Das Waschweiblein von
Kleusheim
Der Besitzer eines stattlichen Bauernhofes bei
Neuenkleusheim vertraute einer alten Dienstmagd beim Sterben sein
Testament an.
Verführt durch den reichen Besitz änderte sie das
Testament, sodass sie Erbin ward.
Seitdem war es mit ihrem Glück und Frieden
vorbei.
Sie starb schon bald darauf, und ihre
schuldbeladene Seele musste ruhelos am Orte des ungerechten
Besitzes umherwandeln.
Sobald die Mitternachtsstunde erdröhnte, entstieg
sie dem finsteren Grabe, und stöhnend wanderte sie den Weg zum
Steinchen, wo die Olper Straße den Kleusheimer Bache
berührt.
Dort hat man sie oft in mittelnächtlicher Stunde
seufzend sitzen gesehen, wie sie den gefälschten Erbbrief am Wasser
zu waschen versuchte.
Darum nannte man sie das
Waschweiblein.
Bisweilen auch fühlte der fliehende Wanderer die
schuldige Seele auf seiner Schulter und hörte sie stöhnen:
„Rette mich!“ Und erst beim Kreuze am Wege entfloh sie
und kehrte zum Steinchen zurück, von neuem den Erbschein zu
waschen.
Erst seitdem ein Priester mit dem Allerheiligsten
um Mitternacht zum Kranken ging und am Steinchen vorbeikam, ist was
Waschweiblein für immer verschwunden.