DIE MORDKIEFER BEI JOHNSBACH
(Mündliche Überlieferung, Quelle: Sagenbuch des östlichen Erzgebirges)
Oberhalb Johnsbachs am Wege nach Falkenhain steht dem Sturme auf kahler Höhe preisgegeben
an der Weggabelung eine seltsame Kiefer. Sie ist mit der Krone eingepflanzt worden,
sodass die Wurzeln nach oben stehen. Es heißt, sie sei zum Gedenken an einen Krieger,
der im Dreißigjährigen Kriege dort den Tod fand, gepflanzt worden.
Man nennt sie die „Mordkiefer“. An dieser Kiefer ist es nicht geheuer; es gehen zuzeiten
Geister dort um, und zuweilen hat man dort auch um die Mitternachtsstunde Geräuche gehört,
die wie Kettenrasseln klangen.
Ein Johnsbacher Lehrer kam in der Mitternachtsstunde von Falkenhain an der „Gespensterkiefer“
vorüber gefahren. An der Kiefer angekommen, erhob sich auf einmal ein Sturm, und es
begann zu regnen. Der Lehrer spannte sogleich seinen Schirm auf. Plötzlich überstülpte
sich der Schirm, und sein Hut wurde von gespenstischer Hand weggerissen. Er guckte sich um,
aber niemand war zu sehen. Er fuhr weiter und erzählte den Bauern sein Erlebnis.
Sie sagten, es wäre ein Gespenst gewesen, das ihm dort begegnet sei.
(Dass die Kiefer aus der Zeit des 30jährigen Krieges stammt und – wie die Wunderlinde auf dem
Annaberger Friedhof - verkehrt eingepflanzt sein soll, ist wohl nur eine volkstümliche Deutung
der ganz seltsamen Gestalt des eigenartigen Wahrbaumes. Immerhin kann die Kiefer
etwa 200 Jahre alt sein. Die Merkwürdige Verkrümmung der Krone hat verschuldet, dass sich
der Baum nicht frohwüchsig entwickeln konnte und deshalb an Stärke weit hinter anderen Kiefern
dieses Alters zurückgeblieben ist. Die seltsame Gestalt hat die Kiefer sicher dadurch erhalten,
dass sie in ihrer Jugend durch Verlust der Krone stark beschädigt wurde und wiederholt
sehr unter Schneedruck und Anraum- Eislast zu leiden hatte, wodurch die damals noch zarten Äste
verbogen wurden. Beim weiteren Wachstum behielt die Krone die in der Jugend angenommene Form bei.
Freiwachsende Einzelbäume entwickeln sich ganz anders als ihre im Waldverbande aufgewachsenen
Brüder; so war es auch hier. Von allen Seiten ungeschützt und durch nichts eingeengt,
konnte sich die Krone der „Mordkiefer“ breitausladend entwickeln. Wie die meisten freistehenden
und dem Sturme ausgesetzten Bäume, so zeigt auch sie eine unter dem Drucke des Westwindes
entstandene nach Osten gerichtete Kronenausladung.
„Immer bietet der dunkle Nadelbaum gegen den hellblauen Sommerhimmel ein düsteres Bild,
und in das weiße Schweigen der Winterlandschaft ragt gespensterhaft der schwarze Schatten
des alten Wahrbaumes an der Höhenstrasse dort, wo der Feldweg nach dem unteren Teil von Falkenhain
und nach der Schafbrücke im Dönschtener Tal abzweigt.“ (Schwenke.)

Die Kiefer ist leider abgestorben, sollte aber nicht gefällt werden, bis die Natur ein Übriges
getan hatte. 1986 pflanzte Herr Gottfried Gemeinert aus Falkenhain eine kleine Kiefer neben die
Abgestorbene. Mittlerweile ist die alte Kiefer entfernt worden.
Der Baumstumpf ist heute noch zu sehen...
Parken könnt ihr direkt vor Ort, bitte Stift mitbringen!!!
