zum wirtschaftlichen Niedergang führte.
1830 zählte die Stadt nur 1500 Einwohner, nachdem sie im
Mittelalter 3000 Einwohner hatte. Mit dem Bau der Rudolfsbahn im
19. Jahrhundert und dem einsetzenden Holzhandel setzte eine
wirtschaftliche Erholung ein.
Im Rahmen des Putschversuches der
Nationalsozialisten 1934 kam es auch in St. Veit zu schweren
Gefechten. Den rund 900 Bewaffneten gelang es jedoch nicht, die
Stadt vollständig zu besetzen. Im Raum St. Veit gab es 13 Tote.
Bevölkerung
Laut Volkszählung 2001[1] hat
Sankt Veit 12.839 Einwohner, davon sind 92,5 %
österreichische, 2,3 % jugoslawische und 2,2 % bosnische
Staatsbürger. 74,0 % der Bevölkerung bekennen sich zur
römisch-katholischen, 8,6 %
zur evangelischen Kirche und 4,3 % sind islamischen Glaubens,
10,2 % ohne religiöses Bekenntnis.
Kultur und
Sehenswürdigkeiten
Museen
- Das Museum für Verkehrs- und Stadtgeschichte am Hauptplatz in
Sankt Veit entstand 2003/2004 als Zusammenfassung mehrerer
Vorgängerinstitutionen wie z. B. dem Stadtmuseum in der Burg
(gegr. 1886), dem Trabantenmuseum im ehemaligen Bürgerspital und
dem Verkehrsmuseum (gegr. 1982) im Rathaus und danach in der
ehemaligen Haushaltungsschule (ab 1987). Das Museum St. Veit wird
vom Verein Verkehrsmuseum St. Veit und der Stadtgemeinde St.
Veit gemeinsam geführt. Es präsentiert auf einer Fläche von 1000 m²
in drei Etagen über 3000 Exponate zur Verkehrsgeschichte, dem Post-
und Fernmeldewesen und der Stadtgeschichte.
- Am St. Veiter Westbahnhof befindet sich das Museumsheizhaus der
Nostalgiebahnen in Kärnten (NBiK)
Bauwerke
- Auf dem etwa 200 auf 30 m großen Hauptplatz befinden sich
eine Pestsäule (1715/16) und zwei Brunnen (Vogelweide-Brunnen und
Schüsselbrunnen).
- Das spätgotische Rathaus am Hauptplatz ist ein
dreigeschossiger, sechsachsiger, im Kern gotischer Bau mit
Kielbogenportal und aufwändig gestalteter Fassade.
- Die Stadtpfarrkirche Hl. Veit, erstmals 1131 urkundlich
erwähnt, ist eine große, in ihren Grundzügen spätromanische und in
ihrer heutigen Gestalt spätgotische Chorturmkirche. Die heutige
Außenansicht geht auf eine grundlegende Wiederherstellung nach
einem Brand im Jahr 1829 zurück. An der Westwand befinden sich
mehrere Grabdenkmäler aus dem 15. bis 18. Jahrhundert.[3]
- Der Karner Hl. Michael
südlich der Stadtpfarrkirche am ehemaligen Friedhof ist im Kern ein
romanischer Rundbau des 13. Jahrhunderts (urkundlich 1275 und 1359
genannt) und wurde früher als Beinhaus verwendet. Seit 1930 dient
er als Kriegergedächtnisstätte. Die von Switbert Lobisser 1930
vorgenommene Ausmalung im Inneren wurde 1958 übertüncht.
- Die Klosterkirche Unsere Liebe Frau südwestlich des
ehemaligen Bürgerspitals wurde 1323 als Kirche eines durch Konrad
von Auffenstein und seiner Frau Diemut gegründeten
Klarissinnenklosters urkundlich erwähnt. Das Kloster war 1542 ein
Armenspital, 1622 wurde es den Jesuiten zugesprochen und 1640 den
Franziskanern übergeben. Zwischen 1640 und 1648 wurden die
Konventbauten neu errichtet, die Kirche wurde 1648 neu geweiht. Das
Kloster wurde 1768 durch Kaiser Joseph II. aufgehoben. 1863 wurde
der Ostflügel des ehemaligen Klosters abgetragen, der Rest als
Schule instandgesetzt. Die Kirche wurde 1963/64 restauriert.
- Die Kalvarienbergkirche Maria Loretto, urkundlich 1658
erwähnt, steht auf einem Hügel nordwestlich der Innenstadt.
- Das ehemalige Bürgerspital mit Spitalskirche Hll. Martin und
Elisabeth (später Hl. Joseph), urkundlich 1321 erstmals
genannt, liegt außerhalb der Altstadt vor dem ehemaligen Villacher
Tor.
- Herzogsburg mit Wohnflügel, ehemaliges landesfürstliches
Zeughaus. Die Burg wird heute für kulturelle Veranstaltungen
(Konzerte, Vernissagen, Theater) genutzt.
