DAS EIN-LITER-AUTO
Prof. Dr. Sparvogel strich sich eine Strähne seines dunklen
Haars aus dem Gesicht. „Das wäre ja ungeheuerlich“,
dachte er. Alle Schubladen in den Schränken seines kleinen
Appartements standen offen. Der Kleiderschrank war durchwühlt und
auf dem Bett lagen drei Jeans, zwei Pullover, ein paar dunkle
Socken und weiße Baumwollunterwäsche. Für Holger Sparvogel ist
Kleidung eher unwichtig. Sein Leben lang – zumindest solange
er sich zurückerinnern kann – hat er sich mit der Entwicklung
von moderner Akku-Technologie beschäftigt.
In der letzten Zeit sind ihm im Umfeld der Lithium-Luft-Akkus
sensationelle Entdeckungen gelungen. Durch die Lithium-Luft Akkus
wäre es möglich, das hohe Gewicht, welches bei herkömmlichen
Lithium-Ionen Akkus anfällt, auf ein Minimum zu reduzieren.
Außerdem forschte er an einem Herstellungsverfahren, welches die
Herstellung der Akkus deutlich vergünstigte.
Die Kombination dieser beiden Entdeckungen brachte seinen Traum
von einem kostengünstigen 1-Liter-Auto einen riesen Schritt näher.
Noch gestern hatte er mit Carola darüber diskutiert. Eine alte
Schulfreundin, welche nach der Schule eine journalistische Laufbahn
eingeschlagen hatte. Er diskutierte mit ihr, wie seine Entdeckungen
wohl am besten zu veröffentlichen wären.
Es ging dem Professor dabei nicht darum, möglichst viel Geld zu
verdienen, sondern sicher zu stellen, dass seine Entdeckungen auch
wirklich zum Einsatz kommen.
„...und wenn wir es einfach als Pressemitteilung
veröffentlichen?“ fragte Prof. Sparvogel. „Holger, Du
weißt genau, was das bedeuten würde!“, erwiderte Carola.
„Erinnere Dich nur an das letzte Mal.“. Es war schon
spät und so beschlossen die beiden Ihre Unterhaltung später fort zu
führen. „Dann bis morgen, und bring die Unterlagen
mit!“ rief ihm Carola noch zu, als sie in Ihr Auto stieg.
„Ich weiß genau, dass meine Mappe mit den Aufzeichnungen
hier irgendwo war“, dachte er und suchte weiter. „In 20
Minuten wollte ich mich schon mit Carola treffen. Was soll ich Ihr
bloß sagen, wenn ich die Unterlagen nicht finde? - Ach ich fahr
jetzt erst einmal los und überlege mir unterwegs etwas, die Mappe
wird schon irgendwie wieder auftauchen“, dachte der Professor
und machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.
Schon als Teenager haben sich Carola und Holger hier im Wald
getroffen. Damals haben sie in einem alten Wagen gespielt, den
jemand vor langer Zeit dort „abgestellt“ hatte.
Teilweise bis spät in die Nacht haben die beiden in dem alten
Anhänger gesessen und in die Sterne gesehen. „Ob es wohl
anderes Leben dort draußen im Universum gibt?“ hatte Carola
Holger gefragt. „Interessiert mich nicht, solange wir sie
nicht besuchen können.“ hatte Holger geantwortet. Holger war
schon als kleiner Junge mehr an irdischer und praktischer Forschung
interessiert und stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden seiner
„material world“.
„Da bist du ja!“ rief Carola, als der Professor aus
seinem alten Ford ausstieg. Sie winkte ihm mit etwas zu, was wie
die gesuchte Mappe aussah. „Hast Du das hier vermisst?“
fragte Carola und schmunzelte ihm zu. „Ich habe mir das
letzte Nacht noch einmal alles durchgesehen.“ sagte Carola.
„...und ich habe die Mappe gesucht wie verrückt!“
erwiderte der Professor leicht böse. „Sei nicht böse Holger,
lass uns lieber noch mal zu dem alten Anhänger gehen“, sagte
Carola um dem Professor auf andere Gedanken zu bringen.
So gingen die beiden diskutierend den kleinen Rundweg. Standen
lange vor dem alten Fahrzeug, welches mittlerweile schon vollkommen
verrostet auf der Seite lag und wägten die Vor- und Nachteile
dieser bahnbrechenden Entdeckung ab.
Es wurde schon dunkel als sie wieder zu ihren Fahrzeugen zurück
kamen.
Dabei stellte sich heraus, dass Carola schon ein bisschen
vorgegriffen hatte. „Ich habe uns für morgen Vormittag einen
Termin mit dem Chefredakteur einer großen Zeitung gemacht.“
verabschiedete sich Carola. „Sei bitte pünktlich – und
vergiss die Mappe nicht“. „wo ist sie
überhaupt???“....
„Bei dem alten Wagen hatten wir sie noch, da habe ich Dir
doch noch die Formel und die Grafik von der Lithium-Luft Batterie
erklärt.“ erwiderte Professor Sparvogel.
„...und dann sind wir weitergegangen, Carola, denk nochmal
nach - hattest Du dann die Mappe oder ich?“ fragte der
Professor. „ich weiß es nicht“ entgegnete seine
Schulfreundin, „ich weiss nur, dass es jetzt dunkel ist und
wir – wenn wir die Mappe noch bis morgen finden wollen
– dringend Hilfe benötigen.“
„Aber wer würde uns schon mitten im Wald und dazu noch im
Dunkeln helfen eine Mappe zu
finden???“
„Ich hab’ da eine Idee“, sagte Carola und
griff zu Ihrem Handy. Der Professor hörte nur, wie sie irgendwelche
Koordinaten durchgab. So etwas wie...
51° 07.633 Nord und 007° 49.985 Ost
...oder so. „Schreib' rein, sie sollen Taschenlampen
mitbringen aber auf keinen Fall UV-Lampen. Ich
hinterlasse ihnen noch schnell ein paar Hinweise. Den ersten
direkt am Start! Und sie sollen es sofort
freigeben. Sonst wird das nichts mehr bis morgen früh.“
schrie Carola durchs Telefon.
„Was machst Du da?“ fragte der Professor. „Ach
Holger, es gibt da so eine verrückte Meute, die sich darauf
spezialisiert hat, verlorene oder versteckte Gegenstände im Wald zu
finden. Sogar mitten in der Nacht! Ich habe gerade einen davon
angerufen. Mal sehen, ob die uns helfen können...