Wir befinden uns im Jahre 259 n.Chr. Ganz Noricum ist von den Römern besetzt. Noricum wurde von großen Hauptstraßen durchzogen. Die bedeutendste war die Ost-Weststraße, welche sich von Vindobona (Wien) über Ovilava (Wels) nach Augusta Vindelicum (Augsburg) zog. In Ovilava kreuzte sie die Süd-Nord-Route - die Via Norica - die an der Adriaküste bei Aquileia ihren Ursprung nahm und sich über die norische Hauptstadt Virunum u.a. über den Pirdononsis (Pyhrnpass) zog, der im Süden durch Stiriate (Liezen) und im Norden durch Gabromagus begrenzt war.
Zahlreiche Poststationen waren an der Via Norica angeordnet, u.a. auch in Gabromagus, wo der kleine Marius Secundus zusammen mit seinen Geschwistern Julius und Livia lebte. Mit seinen zwölf Jahren hatte er in dieser Poststation schon viele Leute getroffen. Viele blieben nur eine Nacht, aber manchmal kamen auch Händler vorbei, welche ein paar Tage blieben und hier ihre Waren verkauften, bevor sie zum nächsten Ort weiterzogen. Während viele sich geschafft von der anstrengenden Passage zurückzogen, waren manche dazu bereit, den Kindern Geschichten aus fernen Gegenden zu erzählen. Einmal würde auch Marius die fremden Orte weitab der Via Norica bereisen.
Gegen Ende eines Tages kam ein Reiter vorbei, der die Uniform eines Legionärs trug. Marius und seine Geschwister beobachteten gespannt, wie sich der Reiter hektisch mit ihrem Vater, dem Leiter der Poststation, unterhielt. Als der Reiter wieder in dieselbe Richtung davonritt, aus der er gekommen war, gingen sie hinüber zu ihrem Vater und wollten von ihm wissen, was dieser seltsame Bote wohl mit ihm gesprochen hätte. Als der Vater ihnen eröffnete, dass in Kürze eine römische Legion, die Legio I. Noricorum, auf dem Durchmarsch von Virunum Richtung Nordgrenze des römischen Reiches hier Halt machen wolle, waren die Kinder in Aufregung versetzt. Eine echte römische Legion sieht man ja nicht alle Tage - eigentlich hatten die Kinder noch nie eine römische Legion zu Gesicht bekommen!
Als der Vater ihre Aufregung bemerkte, warnt er sie davor, mit den Legionären - wenn sie vor der Poststation lagerten - in Kontakt zu treten, denn Legionäre seien wilde Gesellen und man wüsste ja nie, wie sie reagieren, wenn sie durch die Kinder belästigt werden. Sie sollen sich gefälligst von den Soldaten fern halten.
Doch wie es nun mal in der Natur des Menschen und insbesondere in jener von Kindern liegt, ist der Reiz des Verbotenen nur allzu verlockend - kurz: die Aussicht darauf, sich mit echten Legionären unterhalten zu können, ließ den Kindern praktisch keine andere Wahl. Als der beeindruckend lange Tross der Legion sich auf der Via Norica näherte und an ihnen vorbei zum nächstgelegenen Feld marschierte, beschlossen die Kinder zu warteten, bis die Legionäre ihr nächtliches Lager aufgeschlagen hatten, um sich danach ins Lager zu schleichen.
Dank ihrer geringen Größe gelang es ihnen in der Dämmerung, sich an den vom langen Marsch müden Wachen vorbei zu schleichen und das Zeltlager zu betreten. Gebannt schlichen sie von Zelt zu Zelt, um sich dem Zentrum des Lagers zu nähern. “He, ihr da! Was macht ihr hier im Lager?” Wie ein Blitz führen ihnen diese Worte in die Knochen. Als sie sich umdrehten, stand vor ihnen ein grimmiger Legionär. An die mahnenden Worte ihres Vaters denkend, wurde ihnen ganz mulmig zumute. “Verschwindet, bevor ich euch übers Knie lege!” schimpfte der Legionär wohl zu laut, denn gleich kam ein weiterer Legionär hinzu. “Halt! Diese Kinder dürften wohl kaum eine Bedrohung darstellen. So viel Mut soll belohnt werden. Kommt, ich zeige euch das Lager!” Offensichtlich handelte es sich hier um einen ranghohen Offizier, denn der Legionär trat sofort zur Seite und nahm Haltung an.
