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Difficulty:
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Terrain:
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Size:
 (micro)
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Kurz bei das Wohnhaus von Brückbergs Josef.
Nabei het woonhuis van Brückbergs Josef
Près du maison de Brückbergs Josef.
Angebracht zur seiner Ehren.
Ter ere van josef geplaatst
Placer a l'honneur de Josef
Voir - Sehe - Zie Weywertzer Tour
Dikke proficiat
March 30 by urban vlo (2993 found)
#2992# @ 20.25 uur
First To Find
Ein Eifeler Original wurde zu Grabe getragen
Von Kurt Fagnoul
Am 13. Oktober 2001 läuteten die Glocken für Josef Sariette aus Weywertz. Der Verstorbene war weit und breit als Bröckbergs Josef besser bekannt. Er war unter dem Sternzeichen Waage geboren worden und der Monat Oktober spielte in seinem Leben eine ganz besondere Rolle, denn am 14. Oktober 1924 wurde Josef als ältestes von drei Kindern auf dem Brück-berg in Weywertz geboren. Am 26. Oktober 1998 erlitt er einen Gehimschlag, und man überführte ihn nach Malmedy ins Krankenhaus. Am Kirmesmontag, den 8. Oktober 2001 brachte man ihn noch einmal zum Brückberg, einem Fleckchen Erde, das er so geliebt hatte. Die beiden Krankenhaus-Seelsorger Rektor Henri Dethier und Frere Joseph begleiteten ihn. Was bei diesem Abschiednehmen in ihm vorgegangen sein muss, das kann man sich nicht ausmalen! Im Juni 1990 hatte ich dem freundlichen Sonderling einen Besuch abgestattet. Ich erinnere mich noch gut an diesen sonnigen Sommertag. Als ich mit meinem Tonbandgerät aus dem Auto stieg und ein wenig zurückhaltend die Umgebung in Augenschein nahm, fragte ich mich, ob denn hier wohl noch jemand wohnen sollte. Die Haustür, die vor vielen, vielen Jahren vielleicht einmal frisch gestrichen gewesen war, stand halbwegs offen. Als ich mich dem Eingang näherte, löste sich eine gespenstische Gestalt aus dem dichten Gebüsch auf der gegenüberliegenden Straßenseite und rief mich an. Also doch! Bröckbergs Josef war zu Hause und hatte mich von seinem Späherposten aus beobachtet. Nun stand er leibhaftig vor mir. So sieht ein Mann aus, der mit der Einsamkeit kämpft und der sich als Naturmensch bezeichnet. Ein echter Struwwelpeter, so wie er in dem Kinderbuch dargestellt ist. Als ich ihm meinen Wunsch mitteilte, mit ihm vor dem Mikrofon ein persönliches Gespräch zu führen, willigte er ein und wir begaben uns ins Haus. Draußen an der Mauer stand ein Rind, das an einem Haken angebunden war. Als ich ihn fragte, ob er denn in seinem Alter noch immer aktiv sei, sagte er mit angehobener Stimme: "Ich muss doch die Zeit totschlagen. Die Langeweile ist mein schlimmster Feind!" Das hatte ich nicht erwartet, dass wir so schnell ins Gespräch kommen würden. Die Eifeler Mentalität ist doch eine ganz andere, misstrauisch und wortkarg. Bröckbergs Josef hatte eine sanfte, tiefe Stimme und seine Worte verrieten mir eine ihm nicht zugetraute Intelligenz! Im Grunde seines Herzens wollte Josef nie Bauer werden, doch als er herangewachsen war, hatte sein Vater zu ihm gesagt: "Du gehst jetzt Mist spreiten und wirst Bauer!" Er hatte nichts gegen den Beruf des Landwirten, doch in seinem Unterbewusstsein spürte er, dass auch noch andere Fähigkeiten in ihm schlummerten. Ja, so war das früher. Da durfte und konnte meist nur der lernen, der Pastor werden wollte. Zudem musste ja auch jemand den elterlichen Betrieb übernehmen und weiterführen. Früher war Josef auch einmal Mitglied des Weywertzer Junggesellenvereins gewesen, doch nun genügte es ihm, der älteste Junggeselle vom Brückberg zu sein, und dabei grinste er ein wenig verschmitzt, als ich ihn danach fragte. Meine Frage, ob er denn niemals auf Freiersfüßen gestanden habe, beantwortete er mit einer gewissen Trauer in der Stimme. "Liebe ist etwas Schönes, aber Liebe finden, das ist schwer. Ich bin schon mal hier oder dort gewesen, aber nie fand ich Gegenliebe. Immer stieß ich ins Nichts." Warum er beim weiblichen Geschlecht nie auf Gegenliebe stieß, das konnte er nicht verstehen. Er schrieb dies dem Umstand zu, dass man bei ihm zu Hause zu spät geteilt habe. Eilig hatte er es damals nicht, denn er wohnte ja im "Hotel Mama", und seine Mutter erreichte das stattliche Alter von 86 Jahren. Die Einsamkeit, so betonte er nochmals, war einer seiner gefürchtetsten Feinde. Damals kannte man noch die strengen Winter und dann sah man außer dem Briefträger eine Woche lang keinen einzigen Menschen oben auf dem Brückberg. Einmal in der Woche brachte der Postbote die Zeitung und wenn sich das Wetter anbahnte, kam hin und wieder auch das eine oder andere Ochsen- oder Pferdegespann vorbei. Als die Mutter noch lebte, braute sie dem, der Zeit für ein "Klääfchen" hatte, noch eine Tasse Tee. Die Kaffeekanne war schon so alt, dass man die Verzierungen auf dem dunklen Porzellan mit bloßem