Wittenberger Tageblatt vom 15.08.1890:
„Pratau-Torgau“ ist die amtliche Bezeichnung der am Freitag und Sonnabend polizeilich abgenommenen und gestern in feierlicher Weise eingeweihten, neu erbauten Eisenbahn, welche die Städte Wittenberg, Pretzsch, Dommitzsch und Torgau in ziemlich gerader Linie miteinander verbindet.
Zwei Festzüge waren nach dem eigentlichen Festorte, dem ziemlich in der Mitte der Bahn liegenden Städtchen Pretzsch abgelassen, von Torgau und von Wittenberg. Beide Züge waren reich mit Girlanden und Kränzen geschmückt, und die Maschinen beider Züge trugen unter Fahnen und Blumenschmuck die Inschrift „Gott segne Pratau-Torgau“.
Der Zug Wittenberg, in dem sich die Erbauer der neuen Bahn, Herr Bauinspektor Zachariae mit seinem ganzen Beamtenpersonal, die Behörden des Kreises und der Stadt Wittenberg, der Vermesser des Landratsamtes, Herr Freiherr von Bodenhausen, die Herren Bürgermeister Dr. Schild und Große, die Herren Stadträte Bodde, Bourzutzschki und Matthesius, Herr Stadtverordnetenvorsteher Bröting und die Herren Stadtverordneten Biesecke, Knopf, Mereker, Reinsberg und Strensch sowie viele Gäste befanden, fuhren um 11Uhr von hier ab. Sehr hübsch gestaltete sich der Empfang am Bahnhof Rackith, nicht nur, dass der Blumenschmuck hier eine besonders gefällige, von künstlerischem Geschmack zeugende Anordnung zeigte, unter den zahlreich Anwesenden fielen auch die festlich geschmückten Kränze tragenden Schulkinder sehr angenehm auf, welche den Zug mit dem Gesang des Preußenliedes begrüßten und ihre Kränze mit liebenswürdigem Eifer der Frau Bauinspektor Zachariae und ihren Damen zur gefälligen Weiterbeförderung auspackten.
Zur Geschichte nur kurz ein paar Daten: Zunächst entstanden einige Strecken im Umfeld der Dübener Heide. 1841 wurde die Strecke Berlin-Wittenberg eröffnet. 1859 folgte die Fortsetzung dieser Strecke von Wittenberg nach Bitterfeld mit dem Bahnhof Pratau. 1890 wurde die Strecke Pratau–Pretzsch–Torgau eröffnet, am 20. Februar 1895 der Abschnitt Eilenburg-Ost–Bad Düben und am 1. Oktober desselben Jahres die Verbindung Bad Düben–Pretzsch. Damit war die Dübener Heide an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen.
Vertiefende Informationen sind u.a. zu hier finden:
1. https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Pratau%E2%80%93Torgau">Bahnstrecke Pratau–Torgau (Wikipedia)
2. https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Pretzsch%E2%80%93Eilenburg">Bahnstrecke Pretzsch–Eilenburg (Wikipedia)
Was ist aus „Gott segne Pratau-Torgau“ geworden? Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zwischen Lutherstadt Wittenberg, Pretzsch und Bad Schmiedeberg wurde von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen des Landes Sachsen-Anhalt) trotz 5000 Protestunterschriften zum 01.01.2015 abbestellt.
Genannte Gründe waren:
- knappe "Regionalisierungsmittel" (die A14 und der Stadtumbau Ost sind den Herren Webel und Co. wichtiger) und
- insbesondere in den Ferien und an den Wochenenden eine angeblich zu geringe Nachfrage.
ABER: Dafür denken wir modern!
Früher sind wir nur früher aufgestanden.
Wer das hier noch immer macht, sieht nicht nur nördlich die Türme der Schlosskirche und der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg und südlich die Kirche der Stadt Kemberg, sondern auch Rehe, Hasen, Reiher, Störche, Kraniche und Co. Und viele Vögel. Also auch mal nach oben schauen... 
Achtung: Hier wurde zwar seit Herbst 2019 kein Zug mehr gesehen, doch benutzt den regulären Bahnübergang, parkt nicht auf den Gleisen und seid wachsam! Es muss eigentlich zu keiner Zeit (außer beim Überqueren des Bahnübergangs) das Gleis betreten werden.