Bis heute finden sich im Karlsruher Stadtbild Plakatsäulen mit einer Jugendstilhaube, die unter Kunsthistorikern als eine der besten Lösungen ihrer Zeit gilt. Europaweit ist die Karlsruher Säule auch die Einzige, die echte Jugendstilformen aufgegriffen hat. Der Entwurf für die signifikante Haube stammt von dem in Durlach geborenen Architekten Friedrich Ratzel (1669-1907), der in seiner kurzen Schaffenszeit in Karlsruhe so bedeutende Bauten wie den Badischen Kunstverein, die Behördenbauten an der Nördlichen Hildapromenade - Generallandesarchiv, Oberrechnungskammer und Verwaltungsgerichtshof - oder das Wahrzeichen der Weststadt, den Krautkopfbrunnen, schuf.
Erste Plakatsäulen waren schon 1855 in Berlin aufgestellt worden. Die nach ihrem Erfinder Litfaßsäulen benannten Straßenmöbel sollten der verbreiteten Unsitte Einhalt gebieten, Bekanntmachungen und Anschläge aller Art nach Belieben an Straßenecken, Wänden oder Bäumen anzubringen. Der Druckereibesitzer und Verleger Ernst Theodor Amadeus Litfaß hatte mit dem Berliner Polizeipräsidenten Karl Ludwig von Hinkeldey einen Vertrag geschlossen, der ihm erlaubte, auf öffentlichen Straßen und Plätzen Anschlagsäulen zur unentgeltlichen "Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden und gewerbsmäßiger Veröffentlichungen von Privatanzeigen" aufzustellen. Dem Polizeipräsidenten ging es in erster Linie um die Bekämpfung der Verbreitung "regierungsfeindlicher" Äußerungen, dem Druckereibesitzer um das Geschäft - ein Geschäft, das sich lohnen sollte. Bis zu seinem Tode 1874 behielt er das Plakatsäulenmonopol in Berlin und hinterließ ein respektables Vermögen und einen florierenden Betrieb. So war es kein Wunder, dass Litfaß Nachahmer in anderen deutschen Städten fand.
In Karlsruhe dauerte es bis Anfang 1870, bis sich in den städtischen Akten ein Schreiben findet, in dem ein Bewerber um die Erlaubnis bat, Plakatständer aufzustellen, und darauf hinwies, dass "nach dem Vorbilde … anderer größerer Städte" das "allgemeine Bedürfnis" nach der "Herstellung einer Einrichtung" bestehe, "durch welche der öffentliche Anschlag von Kundmachungen und Privatanzeigen nicht mehr in den die Häuser verunstaltenden und dem Zwecke der öffentlichen Reinlichkeit verstoßender Weise wie bisher vorgenommen wird." Dem Antrag beigefügt war die Zeichnung eines Plakatständers.
Es sollte aber noch neun Jahre dauern, bis sich die Stadt entschloss, das Problem der "in ungeordneten Weise durch jedermann vorgenommener Maueranschläge" zu lösen, allerdings noch nicht durch die Aufstellung von Plakatsäulen. Vielmehr erhielt Friedrich Gutsch, Lokaldichter und Besitzer der Zeitung "Karlsruher Nachrichten", die Erlaubnis, Plakattafeln an öffentlichen und privaten Häusern anzubringen. Gutsch gründete das "Karlsruher Plakat-Institut", das in den ersten Jahren nach Angaben des Besitzers noch keinen Gewinn erzielte. Erst mit dem weiteren Anwachsen der Stadt besserte sich die Lage, so dass Gutsch 1887 darum bat, zusätzlich einige Plakatsäulen aufstellen zu dürfen. Die Anfrage blieb aber zunächst ebenso unbeantwortet wie die Anfragen anderer Anbieter.
Zwei Jahre später berichtete die "Badische Landeszeitung", dass der Stadtrat sich endlich mit der Aufstellung von Plakatsäulen befasst habe. Angesichts des Mangels an Anschlagflächen begrüßte man diese Entscheidung und kritisierte Friedrich Gutsch wegen seiner hohen Preise und des von ihm indirekt ausgeübten Zwangs, Plakate bei ihm drucken zu lassen - bei nicht in dessen Druckerei hergestellten Plakate erhöhte sich der Preis nämlich um 20 Prozent.
Die 1855 in Dänemark und Deutschland gegründete Firma Haasenstein & Vogler warb in ihrem Briefkopf mit dem Zusatz "Aelteste Annoncen-Expedition". Sie gehörte zu den größten europäischen Annonceexpeditionen und gründete 1879 eine Filiale in Karlsruhe in der Kaiserpassage. Im Adressbuch dieses Jahres warb sie damit, die "Haupt-Agentur für das Grossherzogthum Baden" zu sein. 1917 kaufte Alfred Hugenberg die Anteilsmehrheiten der Firmen "Haasenstein & Vogler" und "Daube und Co.", aus der die "Ala, Vereinigte Anzeigengesellschaft Haasenstein und Vogler, Daube und Co." entstand, die als Bestandteil des Hugenbergschen Medienimperiums zur größten Anzeigen-Expedition in Deutschland wurde.
Haasenstein & Vogler verpflichteten sich 1894 gegenüber der Stadt, binnen kurzer Zeit 30 Plakatsäulen an den "frequentesten Stellen der Stadt", darunter allein vier auf dem Markplatz und sieben weitere auf der Kaiserstraße, aufzustellen. Den Auftrag zur Produktion der Säulen erhielt die Karlsruher Firma Dyckerhoff & Widmann, die die ersten Säulen bis Anfang Dezember 1894 fertig gestellt hatte. Die Hauben waren allerdings noch nicht mit einem Zierschmuck, sondern mit einer Schuppendeckung versehen. Das Datum, wann die Säulen im Jahr 1895 letztlich aufgestellt waren, lässt sich nicht ermitteln.
