Das Straußen-Ei
Es ist eine etwas ärgerliche Geschichte. Friedrich August I., bekannt als der Starke, hatte ja hochtrabende Pläne. Eine großzügige Menagerie zur Haltung exotischer Vögel sollte es werden und es wurde eine Afrika-Expedition ausgestattet, um die Tiere nach Sachsen und nach Moritzburg zu bringen. Aber nicht nur, dass August das Zeitliche segnete, als die Expedition in Afrika fleißig beim Suchen war. Nein, sie wurde zurück beordert und hatte wohl noch lange nicht alle gewünschten Raritäten eingefangen. Für Moritzburg reichte es dann gerade mal für ein Straußengehege.
nicht in Moritzburg
Die Strauße fühlten sich dennoch ganz wohl in der neuen Umgebung. Und wenn sich eine Straußenhenne wohl fühlt, dann legt sie ein Ei. Aber nun kommt es: Friedrich August II., Sohn und Nachfolger vom starken August, hatte wenig mit Straußenzucht und Straußenfarm im Sinn. Dieses erste Ei sollte gegessen werden, ja er versprach sogar dem Grafen Heinrich von Brühl, es auf dessen Hochzeitstafel zu servieren – als Eierkuchen versteht sich.
Er führte den Grafen, den er später zu seinem Premierminister machte, höchst eigenhändig zum Altar in der Moritzburger Schlosskapelle, das Ei aber hat er später im Dresdner Schloss nur für sich und seine Frau servieren lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er mit ihr bereits 10 Kinder gezeugt und es sollten noch fünf weitere nachfolgen. Im Grunde hatten die beiden es nicht nötig, das Ei alleine zu essen.
Straußeneipokal
Aus der Hülle des Eies entstand der legendäre Straußeneipokal, der heute noch im Grünen Gewölbe ausgestellt wird. Soviel zum Ei. Von der Straußenfarm in Moritzburg ist heute eigentlich nichts mehr zu finden. Mit dem Fasanenschlösschen hatte sie nichts zu tun. Insidern ist der Ort noch bekannt – es gab dort ein kleines, feines Café. Allerdings ist auch das mittlerweile Geschichte, nur der Name erinnert noch daran. Ich jedenfalls habe in der Gegend ein Ei versteckt, vielleicht nicht ganz so groß wie vom Strauß, dafür innen hohl.
Auf dem Gelände werden zur Zeit übrigens Schafe gezüchtet.
Chronik:
Friedrich August I. von Sachsen (12. Mai 1670 – 1. Feb. 1733)
Sächsische Afrikaexpedition (Beginn Nov. 1731, am 16. Feb. 1732 in Algier afrikanischen Boden betreten, in Tunis erreichte sie die Nachricht vom Tod Augusts des Starken und die Aufforderung, in die Heimat zurückzukehren, da dessen Nachfolger zu einer Fortsetzung der Finanzierung nicht bereit war.)
Friedrich August II. von Sachsen (17. Okt. 1696 – 5. Okt. 1763)
Graf Heinrich von Brühl (13. Aug. 1700 – 28. Okt. 1763, am 29. April 1734 Heirat mit Gräfin von Kolowrat-Krakowsky)
Nicht an Gebäuden suchen. Der Cach liegt auf Privatgrund, aber der Verantwortungsträger ist informiert.