- Der Hauptbahnhof ist ein von Hans Granichstaedten in den Jahren
1911 bis 1913 errichtetes langgestrecktes, ein- bis
zweigeschossiges Bauwerk im späthistorischen Stil. Das
repräsentativ gestaltete Abfertigungsgebäude weist ein steiles, zur
Hauptschauseite ausgebautes Dach mit Ziergiebel und vorspringendem
Glockenturm mit Ziergesims und oktogonalem Laternenaufsatz auf. Die
Bahnsteige in Eisenkonstruktion entstammen aus der Bauzeit.
- Das Schwarzfurter Kreuz, erbaut im Jahre 1603 und 1656
in der Beschreibung der Burgfriedbereitung erwähnt - war ein
Grenzpunkt der St. Veiter Gerichtsbarkeit. Die Idee zur
Neuerrichtung dieses Kreuzes stammt vom Verschönerungsverein Sankt
Veit und wurde gemeinsam mit der Stadtgemeinde verwirklicht. Der
Vitus im Ölfass aus Sölker Marmor wurde
vom Künstler Herbert Unterberger aus Hermagor gestaltet.
- Der Ernst Fuchs-Palast ist ein von Ernst Fuchs
gestaltetes, kontroversiell beurteiltes Hotelgebäude
- Industriearchitektur FUNDER Werk 3 von Coop Himmelblau, naturbelassenes Projekt
„Natur muss wachsen“, Ortsteil St. Donat
- Fassade und Fundernovum von Günther Domenig FunderMax Werk II
im Ortsteil Glandorf
Regelmäßige
Veranstaltungen
- St. Veiter Wiesenmarkt seit 1362
- Kalter Markt seit 1653
- Ostermarkt seit 1844
- Veitsmarkt seit 1170
Wirtschaft und
Infrastruktur
Ansässige Unternehmen
Im Industriepark St. Veit/Glan hat
sich rund um die dort ansässigen Leitbetriebe der Schwerpunkt
Solarindustrie entwickelt. Neben der Holzplattenproduktion der
Firma Funder befindet sich in St. Veit/Glan die Zentrale des
Uhren-Hersteller Jacques Lemans, der auch
die Uhren für die Formel 1 produziert.
Verkehr
In St. Veit treffen Bahnlinien aus
drei Richtungen – Friesach, Feldkirchen und Klagenfurt
– zusammen.
Politik
Stadtrat und
Bürgermeister
Der Stadtrat (Stadtregierung) von
St. Veit hat sieben Mitglieder. Bürgermeister ist seit 1988 Gerhard
Mock (SPÖ).
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 31
Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 wie folgt
zusammen:
- 17 SPÖ
- 8 BZÖ
- 5 ÖVP
- 1 Grüne
Wappen
Die Führung eines Siegels ist für
St. Veit seit dem Jahr 1269 nachweisbar (Erwähnung am 15. Mai
1279), und an einer Urkunde vom 3. Oktober 1281 erhalten. Während
in dieser Ausführung der Stadtpatron lediglich in einer
zweizeiligen Umschrift dargestellt ist, wurde bereits wenige Jahre
später ein Siegel mit dem Brustbild des Heiligen in einem von einem
Turmpaar flankierten Torbogen verwendet.
Ab dem 16. Jahrhundert zeigten die
Darstellungen den Stadtpatron mit gefalteten Händen in einem Kessel
sitzend, im Jahr 1900 kehrte man jedoch zur alten Darstellung aus
dem ausgehenden 13. Jahrhundert zurück, die die Stadtgemeinde durch
Gemeinderatsbeschluss am 4. Juli 1961 förmlich annahm. Die amtliche
Blasonierung des Stadtwappens lautet wie folgt:
„Im blauen Schild ein von zwei silbernen, schwarz
gerauteten (gegitterten), oben mit einer doppelten, in der Mitte
mit einem einfachen Wasserschlangengesims versehenen und mit einer
goldenen Kugel besetzten romanischen Türmen flankierter Torbogen,
der das Brustbild des heiligen Veit in rotem Chorrock, weißem Hemd
mit goldener (gelber) Stola und goldenem Heiligenschein umschließt.
In der Rechten hält der Heilige einen großen Palmzweig, während die
linke Hand segnend erhoben ist. Oberhalb des mit der Inschrift S.
Vitus versehenen und mit einer goldenen Kugel besetzten, schwarz
gerauteten (gegitterten) Torbogens befinden sich zwei goldene
Sterne.“
Die Fahne ist Weiß-Blau-Gelb mit
eingearbeitetem Wappen.
Städtepartnerschaften
- Haltern am See (Deutschland)
- San Vito al Tagliamento (Italien)
Viel Spass bei der Suche wünscht
euer Jacky!!!!!