Am 03.09.11 wurde am Paderborner Weg in der
Gemarkung Riesel vor der Rieseler Kapelle ein Gedenkstein
eingeweiht. Auf diesem kulthistorischen Flecken am einst stark
frequentierten Paderborn Weg lebten im 18. Jahrhundert Eremiten
(Klausner):
Damit es
nicht vergessen wird; denn doppelt lebet – wer auch
Vergangenes genießt
1745 – also
vor vielen, vielen Jahren wurde im Rieseler Holze, nahe der
Waldkapelle eine Klause gebaut, auf dem Grundstück des
Oberhofmarschalls Hermann Werner von der Asseburg. Bürger von den
umliegenden Orten halfen bei der Arbeit. Und ein Kapuzinerpater aus
Brakel gab dem Ganzen die Weihe. Als erster Klausner zog der Eremit
Antonius Neeser aus Eggeringhausen, südlich von Paderborn hier ein.
Seinen Lebensunterhalt besorgte er sich durch Betteln, er ging bis
ins Hildesheim’sche und ins Sauerland. Von solchen
Wanderungen brachte er einmal eine Glocke mit, die er auf den
Schultern nach Hause trug, Einen Ofen bekam er von den Äbtissin des
Gaukirchklosters in Paderborn. Auf die Dauer gefiel es dem Eremiten
im Rieseler Walde nicht mehr, denn immer wenn er von den
Bettelreisen zurück kam, war
die Klause aufgebrochen und ausgeplündert, er verließ den Rieseler
Wald, musste jedoch auf Verlangen der Behörde
zurückkehren.
1761
– zog der Eremit Heinrich Lakenmeyer aus Erkeln zu ihm
– fortan lebten die beiden frommen Männer noch friedlich hier
zusammen. Die Eremiten gingen weiter betteln, sorgten dafür, dass
der Paderborner Weg in Ordnung bliebe – und verdienten sich
damit etwas für ihren
Lebensunterhalt.
Straßen durchs Aatal gab
es noch nicht, alles was nach Paderborn oder in die weite Welt
wollte, musste an der Waldkapelle vorbei. Und in dieser Kapelle
befindet sich ein Bild des hl. Aloysius angefertigt im Jahre 1761
– mit dem Bild des kleinen Eremitenhauses. Es besteht kein
Zweifel, dass das Bildchen die Ansicht des Hauses wieder gibt. Es
ist mit Recht anzunehmen, dass das Häuschen rechts vom Paderborner
Weg (von Riesel kommend) gestanden hat. Denn dort befindet sich
noch eine brunnenartige Vertiefung, die noch heute Eremitenbrunnen
genannt wird.
Als Kinder gingen wir
des Sonntags mit Pastors
Fräulein Rademacher zur Rieseler Kapelle – und jedes Mal ging
es dann am Eremitenbrunnen vorbei, zu dieser Zeit standen noch halb
Meterhohe Mauerrest dort, jeder wusste dann etwas Besonderes zu
erzählen. Auch dass sie im Winter früh morgens trotz tiefstem
Schnee und großen Kälte barfuß in die umliegenden Dörfer gekommen
wären, um sich etwas zu essen zu holen.
Wir Kinder hörten es
gern, wenn erzählt wurde, dass die frommen Männer in ihren Särgen
schlafen und so manche andere schaurige
Geschichte.
100 Jahre nach der ersten Klause baute der
Franziskanerbruder Lotharius Oebbeke die zweite Klause. Hier lebte
er mit dem Franziskanerpater Desiderius aus Warendorf
zusammen.
P. Desiderius war ein
Istruper, der älteste Sohn des Lehrers Ferdinand Ernst und Theresia
Jungmann. Er machte am 26. Und 28. August 1845 in Paderborn am
Theodorianum sein Abitur – verstorben am13.1.1857 als Pater
Desiderius.
Die letzten
Habseligkeiten des Paters – ein kleiner Tisch – ein
Wandschränkchen mit Fächern und einer Schublade und die Krücke
seines Gehstocks befanden sich in der Obhut der Familie Dionysius
in Istrup. Denn Frau Maria Katharina Dionysius, geb. Ernst war die
Schwester des Eremiten Pater Desiderius.
Stände noch
heute im Rieseler Holze eine Klause, und der Mond schien durch die
alten Bäume hindurch in die kleine Stube des Eremiten und das
Glöckchen unterbräche den tiefen Frieden des Waldes, dann wäre
unsere Heimat um ein schönes Stück Romantik reicher, das man sicher
heute in unserer schnelllebigen Zeit sehr zu schätzen
wüsste.
Quelle: Brigitte Osterloh, Chronistin von
Istrup