Geschichte des Kraftwerks
In den 1920er-Jahren wurde von der Oberösterreichischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-A.G. (OWEAG) ein Generalplan für die energiewirtschaftliche Nutzung der Enns zwischen Kastenreith und ihrer Mündung in die Donau aufgestellt. Das beauftragte Zivilingenieurbüro entwickelte auch die Stufe Losenstein bis zur Konzessionierung 1925, konnte zum damaligen Zeitpunkt aber noch keine Realisierung erwirken. Der Bau des Unterlieger-Kraftwerks Ternberg 1941 und des Oberliegers Großraming ab 1942 erforderte für Losenstein einen um 2 m höheren Aufstau.
Die Projektunterlagen sind nach Kriegsende in den Besitz der Oberösterreichischen Kraftwerke AG (OKA) übergegangen und wurden 1951 von der Ennskraftwerke AG (EKW) angekauft. Diese adaptierte 1953 das Projekt Losenstein. Das Krafthaus wurde am linken Flussufer geplant, um die Transportmöglichkeit der Baustoffe und der technischen Ausrüstung über die linksufrige Bahnlinie zu nutzen. Umfangreiche Modellversuche fanden am Institut für Wasserbau der Technischen Hochschule Graz an einem Kraftwerksmodell im Maßstab 1:50 statt.
Am 12. April 1954 erklärte das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft das Projekt zum bevorzugten Wasserbau und im Dezember 1954 waren die Entwurfsarbeiten abgeschlossen. Die wasserrechtliche Bewilligung zum Bau des Kraftwerks wurde am 31. Dezember 1956 erteilt. Die energierechtliche Bewilligung der 110 kV-Leitung Losenstein - Rosenau vom Amt der oberösterreichischen Landesregierung erfolgte am 30. April 1958, und am 26. November desselben Jahres wurde der Baubeschluss im Aufsichtsrat gefasst.
Die Vorarbeiten zum Kraftwerksbau begannen noch im Jahr 1956 mit dem Bau der Stiedelsbachbrücke am rechten Ennsufer, die 1959 fertig gestellt war. Ab 1957 fanden Arbeiten zur Sicherung der Ufermauern und für Straßenverlegungen statt, und im März 1957 bestellte man bei Andritz in Graz die beiden Kaplan-Turbinen, um eines der Laufräder bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel zeigen zu können.
Baubeginn für das Hauptbauwerk war 1958. Im April 1959 musste die Baugrube, in welcher der Aushub für das Krafthaus und den Trennpfeiler vorgenommen wurde, wegen eines Hochwassers geflutet werden. Es war das erste von vier während der Bauarbeiten auftretenden Hochwässern, die beträchtliche Schäden an der Baustelleneinrichtung verursachten. Im Spätherbst 1959 konnten die Arbeiten an der Baugrube 1 abgeschlossen und die Enns daraufhin über die Baugrube 1 umgeleitet werden. In der Baugrube 2 wurden alle drei Wehrfelder und die rechte Landeinbindung hergestellt. Im November 1959 begann man mit den Aushubarbeiten am Wehr. Nach Errichtung der drei Wehrfelder, der beiden Flusspfeiler, des Landpfeilers und der Blöcke für die rechte Landeinbindung flutete man im Juli 1960 die Baugrube 2 und begann mit dem Abtragen der Fangdämme. Die Enns wurde in ihr altes Bett zurückgeleitet, die Baugrube 1 des Krafthauses mit zwei Fangdämmen abgeschlossen und Anfang Oktober ausgepumpt.
Nach Fertigstellung der Felsaushubarbeiten begann man Mitte November 1960 mit dem Betonieren der Saugschlauchsohle. In der letzten Bauphase entstand nun der Tief- und Hochbau des Krafthauses. Ende November 1961 war der Brückenkran fahrbereit, sodass die Montage der Maschinen beginnen konnte. Gleichzeitig erfolgte der Innenausbau des Krafthauses. Im Jänner 1962 begann man mit der Montage der Wehrschütze, und vom 30. Mai bis 4. Juni 1962 wurde der Fluss aufgestaut. Am 28. Juni 1962 wurde der Maschinensatz I, am 29. Oktober desselben Jahres der Maschinensatz II in Betrieb genommen.
Die feierliche Eröffnung des Kraftwerks fand am 30. Juni 1962 statt.
Das Kraftwerk Losenstein erforderte nach dem Kraftwerk Großraming die umfangreichsten Baumaßnahmen im Stauraum eines Ennskraftwerks. So musste für Reichraming ein neues Ortszentrum errichtet werden und die Reichramingbach-Brücke, die durch das alte Ortszentrum führte, wurde gesprengt. Auch die Ennsbrücke Rastgrub - Rohrbachgraben musste in höherer Lage neu errichtet werden. Ab 1972 wurde das Kraftwerk Losenstein von der Warte im Kraftwerk Großraming fernbedient, seit dem Jahr 2000 wird es von der Zentrale in Steyr gesteuert.
Technische Daten
Leistung: 39 MW - bei 15,55 m Ausbaufallhöhe und 120 m³/s Durchfluß
Jahreserzeugung: 170 Gwh – viertstärkster Stromlieferant an der Enns
zwei fünfflügelige Kaplan-Turbinen mit vertikaler Welle - Nennleistung beträgt jeweils 16.677 kW
zwei Haupttransformatoren - Nennleistung von 20.000 kVA - Nennspannung von 6,3/120 kV
Baukosten: 410 Millionen Schilling (ca. 30 Mio. Euro)
Einzugsgebiet: 4.840 km²
Kultur
In der Maschinenhalle befindet sich ein Mosaik von Maria Holzinger und Prof. Otto Götzinger. Es besteht aus 18.000 selbst gesammelten Kieselsteinen aus der Enns und ihren Nebenbächen vom Ursprung bis zur Mündung.
Das 120 m² große Kunstwerk zeigt eine Abbildung der griechischen Sagenfigur Prometheus, als niederschwebenden Genius, um dessen Hand sich Funke und Kraftfeld bilden. An seiner rechten Seite sieht man eine aus der Schaumkrone einer Welle aufsteigende weibliche Figur.
Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte, soll Geist und Fortschritt darstellen, und die weibliche Figur der Enns liefert die Energie dazu.
Cache
Vom Final hat man einen besonders eindrucksvollen Blick auf das Kraftwerk, den Ortskern von Losenstein, die Burgruine sowie auf den Bergrücken des Schieferstein.
Happy hunting!
gcsunny