Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist der einzige mitteleuropäische
Vertreter der Füchse und wird daher meistens als „der
Fuchs“ bezeichnet. Er ist in Europa der häufigste
Wildhund.
Von allen wildlebenden Fleischfressern haben Rotfüchse das größte
geographische Verbreitungsgebiet: Sie können sowohl nördlich des
Polarkreises als auch in fast tropischen Gebieten leben. In
Nordamerika kommen sie von den Aleuten bis Neufundland vor –
mit Ausnahme von Arizona, Süd-Florida und einem Streifen von
Alberta bis Mexiko. Rotfüchse besiedeln Eurasien von Irland bis zum
Beringmeer.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Rotfüchse zur traditionellen
Fuchsjagd aus England nach Australien importiert. Die dort
heimischen langsamen Beuteltiere waren an die Neubesiedler nicht
angepasst und wurden leichte Beutetiere. Heute ist ganz Australien
bis auf das Northern Territory und die nördlichen Teile von
Queensland von Füchsen besiedelt. 1893 wurden die ersten Kopfgelder
ausgesetzt. Die Bekämpfung von Füchsen in Australien erfolgt
derzeit unter anderem mit Gift.
Füchse galten bis in die 1970er Jahre als Einzelgänger, die in
Territorien leben und diese gegen Artgenossen verteidigen. Man nahm
an, dass sich Fähen und Rüden nur zur Paarung treffen und dann
wieder getrennte Wege gehen. Da Füchse sich von kleinen Beutetieren
(v. a. Mäusen) ernähren und somit nicht auf ein gemeinsames
Erbeuten der Nahrung angewiesen sind (wie etwa Wölfe), schien ein
ausgeprägtes Sozialleben nicht notwendig. Ende der 1970er zeigten
dann englische Studien bei Oxford[5], dass Füchse dort in
Familiengruppen lebten und ein ausgeprägtes Sozialleben zeigten.
Ähnliches ist inzwischen aus weiteren Gebieten bekannt geworden (z.
B. in Zürich[2]).
Die Familiengruppen sind in einem gemeinsamen Territorium
unterwegs, das sie gegen fremde Artgenossen verteidigen. Zu einer
solchen Gruppe gehören meist ein Rüde und eine Fähe, die sich
fortpflanzen, sowie weitere erwachsene Füchse, oft Schwestern und
Töchter der sich fortpflanzenden Fähe. In Zürich hielten sich neben
dem Vater aber auch noch weitere Rüden im Gebiet auf.[2] Diese
nahen Verwandten sind bei der Jungenaufzucht behilflich:
„Tantenrolle“ bei Abwesenheit der Mutter, Bewachen,
Säugen bis hin zur Übernahme der vollständigen Elternfunktion bei
deren Tod.
Während der Nahrungssuche sind Füchse meist als Einzelgänger
unterwegs. Untersuchungen bei Bristol ergaben, dass sich ein Fuchs
mit jedem anderen Familiengruppenmitglied durchschnittlich
eineinhalb bis zwei Mal in 24 Stunden traf; die meisten dieser
Treffen verliefen freundschaftlich. Im Winter fanden Treffen
häufiger statt, vor allem nachts. In dieser Zeit können die
Auseinandersetzungen zunehmen, da die Paarungszeit (Ranz) in den
Winter fällt und auch ein Teil der Jungfüchse abwandert.
Allgemein passen Füchse ihre Sozialstruktur den Lebensbedingungen
an. Sind gute Nahrungsressourcen vorhanden, können viele Füchse in
einem Gebiet leben, und es kommt zur Bildung von Familiengruppen.
Diese sind demnach nicht nur auf Städte beschränkt, sondern können
auch in geeigneten ländlichen Gebieten vorkommen.
Die Fuchsjagd ist stark umstritten. Jährlich sterben viele Füchse
für den Jagdsport und viele Millionen für die Pelzgewinnung.
In Deutschland wurden im Jagdjahr 2005/06 604.452 Füchse erlegt, im
Jagdjahr 2006/07 waren es 432.146.