
Der Gedenkstein wurde zur Erinnerung an die Gründung der Sozialdemokratischen Partei während der 40-Jahr-Feiern im Dezember 1928 enthüllt.
Sein Standort war damals in der Hauptstrasse vor dem Gasthaus Redl, später Sieber. Im Jahre 1934 wurde der Gedenkstein durch die Heimwehr zerstört. 1948 wurde ein neues Denkmal geschaffen und auf jenem Platz in der Hauptstrasse aufgestellt, an dem vorher der Schubertbrunnen gestanden war. Nach dem Abbruch des dahinter stehenden Hauses im Jahre 1962 wurde ein größerer Platz gestaltet und der Gedenkstein weiter hinten platziert. Höchstwahrscheinlich im Jahr 1968 - ein genaueres Datum ist nicht bekannt - erhielt der Gedenkstein sein heutiges Aussehen mit den ihn umfassenden Bronze-Tafeln. Bei den 100-Jahr-Feiern am 30. Dezember 1988 wurde dem Gedenkstein ein kleiner Stein-Schrein mit einer Bronze-Abdeckung beigestellt. In ihm befinden sich 2 Kartuschen mit Gedenkschriften. Im Jahr 2008 wurde der Gedenkstein wieder erneuert, die Stahlkonstruktion vom Stahlkünstler Köhler aus Ochsenburg entworfen und in einer modernen Form unter Mithilfe der ortsansässigen Industrie gestaltet.
Hainfelder Parteitag
Der Parteitag vom 30.Dezember 1888 bis 1. Jänner 1889 in Hainfeld wurde zur Geburtsstunde der österreichischen Sozialdemokratie.
110 sozialdemokratische Delegierte fanden sich zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei ein, 70 von ihnen waren stimmberechtigt. Aus Wien stammten 20, aus Niederösterreich 5, andere kamen aus Böhmen und Mähren, sogar aus Galizien war ein Vertreter angereist. Der erste Punkt der Tagesordnung war die "Prinzipienerklärung" der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Österreich, die mit dem Satz begann: "Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Österreich erstrebt für das gesamte Volk ohne Unterschied der Nation, der Rasse und des Geschlechtes die Befreiung aus den Fesseln der ökonomischen Abhängigkeit, Beseitigung der politischen Rechtlosigkeit und die Erhebung aus der geistigen Verkümmerung." Der Parteitag erklärte den bisherigen Zwist in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung durch Annahme des Programms für beendet - die Sozialdemokratische Arbeiterpartei war gegründet. Nach einer Rede von Viktor Adler wurde in einer Resolution die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts ab dem 20. Lebensjahr gefordert. Weitere Resolutionen betrafen die Arbeiterschutzbewegung, die gewerkschaftliche Organisation, die Gründung eines monatlich erscheinenden Parteiblattes, die Arbeiterkammer und die Volksschule, wobei die vollständige Trennung von Kirche und Schule gefordert wurde.
Viktor Adler
24.6.1852 - 11.11.1918
Viktor Adler wurde als Sohn einer jüdischen Familie in Prag geboren, besuchte in Wien das Schottengymnasium und studierte in Wien auch Medizin. Nach Eröffnung seiner Praxis in der Berggasse 19 im 9. Bezirk, wurde er bald als Armeleute-Doktor bekannt. In den 1880er Jahren widmete er sich ganz der Arbeiterbewegung und gründete die Wochenzeitschrift "Gleichheit".
Als Arzt wurde Adler auf die Ziegelarbeiter in den Wiener Lehmgruben aufmerksam, die aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen schon in jungen Jahren unter Lungenschwindsucht, Tuberkulose und Gicht litten. In seiner Zeitschrift klagte er die öffentlichen Stellen wegen Untätigkeit an.
Auf dem Hainfelder Parteitag gelang es Adler gemeinsam mit Pernersdorfer, die in radikale und gemäßigte Gruppen zersplitterte sozialistische Arbeiterbewegung durch die Annahme der Prinzipienerklärung zu einigen und damit die Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu gründen, deren unumstrittener Führer er nun war. Als Parteiorgan folgte 1889 die "Arbeiter-Zeitung", die Adler als Chefredakteur ab dem 1. Jänner 1895 als Tageszeitung herausbrachte.
Auf seine Initiative hin wurde der 1. Mai 1890 zum Tag der ersten großen Mai-Demonstration.
Viktor Adler stand wegen seines Engagementes 17-mal vor Gericht und verbüßte insgesamt neun Monate Haft. 1901 wurde Viktor Adler in den nö Landtag und 1905 in den Reichsrat gewählt. Als einziger Sozialdemokrat gehörte er auch dem Wahlrechtsausschuß des Reichsrates an und setzte sich erfolgreich für das allgemeine (Männer-)Wahlrecht ein, das 1907 eingeführt wurde.
Viktor Adler war ein leidenschaftlicher Verfechter des Friedensgedankens, unterstützte aber 1914 die Kriegspolitik der Monarchie. Sein Sohn Friedrich Adler hatte deshalb am 21.10.1916 in einem Akt der Verzweiflung und des Protestes den Ministerpräsidenten Graf Stürgkh erschossen.
In den Tagen der Auflösung der Monarchie trat Adler als Staatssekretär des Äußeren in der Provisorischen Regierung auf. Im Oktober/November 1918 setzte er sich für den Anschluß von "Deutsch-Österreich" an das Deutsche Reich ein. Einen Tag vor Ausrufung der österreichischen Republik erlag Viktor Adler in Wien einem Herzleiden.