Kommt Euch die folgende Geschichte bekannt vor, habt Ihr vermutlich bereits das Listing von dem Cache „Der Luftgselchte“ gelesen – und wenn Ihr beim Luftgselchten brav alles gelesen habt, dürft Ihr hier den ersten Teil überspringen und gleich bei „Der Zuckenmantel“ weitermachen.
DER MÜHLDORFER BURGFRIEDEN
Die Stadt Mühldorf am Inn blickt in Ihrer Geschichte auf eine über 1.000-jährige Zugehörigkeit zum Bistum Salzburg zurück. Wann genau und auf welche Weise die Stadt hierzu kam, entzieht sich noch bis heute unserer Kenntnis. Man geht aber davon aus, dass bereits im 8. Jahrhundert bayerische Herzöge das Stadtgebiet dem Bistum Salzburg geschenkt haben und damit die kleine Salzburger Enklave auf bayerischem Gebiet gründeten.
Mühldorf war Dank seiner günstigen Lage nicht nur ein Stützpunkt der Salzburger Macht, sondern auch eine bedeutende und reiche Handelsstadt. Das zur Existenzsicherung der Stadt notwendige Territorium umfasste neben dem Stadtkern auch weitreichende Wiesen- und Ackerflächen – den sogenannten äußeren Burgfrieden. Da man sich 1442 bei der ersten konkreten Beschreibung und Festlegung der Grenzen zu sehr nach Bächen, Wegen und Gebäuden richtete, waren zahlreiche Grenzstreitigkeiten nicht zu vermeiden. Man setzte deshalb im Jahr 1577 zur Verdeutlichung des Grenzverlaufs sogenannte „Marchsäulen“, doch noch immer kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Salzburg und den angrenzenden bayerischen Landgerichten Mörmoosen und Neumarkt. Eine gemeinsame Kommission legte die Grenzen deshalb nach einer Ortsbesichtigung im Neuöttinger Vertrag vom 13. Juli 1661 erneut fest. Im Oktober 1665 wurde der genaue Verlauf durch 50 nummerierte Steinsäulen endgültig markiert (naja, fast endgültig – aber dazu vielleicht bei einem anderen Cache mehr) und war nun für jedermann deutlich und zweifelsfrei sichtbar. Die kleine Enklave blieb trotzdem fortwährend Mittelpunkt bayerisch-salzburgerischer Machtspielchen, welche erst ab dem Jahr 1802 - als Mühldorf nach über 1.000 Jahren wieder bayerisch wurde – langsam ein Ende fanden.
DIE GRENZSTEINE
Die Grenzsteine sind jeweils aus einem Stück rötlich-weißem Untersberger Marmor gemeißelt, mit einer fortlaufenden Nummer gekennzeichnet und tragen das bayerische und salzburgerische Wappen. Einige der Grenzsteine sind im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen oder wurden durch Kriegseinwirkungen zerstört. Der Heimatbund Mühldorf ersetzte diese in den letzten Jahren durch Nachbildungen. Die Mühldorfer Grenzsteine stehen natürlich unter Denkmalschutz und gehören zu den ganz wenigen noch erhaltenen bayerischen Steindenkmälern dieser Art. Einen von zwei ganz besonderen Grenzsteinen möchte ich Euch hier vorstellen.
DER ZUCKENMANTEL
Der Grenzstein Nr. 3 nördlich des Inns wird „Zuckenmantel“ genannt. Diese Bezeichung kann bis in das Jahr 1442 zurückverfolgt werden. „Zucken“ würde man in unsere heutige Sprache mit schnell ergreifen, wegnehmen oder rauben übersetzen. „Zucke den Mantel“ bedeutet deshalb wörtlich übertragen in etwa „Raube den Mantel“. „Auf den Zuckenmantel ausreiten“ war eine Redewendung für Wegelagern und „Zuckenmantel“ damals ein Synonym für Räubernest.
Wie kommt aber nun der Grenzstein zu dieser Bezeichung? An ein Räubernest ist innerhalb des Burgfriedens sicher nicht zu denken. Und doch war der „Zuckenmantel“ gewissermaßen ein Sammelpunkt für allerlei „malefizisches“ und lichtscheues Gesindel. Allerdings nicht ganz freiwillig – an diesem Grenzstein wurden all jene Schwerverbrecher, welche im Bereich des äußeren Burgfriedens eine todeswürdige Straftat begangen haben, den Schergen des zuständigen Landgerichts Neumarkt übergeben. In Mühldorf selbst gab es zwar ab 1442 ein oberstes Halsgericht, da die Juristerei aber auch damals schon ganz eindeutig formulierte Zuständigkeiten festlegte, wurden hier nur diejenigen Übeltäter bestraft, welche im Stadtkern straffällig wurden. Für Straftaten ausserhalb des Stadtkerns, aber noch innerhalb des äußeren Burgfriedens, war der Richterspruch den angrenzenden bayerischen Landgerichten Mörmoosen im Süden und Neumarkt im Norden vorbehalten.
(Quellen: Hans Gollwitzer „Der Mühldorfer Burgfrieden; Herbert Kroiß „Von Grenzstein zu Grenzstein“)
DER CACHE
Bei dem Cache handelt es sich um einen Kurz-Multi. Die Headerkoordinaten führen euch direkt zum Zuckenmantel.
Von diesem aus müsst Ihr nur noch 124 m in Richtung 318°peilen - und schon seid Ihr da.
Viel Spaß beim Suchen!