So sah Liestal vor gut 113 Jahren
aus!!
Vor 113 Jahren wurde im Gebiet des Heidenlochs
ein Abschnitt der römischen Wasserleitung entdeckt und freigelegt.
Denn die Römer von Augusta Raurica tranken nicht etwa Wasser aus
dem Violabach oder gar aus den Rhein! Nein, nur das Wasser aus
Lausen war ihnen gut genug. Das ist heute nicht viel anders: Auch
wir trinken Wasser aus Vals, Evian, San Pellegrino oder sonst wo
her.
Die Versorgung mit Frischwasser hatte für die
Städte der Römer grundlegende Bedeutung. Vielerorts im römischen
Reich wurden entsprechend aufwendig Wasserleitungen, kunstvolle
Aquädukte oder kilometerlange Tunnels gebaut. Die römische
Wasserleitung, welche die römische Koloniestadt Augusta Raurica mit
Wasser aus dem Baselbieter Hinterland versorgte, begann an der
Ergolz unterhalb Lausen und mündete nach 6,5 km im südlichen
Stadtgelände von Augusta Raurica, wo das Wasser offenbar in
Zisternen gespeichert und mehrheitlich über Holzleitungen an die
Brunnen, Bäder, Toiletten und Privathäuser der Stadt verteilt
wurde.
Die Geschichte der Leitung ist erst in groben
Zügen bekannt. Das "längste römische Bauwerk der Schweiz" dürfte
schon im früheren 1. Jahrhundert gebaut worden sein und
funktionierte wohl bis ins 3. Jahrhundert, der Zeit des Niedergangs
der alten Koloniestadt. Doch damit verschwand das beeindruckende
Bauwerk nicht einfach von der Bildfläche. Noch der Basler Chronist
Christian Wurstisen erkannte in seiner "Bassler Chronick" von 1580
"das sehr lang Gewölb ... welches innwendig Mannshöhe hat" und
"gewißlich auch ein Römisch Werck gewesen" sei. Seit 1898 und bis
heute ist die Leitung immer wieder Ziel archäologischer
Grabungen.
Den Bau bewerkstelligten hervorragende
Spezialisten. Der 90 cm breite Kanal verlief auf der ganzen Strecke
unterirdisch und war mannshoch überwölbt. An mehreren Stellen
musste der rutschgefährdete Untergrund vorgängig untersucht und
durch zusätzliche Fundamente und Sickerpackungen abgesichert
werden. Die auf einem 40 cm hohen Fundament ruhenden, sehr
sorgfältig ausgefugten Seitenwände waren rund 60 cm dick, etwa 1,35
m hoch und trugen das auf einem Lehrgerüst errichtete Gewölbe. Von
diesem Gerüst zeugen verschiedentlich im Mörtel konservierte
Abdrücke von Schalbrettern. Das Innere des Kanals war bis auf eine
Höhe von 80 cm mit einem mehrschichtigen, in acht Arbeitsschritten
aufgetragenen Mörtel wasserdicht ausgekleidet. Die ausgeklügelte
Mischung aus ungelöschtem Kalk, Ziegelschrot und weiteren Zusätzen
führte zu einem Zement, der modernem Portlandzement nahekommt und
darüber hinaus sogar die Fähigkeit besass, feinere Risse selbst zu
"heilen". Im Jahre 2002 wurde ein Zugangsstollen entdeckt, über den
die Leitung gewartet werden konnte.
Die Leitung weist über ihre ganze Länge einen
Höhenunterschied von lediglich 10 m auf, was einem Gefälle von 1,5
Promille entspricht. Aus den vorhandenen Daten wurde eine
Fliessgeschwindigkeit von gut 300 Litern pro Sekunde bzw. rund 1000
Kubikmetern Wasser pro Stunde errechnet. Bei einer angenommenen
Höchstzahl von 20'000 Einwohnern in Augusta Raurica hätten so jedem
Bewohner 1200 Liter Wasser pro Tag zur Verfügung
gestanden!
Qulle:
Archäologie Baselland
und:
Flyer Wasserleitung