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Die Luftschutztürme der Bauart Winkel (benannt nach dem Erfinder Leo Winkel) wurden im Zeitrahmen 1936 bis 1941 in ganz Deutschland gebaut und dienten zumeist dem Luftschutz in Kasernen, in Ausbesserungswerken der Reichsbahn und auf Werksgeländen.
Völlig neu war dabei das Konzept der oberirdischen Bunkerkonstruktion.Diese hatte den Vorteil, dass die Bauphase besser geplant werden konnte, da auf aufwändige Tiefbauarbeiten verzichtet werden konnte. Zudem konnte die Explosionswirkung bei einem Treffer nach allen Seiten wirken, so dass die Trefferwirkung auf den Bunker geringer war. Allerdings war der Betonverbrauch pro Schutzplatz deutlich höher als bei unterirdischen Bunkern, so dass der Bau von Winkeltürmen im November 1940 nicht mehr zulässig war, ab 1942 jedoch noch einmal zugelassen wurde.
Ein Winkelturm bestand aus bis zu 15 Ebenen, auf denen ringförmige Sitzbänke angeordnet worden, die bis zu 500 Personen Platz boten. Die Stockwerke dabei waren mit Leitern verbunden, in den Turm selber führten zwei Eingänge. Die Türme besaßen eine handbetriebene Belüftung, für den Fall eines Gasangriffes war diese mit Luftfiltern der Fa. Dräger ausgestattet, die entweder im obersten oder im untersten Geschoß platziert waren. Es ist lediglich ein Bombentreffer dokumentiert, doch auch bei dem Volltreffer auf einen Solinger Winkelturm blieben Schäden im Inneren aus, so dass auch keine Toten oder Verletzte zu beklagen waren.
Von über 200 erbauten Türmen stehen heute noch rund 75, dabei weist Gießen mit acht Exemplare die höchste Dichte auf. Die meisten Türme wurden in der Nachkriegszeit entfernt, doch die Gießener lagen zu nahe an von den Amerikaner weiter genutzten Gebäuden, die durch eine Sprengung nicht unversehrt geblieben wären.
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