Den Zuschlag hatte die Firma Haasenstein & Vogler bekommen, weil sie den günstigsten Tarif für Anschläge angeboten hatte. Das veranlasste den unterlegenen Gutsch, sich an alle Stadträte zu wenden. Er beschwerte sich, dass der Ausschreibung nicht zu entnehmen gewesen wäre, dass dies der ausschlaggebende Teil des Angebots sei. Gleichwohl hätte er sich mit seiner Niederlage abfinden können, wenn ihm die Stadt nicht gleichzeitig die Berechtigung entzogen hätte, seine alten Plakattafeln weiter zu betreiben. Trotz seiner Intervention blieb es aber bei der Entscheidung, so dass die Firma Haasenstein & Vogler in den nächsten Jahren das Monopol der Plakatwerbung in Karlsruhe hatte. Wann die ersten Säulen mit der von Friedrich Ratzel entworfenen Jugendstilhaube versehen wurden, ist unbekannt, vermutlich wird dies aber nach der Jahrhundertwende geschehen sein.
Die Karlsruher Litfaßsäulen verbargen bis weit in Nachkriegszeit auch zu einem großen Teil Transformatorenstationen des 1901 begründeten städtischen Elektrizitätswerkes und folgten damit dem Berliner Vorbild Litfaß, dessen Säulen auch als Brunnenumhüllung oder als versteckte Pissoirs dienten. Heute stehen noch sieben Plakatsäulen mit der Karlsruher Haube im Stadtgebiet, eine weitere bei den Stadtwerken an der Daxlander Straße mit einem Transformator im Inneren, der aber nicht mehr in Betrieb ist.
Dr. Ernst Otto Bräunche, Leiter Stadtarchiv & Historische Museen, Stadt Karlsruhe
Die ersten Plakatsäulen in Karlsruhe
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| Dieser Multi führt Euch zu den acht in Karlsruhe noch vorhandenen Jugendstil-Plakatsäulen. Für den Multi kann man die Säulen in beliebiger Reihenfolge besuchen. Bei jeder Säule sind zwei Fragen zu beantworten. Allerdings muss jeder selbst herausfinden, welche Fragen zu welcher Säule gehören. Die Antworten findest Du jeweils an der Säule oder in ihrer näheren Umgebung, also im Umkreis bis etwa 20 Meter (ausgenommen F2). Um Euch darüberhinaus einen Anreiz zu verschaffen, den Aufsatz über den geschichtlichen Hintergrund durchzulesen, haben wir bei jeder Säule eine dritte Frage eingebaut, deren Lösung dem Text entnommen werden kann. |
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Objektcode
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Antwort
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| In nordwestlicher Richtung findest Du eine Gedenkplakette. Notiere die dritte Jahreszahl. |
A1
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| Notiere die Ziffern unter dem B im rot umrandeten Schild (Kommas weglassen). |
A2
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Wer hatte bis 1874 das Plakatsäulenmonopol in Berlin?
Buchstabenwert der ersten drei Buchstaben? |
A3
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| Wieviele spitze Glühbirnen enthält der Rahmen, der die Plakette umgibt? |
B1
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Der gepflasterte Weg führt zur Blütenwiese.
Wie gross ist sie? |
B2
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| Wieviele Säulen sollten schnellstens an den frequentesten Stellen der Stadt aufgestellt werden? |
B3
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Gegenüber findest Du vier Rechnungen.
Kehre die Subtraktionen um und addiere die Ergebnisse. |
C1
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Stromkasten S _ _ _ _ |
C2
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Was verbarg sich in vielen Karlsruher Säulen?
Buchstabenwert der ersten drei Buchstaben? |
C3
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Wie heissen die zwei Personen, die die Säule bewachen, aber eigentlich garnicht hinschauen?
Erste Person? _ _ _ _ _
Buchstabenwert der letzten drei Buchstaben? |
D1
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Zweite Person? _ _ _ _ _ _ _
Buchstabenwert der letzten drei Buchstaben? |
D2
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Wer gründete das Karlsruher Plakat-Institut?
Buchstabenwert der ersten drei Buchstaben? |
D3
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Notiere die Jahreszahl bei Lehmann. |
E1
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| Auf der Rückseite der Kommentare zum Spiel auf der roten Tafel wird eine Zahl genannt. |
E2
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Wann wurden die ersten Plakatsäulen in Berlin aufgestellt? |
E3
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| Wieviele Rauten sind auf der Hausfassade? |
F1
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| Etwas mehr als 20 Meter von der Säule entfernt sitzt ein Mann, der zwei Berge studiert. Buchstabenwert der drei ersten Buchstaben des kürzeren Namens? |
F2
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| In welchem Jahr waren die Säulen in Karlsruhe aufgestellt? |
F3
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| Notiere die Jahreszahl auf dem Schlussstein über dem Eingang in östlicher Richtung. |
G1
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| Karls Nachname erinnert an eine Zahl. Multipliziere sie mit seiner Hausnummer. |
G2
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| Wann gründete die Aelteste Annoncen-Expedition in Karlsruhe eine Filiale? |
G3
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| Wieviele Tänzerinnen sind auf den Bändern unterhalb der Engel abgebildet? |
H1
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Aussen (östlich von der Säule) liegt eine weisse Kugel.
Addiere beide Zahlen. |
H2
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Wer entwarf die Karlsruher Haube?
Buchstabenwert der mittleren zwei Buchstaben? |
H3
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Summe
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