Eines Abends kam ich spät von der Stadt nach Hause. Nur die Strassenlaternen warfen ein fahles Licht auf die Strasse. Der Himmel war verhängt mit dunklen Wolken und der Mond hatte nicht genug Kraft meinen Weg auszuleuchten.
Als ich um die Ecke bog, sah ich im Augenwinkel ein kleines Licht, einen fahlen Schein. Beim Näherkommen realisierte ich, dass sich das Licht langsam bewegte. Als ich direkt davor stand, erkannte ich staunend eine Lichtgestalt, die mit feinen Bewegungen vor meinem Gesicht in der Luft schwebte. Ein Hauch von violett-weissem Nichts das sich langsam, wie in Wellen, vor mir bewegte und schimmernde Fäden aus Licht hinter sich herzog. Melancholie war in seinen Bewegungen.
Ich konnte mich nicht regen, sondern starrte das kleine Wesen aus Licht nur an. Mein Herz schlug so laut, dass ich fast nicht hören konnte, wie die Lichtgestalt mit leiser Stimme begann, ein Lied zu singen:
„Ich hab 'ner FRAUN‘HOF gemacht und wollt sie mit einem Lied betören...
Nach oben in die SONN geschaut und meine Stimm erhoben...
Die Töne kamen laut und klar in allen REGENBOG'NEN FARB'N...
Nicht alle Linien schien‘ das zu mögen und verloren ihre Farb...
Mein Fräulein rannte flugs davon und ward nicht mehr geseh‘n
Sprach das letzte Wort zu mir und sagte mit hoher Stimm..
Nein, nein, so einfach kriegst mich nimmer…
Bau mir ein Rosenhaus und schenk mir einen Schatz...
Und seither sitz ich hier ohne mein Herzblatt…
Ohne Schatz kein‘ Frau und ich wünsch sie mir so sehr...
Hilf mir den Schatz zu finden und denk an die Melodie...
Ich brauch deine Hilfe, sonst kriege ich sie nie...“
Dann verstummte das kleine Wesen und setzte sich auf einen Ast des nahen Baumes.
Das war gut so, weil das Lied nicht nur sehr traurig , sondern weil die Melodie unendlich langweilig und monoton war. Leise schwebte dünnes ein Notenblatt auf den Boden vor meine Füsse.
Ich hob es auf und, obwohl ich nie etwas von Musik verstanden hatte, sah ich sofort, dass das kleine Kerlchen wohl auch noch die eine oder andere Musikstunde brauchte;-).
Da sass ich nun im feuchten Gras, die traurige Lichtgestalt über mir auf dem Ast mit dem Notenblatt in der Hand…und wartete…und wartete auf die geniale Eingebung eines freundlichen Cachers um dem Wesen aus seiner Agonie zu helfen;-)