
Turmhügel Passee
Der Ort Passee wurde erstmalig im Jahr 1317 in Urkunden als "Barseze" erwähnt.
Es ist anzunehmen, dass es zu dieser Zeit den noch heute gut erhaltenen mittelalterlichen Turmhügel bereits gab. In seiner Form ist dieser Turmhügel über die vielen Jahrhunderte fast unverändert erhalten geblieben und damit ein perfektes Beispiel für diesen Burgentyp. Erhalten sind bei diesem mittelalterlichen Rittersitz die Hauptburg als Turmhügel mit dem zum Teil noch wasserführenden Graben, sowie die durch Gräben und Wällen umgebene Vorburgsiedlung.
Vorhandene Findlinge und Ziegelsteine sind Reste des alten Wehrturmes.
Um das Jahr 1900 soll es hier noch eine Zugbrücke gegeben haben. Die Auflage als Findlingspackung ist noch zu erkennen.
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Turmhügel (Motte)
Nach der Eroberung des Obotritenreiches, durch die Dänen und Sachsen unter Führung
Heinrich dem Löwen, die mit mit dem Tod des Slawenfürsten Niklot bei Werle im Jahr 1160 und der Niederlage seines Sohnes Pribislaw bei Verchen am Kummerower See 1164 beendet war, bekam dieser das Land später als Lehen von den deutschen Fürsten zurück.
Um ihre Macht zu sichern und um Aufstände zu verhindern begannen die deutschen Fürsten mit einer großen Anwerbung deutscher Siedler.
Die ersten Neuankömmlinge in diesem Land waren die Zisterziensermönche in Althof (1171-1179), mit der Neugründung in Doberan (1186).
Den Mönchen folgten kurz darauf niedere Landadelige als Anführer meist völlig verarmter Bauern. Der Landadel, die sogenannten Lokatoren, waren einfache Ritter die von den deutschen Fürsten den Auftrag hatten das Land in Besitz zu nehmen und zu besiedeln.
In diese Zeit fällt die Gründung vieler Dörfer, so z.B. aller Hagendörfer (Waldrohdungen) u.a. Rövershagen, Vogtshagen, Billenhagen, Gerdshagen und viele mehr.
Viele Neuansiedlungen entstanden auch in direkter Nachbarschaft zu slawischen Dörfern z.B. Blengow, Questin, Schwaan und Tessin.
Im Gegenzug durften die Lokatoren kleine Burgen und Befestigungen errichten und hatten in den späteren Siedlungen Sonderrechte und herausgehobene soziale Stellungen z.B. das Schulzenamt.
Später wurden einige dieser einfachen Ritterfamilien zum sehr einflussreichen mecklenburgischen Uradel wie z.B. von der Lühe, von Plesse, von Maltzan oder von Flotow. Diesem Uradel gehören auch wenige ursprünglich slawische Familien an, so z.B. von Oertzen in derren Besitz sich seit 1192 der Stammsitz Roggow befindet.
Die Ritter hatten im Mittelalter einen großen Bedarf sich zu schützen, sowohl gegen die unterworfene slawische Bevölkerung und die deutschen Bauern, als auch gegen ihre adeligen Nachbarn mit denen es sehr oft gewaltsame Konflikte gab. Darüber hinaus betrieben viele Ritter gewerbsmäßig Straßenräuberei.
Viele Lokatoren sicherten den eigenen Wirtschaftshof (Curie) mit Graben, Wall, Palisade und Zugbrücke. Direkt daneben stand oft ein Wehrturm auf einer kleinen extra aufgeschütteten Insel, es entstand ein neuer Burgentyp, der des Turmhügels oder auch Motte (frz. Erdklumpen, Hügel) genannt.
In ruhigen Zeiten wurde der Turm als Speicher genutzt, selten auch als Wohnturm. Wurde der Wirtschaftshof angegriffen war die Motte die letzte zu verteidigende Rückzugsmöglichkeit - man "türmte". Eingedrungene Feinde konnten dann von der auf dem Turmhügel gelegenen Befestigung aus bekämpft werden.
Einfache Anlagen konnten schnell errichtet werden, eine kleine
Turmhügelburg war bereits nach etwa 10 Tagen fertig, benötigtes Baumaterial war in der Umgebung schnell verfügbar.
Die Motte konnte aber auch sorgfältig aus verschiedenem Material aufgeschichtet werden, um eine höhere Stabilität zu erreichen. Einziges Bauwerk auf diesen sehr unterschiedlich großen Hügeln war oft ein mehretagiger, hölzerner Turm, umgeben von einer Palisade.
Aus statischen Gründen wurde oft zuerst der Turmbau errichtet und dann der Hügel mit dem Grabenaushub aufgeschüttet. Der Turm wurde also „eingemottet“, die Untergeschosse steckten im Hügel und dienten als Kellerräume.
Einziger Zugang zu diesen, von einem Wassergraben umgebenen Hügeln war meist eine Klapp- oder Zugbrücke. Der Eingang zum Turm lag etwas höher und war nur über eine Leiter erreichbar die im Notfall eingezogen werden konnte.
Dieser aus Nordfrankreich stammende Burgentyp war sehr beliebt. Sie sind von Irland bis nach Ostpolen zu finden. Allein in Mecklenburg gab es weit mehr als 1000 Turmhügel.

Die Vorburg umfasste meist eine deutlich größere Fläche als die Hügelplattform der Kernburg. Sie bot Platz für Wirtschaftsgebäude, Gesindewohnungen, Scheunen, Vieh- und Pferdeställe, die fester Bestandteil des bäuerlichen Betriebs einer mittelalterlichen Burg waren. Doch auch das Wohngebäude des Burgherrn und seiner Familie konnte in der Vorburg untergebracht sein.
Eine andere Art von Turmhügeln, angelegt als kleine militärische Wachposten, hatten hauptsächlich Sicherungsfunktion an Territorialgrenzen oder wichtigen Verkehrswegen und lagen außerhalb von Siedlungen an Flüssen und Bachniederungen, hierbei handelte es sich jedoch nicht um vollständige Burgen.
Als im 15./16. Jahrhundert Feuerwaffen aufkamen, verloren Turmhügel ihren Zweck, wurden aber als Herrensitz weiter genutzt. Mehrere mecklenburgische Gutsherrenhäuser stehen auf mittelalterlichen Turmhügeln. Nachweislich wurde noch 1835 die Zugbrücke zum Gutshaus Roggow am Salzhaff jeden Abend hochgezogen.
Die meisten Turmhügel sind völlig von der Oberfläche verschwunden. Von den erhaltenen Anlagen sind selten wenige Turmreste, der Turmhügel mit dem umlaufenden Graben sowie manchmal Wall- und Grabenreste des Wirtschaftshofes erhalten geblieben.
Viel Spaß!