Auge nicht mehr erkennen konnte. Ich glaube, wenn der Besucher Abschied nahm, waren beide glücklich. Die Weywertzer Bevölkerung zeigte sich meist verständnisvoll für sein Anderssein und als seine Mutter ihm in die Ewigkeit vorausging, versorgte die Familie Mathieu ihn längere Zeit mit Essen, doch er wollte ihnen nicht immer zur Last fallen und so versuchte Bröckbergs Josef einmal selbst seine Kochkünste. Jeder, der schon mal in der Situation gewesen ist, weiß, wie schwer es ist, Mutters Rezepte auszuprobieren - und so ließ sich Josef eines Tages auf die Liste der Abnehmer für das "Essen auf Räder" setzen. Wie er mir verriet, war er nie mäkelig ("jelott") gewesen. Das hatte seine Mutter ihm abgewöhnt. Bei ihr musste alles gegessen werden, was auf den Tisch kam. Wenn es einmal nicht schmeckte, nahm sie kurzerhand den Teller vom Tisch, und es gab nichts anderes. Ich sehe noch heute seine Augen aufleuchten, als er sagte: "Das hättest Du sehen müssen, wenn bei der nächsten Mahlzeit der Teller wieder vorgesetzt wurde. Dann war der Appetit da" und dabei klopfte er mir leicht auf die Schulter. Als ausgesprochener Naturmensch und -freund kam die Hygiene leider bei ihm zu kurz. Unter diesem Fremdwort verstand er seinen Körpergeruch und, wie er bedauernd hinzufügte, gebe es Menschen, die sich selbst nicht mehr riechen könnten. Toilettenwasser oder gar wohlriechende Seifen waren für andere Leute. Er verzichtete sogar freiwillig auf Kamm und Bürste. Ob je ein Zahnarzt seinen Mund mal gesehen hat, das entzieht sich meiner Kenntnis. Sein Mund glich nämlich einem alten Kamm, der nur mehr ein paar Zähne hat. Josef blieb im Leben nichts erspart. Als ausgesprochener Naturfreund kam er diesbezüglich sogar mit dem Gesetz in Konflikt. Es gibt nämlich eine alte Verordnung, die das Ausrotten der Disteln und das Schneiden der Hecken vorschreibt. Trotz wiederholter Verwarnung widersetzte sich Josef der Aufforderung, dem "Unkraut" mit Axt, Sense und Schere auf den Leib zu rücken. "Was du nicht willst, das man dir tut, das füg' auch keinem anderen zu!", so lautete sein Wahlspruch. Dass er sich jedoch gegen die Zahlung der Geldbuße sträubte, das war für die vorgesetzte Behörde nicht statthaft, und so musste er ins Gefängnis, um seine Schuld abzusitzen. Er nahm es von der guten Seite und sagte: "Ich war damals noch nicht so alt, doch wenn einer Familie hat, für den ist es hart. Für einen alleinstehenden Kerl wie mich? Sicher!?", und dann grinste er wieder verschmitzt. Gleichzeitig aber lobte er die gute Behandlung, die ihm im "Prison" zuteil geworden war. Man hatte ihm einen frisch gewaschenen Anzug ausgehändigt und die Hose hatte sogar eine Bügelfalte! Auch das Essen war nicht schlecht: Selten habe er so lecker gewürzte Erbsen und Mohren gegessen, versicherte er mir. Man übte Nachsicht mit ihm, denn im Vergleich zu den anderen Insassen war er doch nur ein kleiner Fisch. Es gibt aber auch schlechte Menschen auf dieser Welt. Drei Monate nach dem Tod seiner Mutter brach man bei ihm ein. Die Halunken ließen all seine Ersparnisse, die sich auf etwa 30.000 bfrs beliefen und die er zu Hause aufbewahrte, mitgehen. Doch die Einbrecher begnügten sich nicht damit und kamen nach einiger Zeit wieder. Beim zweiten Male entwendeten sie neben anderen Gegenständen auch noch die silberne Taschenuhr, die er von seinem Vater geerbt hatte und an der sein Herz so sehr hing. Aller guten Dinge sind drei, heißt es, und die Lumpen kamen auch noch ein drittes Mal. Als er sich zur Wehr setzen und sie verscheuchen wollte, haben sie ihn noch arg malträtiert. Nun war sein Glauben an das Gute im Menschen erschüttert. Seitdem räumte er gewollt nicht mehr fein säuberlich auf. "Denen mache ich den Weg nach oben nicht mehr so bequem." Im Hausflur standen schwere Säcke, an denen man sich vorbeizwängen musste und die Treppe nach oben glich einer Slalombahn. Auf jeder Stufe stand ein Hindernis! Die Einsamkeit um ihn breitete sich aus. Die Menschen ekelten sich vor seiner Nähe und so hielt er sich von ihnen fern. Als ich hörte, dass er, der so unter der Einsamkeit gelitten hat, im Seniorenheim "Arcades" in Malmedy eine Bleibe gefunden hatte, wusste ich, dass er nun in guten Händen war. Beim Segnen des Sarges vor der Kirche entdeckte ich ein neueres Foto von Josef. Wie ich feststellen konnte, war er wieder in unsere Zivilisation zurückgekehrt. Schade, dass er die vielen Menschen nicht mehr sehen konnte, die ihm, einem gutmütigen Menschen, die letzte Ehre erwiesen. Ich glaube dies hätte ihn mit großem Stolz erfüllt.
Quellanangaben:
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BRF-Interview vom 15.Juli 1990. - Eine Begegnung mit Bröckbergs-Jösef, in Senioren-Kurier, 1993, Nr. 2. - Text der Auferstehungsfeier für Josef Sarlette, verfasst von Pfarrer Lothar Klinges.
Additional Hints
(Decrypt)
Snueenq ehaqr.
Gbhe iéyb
svrgf ebaqwr