Der Offizier führte sie im Lager umher und erklärte ihnen dies und das aus dem täglichen harten Leben eines Legionärs. Wie sollte es auch anders sein - Marius und sein um ein Jahr jüngerer Bruder waren so beeindruckt, dass sie auf der Stelle im späteren Leben eine Legionärslaufbahn einschlagen wollten. Als sie am Lagerfeuer Platz nahmen, fragten sie den Offizier, wieviel man wohl verdiene als Legionär.
Der Offizier begann bedächtig zu erzählen:
"Das Streben nach Reichtum erfordert große Weisheit. Nicht jeder kann seinen Erfolg in der Schlacht auch wirklich in Geld umsetzen. Ich will euch dazu eine Geschichte erzählen: Vor vielen Jahren lebte ein berühmter römischer Feldherr, er hieß Lucius Valerius. Er war ein ausgezeichneter Taktiker und blieb in vielen Schlachten ungeschlagen. Für das Imperium Romanum errang er mit seinen Truppen einen Sieg nach dem anderen. Dadurch gelangten nicht nur riesige Landstriche in den Besitz des Kaisers, es wechselten auch Schmuck, Münzen und andere Kostbarkeiten den Besitzer. In die kaiserliche Schatzkammer flossen unsägliche Reichtümer.
Als Lucius Valerius alt wurde und seine Kräfte schwanden, wandte er sich an den Kaiser und sprach: 'Majestät, mein Leben lang habe ich euch treu und ergeben gedient. Für das große Imperium habe ich unzählige Siege errungen. Nun bin ich alt und müde. Ich sehne mich nach Ruhe in meinem bescheidenen Landhaus. Doch konnte ich während meines abenteuerlichen Lebens im Dienste Roms keine Vorsorge für meinen Ruhestand treffen - um es mit anderen Worten zu sagen: ich bin arm.' Der Kaiser hörte seinem Feldherrn aufmerksam zu und meinte: 'Mein lieber Lucius Valerius. Du hast mir in der Tat treu gedient und dem römischen Reich unschätzbare Dienste erwiesen. Ich will dir einen ruhigen Lebensabend ermöglichen. Welche Summe wirst du dafür benötigen, mein Freund?' Lucius Valerius überlegte kurz und antwortete: 'Eine Million Dinar, Herr, würden wohl reichen.' Nun müsst ihr wissen, Kinder, dass der Kaiser ein gieriger, auf seinen Vorteil bedachter Mann war, der seine Reichtümer mit niemandem gerne teilen wollte. Reich war der Kaiser wohl: in seiner Schatzkammer häuften sich 10 Millionen Kupferasse. Ein As ist eine Münze, deren Wert ein Zehntel eines Dinars beträgt.
Jetzt dachte also dieser reiche, aber geizige Kaiser über die Forderung von Lucius Valerius nach. Nach einiger Zeit sprach er: 'Mein treuer Feldherr. Ich will dich für deine Dienste reichlich belohnen. Du sollst täglich in meine Schatzkammer gehen, dort eine Münze holen und diese hier in meinen Thronsaal bringen. Die erste Münze ist ein As. Am nächsten Tag wird mein Schatzmeister eine Münze im Wert von zwei As für dich anfertigen, die genau doppelt so schwer ist wie ein As. An jedem weiteren Tag wird sich der Wert der Münze und damit deren Gewicht wieder verdoppeln. Du bekommst also am dritten Tag eine Münze im Wert von vier Assen, am vierten Tag eine im Wert von acht Assen usw. Jeden Tag wirst du kommen und deine Münze von der Schatzkammer in den Thronsaal bringen, solange deine Kräfte reichen. Niemand darf dir dabei helfen und wenn du merkst, dass du die Münzen nicht mehr herzubringen vermagst, hörst du auf. Alle Münzen, die bis dahin im Thronsaal liegen, gehören dir. Was hältst du von diesem Angebot?'
