Die Serie "DramaTOURgie I - X" ist eine Hommage an die bedeutendsten Dramatiker der deutschsprachigen Literatur und will Interessierten einige der schönsten deutschen Dramen näher bringen. Reine Gehzeit der gesamten Serie 70 - 80 Minuten, der angegebene Parkplatz dient als Startpunkt, kein Drive-in! Viel Vergnügen beim Lesen, beim Lösen und beim Laufen (Letzteres ist zwar der Alliteration geschuldet, darf aber durchaus wörtlich genommen werden)!
Ferdinand Raimund (1790-1836): „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ (1828)
Reclam Universalbibliothek Nr. 180
Der prototypische Vertreter des Wiener Volkstheaters in der Zeit des Biedermeier schuf mit diesem „Romantisch-komischen Original-Zauberspiel“ sicherlich sein dramaturgisches Meisterwerk. Schließlich konnte er hier stark autobiografisch tätig sein, galt er doch zeitlebens als schwierig. So sagte schon sein Zeitgenosse Franz Grillparzer über ihn und das Stück: „Raimund hatte den Vorteil, in der wunderlichen Hauptperson ein wenig sich selbst kopieren zu können.“ Tatsache bleibt allerdings, dass es ihm im Gegensatz zu seiner Hauptfigur mit dem sprechenden Namen Rappelkopf nicht gelang, das Misanthropische in seiner Persönlichkeit abzulegen. Er erschoss sich selbst in der irrigen Meinung, unheilbar an Tollwut erkrankt zu sein. Gesucht sind Aufzug/Auftritt der folgenden Ausschnitte:
A/B: Doch wenn ich am Pilgerstab
Manch Verirrten wandern sehe,
Steig von meiner wolkgen Höhe
Nieder ich zum Erdenrunde,
Reich ihm schnell die Hand zum Bunde
Und leit ihn mit Freundessinn
Zum Erkenntnistempel hin.
A/C: Denn im biedern Vaterlande
Ketten mich die teuern Bande
Zarter Liebe, fester Treue,
Und der Riesenbilder Reihe,
Die wie Träume mich umwehen,
Schließt ein frohes Wiedersehen.
A/D: Ja, da möcht man sich erschießen. Und statt daß man mich bedauert, Wird auf meinen Tod gelauert, Und so sind sie alle, alle, Ich zerberste noch vor Galle.
A/E: Ich will nichts mehr hörn von den boshaften Leuten,
Verachte die Dummen und fliehe die Gscheidten.
Und ob sie sich raufen, und ob sie sich schlagen,
Und ob sie Prozesse führn und sich verklagen,
Und ob sie sich schmeicheln, und ob sie sich küssen,
Und ob sie der Schnupfen plagt, wie oft sie niesen,
Und ob sie gut schlafen, und was sie gegessen,
Und ob sie vernünftig sind oder besessen,
Und ob wohl in Indien der Hafer ist teuer,
Und obs in Pest regnt und in Ofen ist Feuer,
Und ob eine Hochzeit wird oder ein Leich:
Ha! das ist mir einerlei, das gilt mir gleich.
Ich lebe zufrieden im finsteren Haus
Und lache die Torheit der Menschen hier aus.
F/G: Ach, die Welt ist gar so freundlich Und das Leben ist so schön. Darum soll der Mensch nicht feindlich Seinem Glück entgegenstehn. Alles sucht sich zu gefallen, Liebend ist die Welt vereint, Und das Häßlichste von allen Ist gewiß ein Menschenfeind.
F/H: So dreht die Welt sich immer fort
Und bleibt doch stets an einem Ort.
Der Egoismus ist die Achse,
Der Hochmut zahlt am End die Taxe.
Die Erd, es kömmt darauf heraus,
Ist nur im Grund ein Irrenhaus.
Und wie ich nach und nach gewahr,
So bin ich selbst ein großer Narr.
F/I: Der Mensch soll vor allem sich selber erkennen,
Ein Satz, den die ältesten Weisen schon nennen,
Drum forsche ein jeder im eigenen Sinn:
Ich hab mich erkannt heut, ich weiß, wer ich bin.
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