Die Gutleutkaserne verfiel zunehmend. Während
die Denkmalschützer des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt die
Kasernenanlage erhalten wollten, war der Magistrat von den
Restaurierungsplänen nicht begeistert. Vor allem die SPD plädierte
dafür, das „Sinnbild für die Unfreiheit Frankfurter Bürger"
zu schleifen und stattdessen mit dem Bau neuer Wohnungen Impulse
für eine Sanierung des Gutleutviertels zu geben. 1978/79 wurde die
Anlage gegen den Widerstand der Denkmalfachbehörden abgebrochen.
Die Erhaltung des städtebaulich wichtigen Kopfbaus zur
Gutleutstraße konnte schließlich erreicht werden. Er wurde 1979
unter Denkmalschutz gestellt. Während der mühevoller Planungen
darüber, was aus der Kaserne einmal werden sollte, stand sie leer
und gammelte weiter vor sich hin.
Die Frankfurter Neue Presse berichtete: Endlos lang scheinen die
Gänge, eintönig von Stockwerk zu Stockwerk, immer das gleiche Bild.
Müll, Dreck, herabgefallener Putz: Wer durch die seit fast einem
Jahr verlassene Gutleutkaserne geht, hinterlässt Fußspuren in
Staub. Zimmer reiht sich an Zimmer. Leer und in schier
unterträglich knalligen Farben gestrichen…."
Allerdings leer war die Kaserne nicht so ganz. Trotz der
beschädigten schmutziggelben, mit Sandsteinquadern durchsetzten
Backsteinmauern und zerbrochenen Fensterscheiben, fand sie im Laufe
der Zeit Nutzer. Wohnsitzlose hielten hier rauschende Partys und
fanden ein trockenes gemütliches Nachtquartier. Selbst ein
„Tatort" wurde hier gedreht. Auch fand Günther Strack mit
einem Fernsehteam des ZDF für eine Krimiserie hier einen Drehort.
Auch eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die sich „Die
Ducky-Boys" nannten, hatten sich die Gutleutkaserne zu ihrem
Treffpunkt auserkoren. Vielleicht waren diese der Ursprung des
Gedankens des 1983,anläßlich einer amerikanischen Militärflugschau
zu Tode gekommenen Frankfurter Stadtjugendpfarrers und seit 1981
Pfarrer der ehemaligen Gutleutgemeinde und seiner Familie, die
Kaserne, auch wegen der vorhanden Turnhalle, teilweise für ein
Jugendzentrum zu benutzen.
Mit dem Abriss aller Kasernengebäude 1979/80, natürlich bis auf den
Kopfbau, verschwanden auch die „Ducky-Boys" wieder. Auch das
Ansinnen des am 22. Mai 1983 von einer kanadischen
Militär-flugzeugs mit seiner Familie erschlagenen Pfarrers der
ehemaligen evangelischen Gutleutgemeinde, Martin Jürges, die
Kaserne mehr für die Öffentlichkeit zu nutzen und darin auch ein
Jugendzentrum zu errichten, wurde bei der Planung nicht
berücksichtigt.
Der
Betsaal
Eine Besonderheit in der Kaserne 1 war
der Betsaal, der durch zwei Geschosse reicht und in ganzer Tiefe
das Gebäude einnimmt. In ihm hielten die verschiedenen Konfessionen
ihre Gottesdienste ab und es fanden dort Feiern statt. Infolge der
Hygienevorstellungen der Amerikaner war er immer wieder
„überpinselt" worden. Unter mehr als einem Dutzend Öl- und
Dispersionsanstrichen fanden sich bei der Restaurierung
aussagekräftige Reste der ursprünglichen Farbgebung in
Leimfarbentechnik. Auf der Basis der Befunde wurde die Neufassung
wieder in Leimfarbentechnik rekonstruiert. Ebenso wurden Reste von
heraldischen Motiven der Bogenfriese in der Durchfahrt unterhalb
des Betsaales freigelegt, gefestigt und schonend retuschiert. Die
Wandflächen wurden nach freiem Entwurf marmorisiert, da kein Befund
über ehemalige Wandmalereien festzustellen war.
Heute
Im Jahre 1985
renovierte man die Backsteinfassade des Gebäudekomplexes. 1994
wurde nach fünfjähriger Umbauzeit aus dem ehemaligen Militärbau ein
Behördenzentrum. Heute sind dort u.a. mehrere Finanzämter, das Amt
für Straßen- und Verkehrswesen Frankfurt der Hessischen Straßen-
und Verkehrsverwaltung sowie das Hessische Landesarbeitsgericht
untergebracht.
Weitere Informationen
findet ihr hier
oder im folgenden Buch:
Martin
Strippel, Das Infanterie-Kasernement
-
Die Gutleutkaserne zu Frankfurt am Main 1877 - 1980, August
1994
Und zum Schluss noch das
Übliche:
Muggel-Allarm
- Bitte gaaaaanz vorsichtig und unbemerkt heben
Muggles
Alert - Please be very carefully and unnoticed, when you grab the
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