Lucius Valerius hatte eine lebhafte Fantasie. Vor seinem inneren Auge sah er Berge von immer größer und schwerer werdenden Münzen, die alle ihm gehören sollten. Ohne lange Nachzudenken nahm er das Angebot an.
Nun frage ich euch, Kinder, war diese Entscheidung klug?"
"Aber natürlich!" rief Julius begeistert. "Stellt euch bloß vor, welchen Wert die Münzen nach einigen Tagen schon haben. Dieser Lucius Valerius hatte großes Glück." Seine Schwester Livia, ein intelligentes und besonnenes Mädchen, dachte etwas länger über die Frage des Offiziers nach. Schließlich meinte sie: "Kannst du mir sagen, wie schwer ein As ist?" "Das ist eine gute Frage, kleine Dame.", lobte der Offizier, "Ein As wiegt 5 Gramm." Nun mischte sich auch Marius Secundus in das Gespräch ein. "Ich glaube, ich weiß, wo der Haken an dem Angebot liegt. Aber bevor ich euch das erkläre, muss ich ein wenig rechnen." Wohlwollend sah der Offizier dem kleinen Rechenmeister und seinen Geschwistern zu.
Nach einiger Zeit waren die Kinder zu einem Ergebnis gekommen. Aufgeregt begann Marius zu erklären:
"Lucius Valerius mag zwar ein guter Feldherr gewesen sein, in finanziellen Belangen war er jedoch mehr als ungeschickt. Wir haben berechnet, dass die Münze am A-ten Tag bereits schwerer war als ein Kilogramm.
Am B-ten Tag hatte die Münze einen Wert von C Assen und wog schon so viel wie ein erwachsener Mann, nämlich 81 kg und 920 g.
Wahrscheinlich musste der Feldherr am Tag darauf die Münze schon rollen und selbst wenn er dafür seinen Speer als Hebel verwendete, konnte er dieses Spiel wohl allerlängstens bis zum 18. Tag fortsetzen. An diesem Tag lagen im Thronsaal Münzen mit einem Gesamtwert von D Assen.
Der geizige Kaiser musste dem leichtgläubigen Feldherrn also bei weitem nicht die geforderte Million Dinar auszahlen. Was Lucius Valerius tatsächlich bekam, war nur ungefähr ... [die Hälfte > E = 84555, ein Viertel > E = 85444, ein Vierzigstel > E = 54888, ein Hundertstel > E = 48555] davon. Er hat sich von seiner Gier blenden lassen - das wäre uns nicht passiert."
Beeindruckt hörte der Offizier den Ausführungen zu: "Ihr seid für euer Alter sehr weise. Besonnenheit und kritisches Denken - das sind Eigenschaften, die einen wahrhaft klugen Feldherrn ausmachen. Und natürlich eine wahrhaft kluge römische Dame." fügte er mit einem Seitenblick auf Livia hinzu. "Es hat mich gefreut, hier in Gabromagus eure Bekanntschaft zu machen. Denkt immer an den unklugen Lucius Valerius und achtet darauf, dass euch nicht ein ähnliches Schicksal widerfährt."
Als der Abend immer weiter fortschritt, beschloss der Offizier, dass es nun Zeit wäre, dass die Kinder zurück zur Poststation gingen. Als sie das Lager verließen und zur Station gingen, wartete dort schon ihr Vater auf sie, merkbar verstimmt darüber, dass sie ihm nicht gehorcht hatten. “Das wird wohl wieder ein ordentliches Donnerwetter und unangehme Konsequenzen nach sich ziehen”, dachte Marius. Doch wirklich beeindrucken konnte ihn das nicht, denn heute Nacht träumte er glücklich von seinem zukünfigten Leben als Legionär.
Wenn auch du das hinterlistige Angebot des geldgierigen Kaisers durchschaut hast, kannst du dich nun auf die Suche nach deiner Belohnung machen. Diese ist zwar nicht groß (es handelt sich um einen Nano), aber wie wir ja soeben gehört haben, sind es nicht immer die großen Dinge, die zum wahren Glück führen.
- N 47° (D - (B^2)*(A^3) - E)
- E 014° (C + B*199 + 5)
Deine Lösung für die Koordinaten dieses Rätsels kannst du auf geochecker.com überprüfen. Geochecker.com.