
24. Dezember - Die 1. Rauhnacht
Die
Wilde Jagd - Der Wode
Den Wode haben viele
Leute in den "Zwölften" ziehen sehen. Er reitet einen
großen Schimmel. Ein Jäger zu Fuß und vierundzwanzig wilde Hunde
folgen ihm.
Wo er durchzieht, da stürzen die Zäune krachend zusammen, und der
Weg
ebnet sich vor ihm; gegen Morgen aber richten sich die Gehege
wieder auf.
Manche Leute behaupten, sein Pferd habe nur drei Beine. Er reitet
stets die
gleichen Wege an den Türen der Häuser vorbei; und zwar so schnell,
dass seine
Hunde ihm nicht immer zu folgen vermögen; man hört sie keuchen und
heulen.
Schon manchmal ist einer von ihnen liegen geblieben.
So fand man einmal einen von Wodes Hunden in einem Hof in Kempen,
einen
anderen in Unterbruch auf dem Feuerherde, wo er sich hingestreckt
hatte,
ständig heulend und schnaufend, bis ihn am folgenden
Weihnachtsabend der
Wode wieder mitnahm.
In dieser Nacht darf man keine Wäsche im Freien hängen lassen. Die
Hunde
würden sie zerreißen. Auch soll man nicht backen. Alle Bewohner
müssen still
zu Hause bleiben. Lässt man die Tür offen, so zieht der Wode durch,
und seine
Hunde verzehren alles, was sich im Hause Genießbares
vorfindet.
Einst war der Wode auch in das Haus eines armen Bauern geraten, und
die
Hunde hatten alles aufgezehrt. Der Arme jammerte und fragte den
Wode,
wer ihm den Schaden ersetze, den die Hunde angerichtet hätten.
Wode
antwortete, er werde alles bezahlen. Bald danach erschien er mit
einem
toten Hunde und befahl dem Bauern, den Kadaver in den Schornstein
zu
werfen. Das tat der Bauer; da platzte der Balg, und lauter blanke
Goldstücke
fielen heraus.
Wenn der Wode angebraust kommt, müssen die Unterirdischen
flüchten,
denn er will sie von der Erde vertilgen.
Ein alter Bauer brach
einmal spät von Kempen auf und wollte noch nach
Karken gehen. Plötzlich bemerkte er, wie die Unterirdischen
dahergelaufen
kamen. Sie waren aber gar nicht ängstlich und riefen ganz munter:
"Heute
kann er uns nichts anhaben, er soll uns nur in Ruhe lassen; er hat
sich heute
morgen noch nicht gewaschen."
Als der Bauer ein Stück weiter gewandert war, begegnete ihm der
Wode
und fragte ihn, was die Unterirdischen gerufen hätten. Der Bauer
erwiderte,
sie hätten gesagt, er habe sich heute Morgen nicht gewaschen und
könne ihnen
daher nichts Übles antun. Da hielt der Wade sein Pferd an, stieg ab
und wusch
sich. Dann sprang er wieder auf sein Ross und jagte den
Unterirdischen nach.
Nicht lange danach sah der Bauer den Wode wieder zurückkommen; er
hatte
die Unterirdischen an ihren langen Haaren zusammengebunden und an
jeder
Seite des Pferdes mehrere von ihnen hängen. So unerbittlich
verfolgte der
Wode die Unterirdischen.
Heute sind sie alle verschwunden. Deshalb jagt der Wode nun nicht
mehr auf
der Erde, sondern in den Lüften.