Das Königliche Salzwerk zu Erfurt 1857-1916
Steinsalz, im Volksmund auch Kochsalz (NaCl) genannt, ist ein sehr
beliebtes Gewürz und Heilmittel. Der Geschmack von Salz ist durch
nichts zu ersetzen und sehr wichtig für viele Körperfunktionen des
Menschen. Seine Fähigkeit zu schützen, zu reinigen und zu heilen
ist seit tausenden von Jahren bekannt. Im Altertum war Salz ein
sehr begehrtes Handelsobjekt und sehr kostbar. Mitunter wurde es
gegen Gold und Silber getauscht. Erst mit der industriellen
Revolution wurde Salz für jedermann erschwinglich.
Nachdem bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts an verschiedenen
Stellen die Salzlager im Thüringer Becken erbohrt und Salinen
errichtet wurden, hat der Geologe AUGUST ROST 1839 in seiner
Broschüre "Neue Quellen der Erfurter Industrie" auf die Möglichkeit
von Salzlagerstätten um Erfurt hingewiesen, die bei der zentralen
Lage ökonomisch gut genutzt werden könnten.
Große Teile des Untergrundes von Erfurt bestehen aus dem Unteren
und Mittleren Keuper. Verbreitet sind besonders Ton, Silt- und
Mergelsteine. Unter dem Keuper liegt der Muschelkalk mit
Salzablagerungen. Sie haben ihren Ursprung in der marine Bildung im
flachen Salzwasser. Durch Verdunstung des Meereswassers kam es
dabei im Mittleren Muschelkalk zu flächenhaften
Steinsalzablagerungen. Dabei haben sich drei Steinsalzablagerungen
in unterschiedlichen Teufen gebildet, wovon das oberste
Steinsalzlagervorkommen durch eine niedergebrachte
Erkundungsbohrung im Johannesfeld bei Erfurt im Jahr 1851
nachgewiesen wurde. Diese Bohrung durchteufte 1854 ein 23,75 m
mächtiges Steinsalzlager ab 344,82 m.
Daraufhin ordnete der Königlich-Preußische Salinenfiskus am 15.
September 1856, auf der Grundlage einer Denkschrift des
Oberberghauptmannes OTTO LUDWIG KRUG VON NIDDA, die Errichtung
eines Steinsalzwerkes bei Erfurt an.
Da erst 1857 mit dem Teufen der Schächte begonnen wurde und aus
diesem Anlass am 11. und 12. August 1907 eine Feier zur Erinnerung
an das 50-jährige Bestehen des "Königlichen Salzwerkes zu Erfurt"
stattfand, kann das Jahr 1857 als Beginn des Erfurter Salzbergbaus
angesehen werden.
Die Erschließung der Steinsalzlagerstätte erfolgte über zwei
Schächte in einer Tiefe von 370 m. Die Förderung des Steinsalzes
begann 1863. Im Zeitraum 1868 bis 1874 kam noch eine Siedeanlage
hinzu.
Auf Grund der gebauten Siedeanlage wurde daher später oft der
Name Saline für das gesamte Bergwerk verwendet. Diese Bezeichnung
ist jedoch unzutreffend, da es sich um keine übliche Saline mit
einer Solegewinnung aus Bohrungen handelt, sondern lediglich etwa 9
% des jährlich bergmännisch gewonnenen Steinsalzes aufgelöst und
danach in Pfannen eingedampft zu Siedesalz verarbeitet wurde. Um
für diesen Anteil die dafür erforderliche Sole zu erhalten, wurde
durch Rohrleitungen über die Schächte Wasser im Abbau gegen die
Salzstöße gespritzt. Die Sole wurde dann in Becken gesammelt und
zum Salinenbetrieb nach über Tage gepumpt.
Die Steinsalzgewinnung erfolgte jedoch größten Teils durch
bergmännische Gewinnung, d. h. das Salzgestein wurde in Form von
Kammern aus dem Gebirge geschlagen und das gewonnene Rohsalz durch
die vorhandenen Schächte nach über Tage gefördert. Die Kammern
unter Tage waren 60 m bis 320 m lang, hatten eine Breite von 12 m
bis 33 m und eine Höhe von 6 m.
Mit einer durchschnittlichen Produktion von rund 20.000 t
jährlich gehörte das Werk zu den "kleineren Salzproduzenten" des
preußischen Staates. Dabei ist zu bemerken, dass im deutschen
Zollgebiet im Etatjahr 1887/88 Salz in 11 Anlagen bergmännisch, in
64 Salinen aus wässrigen Lösungen und in 10 Fabriken als
Nebenprodukt gewonnen und zwar im Ganzen 884.188 t.
Im Durchschnitt waren 70 Arbeiter beschäftigt, die zum großen
Teil in dem Dorf Ilversgehofen wohnten.
Entgegen den ursprünglichen Ansichten erwies sich jedoch der
Absatz in Thüringen, wo mehrere Salinen mit höheren Salzqualitäten
arbeiteten, als äußert schwierig. Auch traten Verteuerungen des
Salzes durch fehlende Möglichkeiten eines Wassertransportes zu den
Abnehmern ein.
Das Salzwerk musste im Jahr 1916 wegen erheblicher
sicherheitstechnischer Mängel, aber auch aus Rentabilitätsgründen,
geschlossen werden.
Das Grubenfeld umfasste zum Zeitpunkt der Stilllegung 1916 eine
Fläche von ca. 750 m x 450 m. Insgesamt wurden 1.067.615 t, davon
980.081 t Steinsalzprodukte und 87.534 t Siedesalz, produziert. Das
untertägige Hohlraumvolumen betrug am Ende rund 0,5 Mio. m3.
Quelle:
http://www.bergmannsverein-erfurt.de/main.php?unmenue=bergbau_frueher_erfurt&content=salzwerk