Die Wälder um Westerhof bieten neben einer
großen Anzahl an Bäumen auch so manches geologisches Kleinod.
Ein solches ist in zweierlei Hinsicht der Versteinerungsbach in der
Aschau.
Wen man einen Ast in das Wasser dieses Baches gelegt hatte dauerte
es nicht lange und der Ast war von einer dünnen Schicht porösen
Kalks überzogen.
Warum das so ist hat uns Kinder damals nicht interessiert. Es war
halt so.
Doch oft erfährt man die wirklich interessanten Dinge warum es so
ist erst später.
Dieses Warum möchte ich euch mit diesem Earthcache näher
bringen.
Bemerkenswert in diesem Bach ist der hohe Gehalt an Calcium und
Magnesium, die ausfallenden Mineralsalze führen zur Bildung von
Kalktuffgestein.
Kalktuff, Süßwasserkalk oder Quellkalk ist ein poröses, noch junges
„sekundäres" Sediment. In Europa kommt es in einigen der
Karstgebiete der humiden, gemäßigten Warmklimazone vor, sofern eine
Reihe von Bedingungsfaktoren regional vorliegen. Besonders bekannt
und untersucht sind Vorkommen der Schwäbischen Alb, der Fränkischen
Alb und der Alpenränder.
Die Ablagerung von Kalk (CaCO3) als Kalktuff entsteht vornehmlich
hinter kalten Schichtquellen im Karst. Solche Ablagerungen gibt es
in einigen Karstgebieten der humiden, gemäßigten Warmklimazone seit
der letzten Warmzeit und auch gegenwärtig noch. Ob es zu Ausfällung
von Kalk aus Karstwasser kommen kann und in welchen Mengen, hängt
allgemein von den klimatischen und geologischen Bedingungen ab, vor
allem aber von weiteren physikalischen und chemischen
Bedingungskonstellationen, die regional oder lokal vorliegen
müssen. Die günstigsten klimatischen Bedingungen bestanden während
der rund zweitausend Jahre des postglaziären Atlantikums. In dieser
Zeit (ca. 8000-6000) lagen die durchschnittlichen Temperaturen in
Mitteleuropa ca. 2 °C höher als heute, und es war
niederschlagsreicher. Liegen die allgemeinen Voraussetzungen vor,
gehören zu den notwendigen Bedingungen für das Ausfällen noch die
folgenden Faktoren:
- eine relativ geringe Schüttung der
jeweiligen Quelle,
- eine relativ große
Verdunstungsoberfläche,
- ein günstiger Korridor der
Wassertemperaturen,
- eine Veränderung der Druckverhältnisse
und
- bestimmte Ionenkonzentrationen.
Wenn Karstwasser über Moosteppiche,
Algenteppiche oder Kolonien von Cyanobakterien fließt, kann eine
größere Kalkmenge ausfällen, indem die Biosubstanzen für ihre
Assimilation (Photosynthese) den Kohlendioxid-Bedarf aus dem
Karstwasser beziehen. Die Kalksedimente können mit Raten von 0,01
mm/Jahr bei anorganischer und bis zu 20 mm/Jahr bei organisch
mitinduzierter Ausfällung wachsen.
Der ausgefällte Kalk legt sich als feinkristalline Kruste um alles
relativ ruhende Kleinmaterial (Sand, Steinchen, Zweige, Blätter,
Farne, Moose, Algenschleim, etc.). Es entstehen durch
Übergussschichtung nach oben und vorne wachsende Gebilde oder
Polster an kleinen Wasserfällen oder Stufen in Bachterrassen. Moose
wachsen über ihren sich verkrustenden Teil frisch hinaus; sie
wirken wie kleine Reusen und bilden ein tragendes Gerüst. So können
auch größere, fragile Gehänge („Nasen") entstehen. Biotische
Verunreinigungen aus Algen und Bakterien bilden relativ feine
Strukturen. Sie sind poröser und leichter, wenn Moose der
Fließenergie widerstehen konnten. Dieser Kalktuff ist oft noch
feucht und von bröseliger Konsistenz.
Doch nicht nur in Hinblick auf den Kalktuff ist dieser Bach
interessant. Entdeckten doch vor einigen Jahren Forscher der
Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in
Braunschweig in diesem Bach neue Bakterienarten. Die sieben
Neuisolate gehören den Gattungen Flavobacterium und Pedobacter an.
Doch das sei hier nur am Rande erwähnt.
Und all dies in einem unscheinbarem, kleinen Waldbach.
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Oberer Bachlauf
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Meßstelle
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Doch nun zu euren Aufgaben an der Meßstelle (siehe Bild) vor
Ort:
- meßt die Wassertemperatur und gebt diese in
eurem Log an. Über die Zeit werde ich daraus eine Graphik mit dem
Temperaturverlauf über das Jahr gesehen erstellen.
- meßt die Höhe des kleinen Wasserfalls. Ein
5m-Maßband sollte ausreichen. Dieses sendet ihr mir bitte
zu.
- zuletzt schaut in die kleine Aushöhlung
neben den Wasserfall hinein. Dort könnt ihr die Bildung des
Kalktuffs hervorragend sehen. Beschreibt in eurer eMail an mich die
Form, Farbe etc. der Ausfällung.
Sendet mir die Antworten zu Aufgabe Zwei und
Drei zu. Loggen könnt ihr sofort. Sofern etwas nicht stimmen sollte
melde ich mich bei euch.
Natürlich freue ich mich über Fotos von euch oder eurem GPSr vor
Ort. Das ist aber eine freiwillige Zusatzaufgabe.
Es grüßt euch
Helgules
Quellenangabe & Bildnachweiß:
Der Abschnitt über den Kalktuff wurde frei nach Wikipedia zitiert und mit eigenem Erlebtem
vermischt.
Sämtliche Bilder wurden von Mir vor Ort aufgenommen.